Gartner, Forrester, Experton & Co.

Budget-Prognosen im Vergleich

20.01.2011 von Christiane Pütter
Weltweit sagen Experten IT-Etats im neuen Jahr ein Plus von fünf bis sieben Prozent voraus. Allerdings widerspricht Experton den Deutschland-Zahlen von Gartner.
Wie hoch sind die IT-Budgets 2011?
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Überall haben sie die Glaskugeln gezückt: Gartner und Forrester, Capgemini und Experton prophezeien die IT-Budgets für das neue Jahr. Doch der Blick nach vorn ist eher vernebelt denn kristallklar - die Experten sind sich uneins. Immerhin so viel scheint festzustehen: Deutsche CIOs gehören 2011 nicht zu den Gewinnern.

Zunächst einmal die globalen Zahlen: Am weitesten nach oben greift Forrester. Der US-Marktforscher sagt für 2011 ein Wachstum von insgesamt 7,1 Prozent voraus. Damit würde ein Marktvolumen von 1,7 Billionen US-Dollar erreicht. Die Kollegen von Gartner rechnen mit einem weltweiten Plus von 5,1 Prozent - kommen damit aber auf ein Gesamtvolumen von knapp 3,6 Billionen US-Dollar.

Einig sind sich die Analysten darin, dass sowohl die Bereiche Hardware als auch Software zulegen. Hier zeige sich noch Nachholbedarf nach der Krise. Auch bei der Telekommunikation werden CIOs zukaufen. Forrester sieht insbesondere bei der Ausstattung für Videokonferenzen und Unified Communications Bedarf.

Allerdings erwartet Forrester auch mehr Nachfrage nach IT Consulting und Systemintegrations-Services. Gartner dagegen sieht hier nur unterdurchschnittliches Wachstum.

Die US-Marktforscher haben sich außerdem die verschiedenen Regionen auf der Erde angesehen. Forrester zufolge werden CIOs aus den aufstrebenden Gebieten Lateinamerika, Osteuropa, Nahost und Afrika die stärksten Budgetsteigerungen verzeichnen. Sie haben 2011 fast zehn Prozent mehr Geld zur Verfügung als im vorigen Jahr.

Am anderen Ende der Skala stehen West- und Mitteleuropa, so Forrester. Hier beläuft sich das Plus auf höchstens vier Prozent. Gartner sieht es pessimistischer und gesteht dem europäischen IT-Markt insgesamt gerade einmal ein Plus von 1,3 Prozent zu.

Gartners Zahlen "nicht nachvollziehbar"

Stichwort Europa: Capgemini und Experton haben den deutschsprachigen Raum beziehungsweise Deutschland unter die Lupe genommen. Die Münchener Analysten von Experton widersprechen Gartner deutlich. Die Zahlen des US-Marktforschers für Europa seien "nicht nachvollziehbar", schreiben sie.

Ihre Prognose für Deutschland sagt im neuen Jahr ein Plus von 4,5 Prozent voraus. "Vorausgesetzt wird dabei, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung weiter positiv fortsetzt und es nicht zu einer erneuten Weltwirtschaftskrise kommt", erklärt Experton.

Capgemini gibt keine Aussage über ein prozentuales Wachstum ab. Stattdessen haben die Berliner Marktforscher Ende vorigen Jahres 115 Entscheider im deutschsprachigen Raum über ihre Erwartungen befragt. Das Ergebnis ist verhalten: Eine relative Mehrheit von 39 Prozent rechnete mit stagnierenden Etats.

Immerhin glaubte aber mehr als jeder Dritte (35 Prozent), 2011 über mehr Geld zu verfügen. 21 Prozent dagegen stellten sich auf sinkende Budgets ein.

Capgemini hatte dieselbe Frage ein Jahr zuvor gestellt. Damals gingen die Positionen weiter auseinander: Sechs Prozent mehr Teilnehmer - insgesamt also 41 Prozent - hatten sich für 2010 mehr Geld versprochen. Im Gegenzug hatten aber ebenfalls sechs Prozent mehr - und damit insgesamt 27 Prozent - kleinere Töpfe befürchtet.

Jeder zweite deutsche CIO optimistisch

Optimistischer zeigten sich die Teilnehmer einer vergleichbaren Umfrage auf CIO.de im Dezember 2010. Knapp die Hälfte (47 Prozent) der 434 Nutzer erwarteten im neuen Jahr steigende Etats - 19 Prozent hielten sogar ein Plus von einem Fünftel für denkbar.

Andererseits gingen 29 Prozent von schrumpfenden Etats aus. 24 Prozent erwarteten keine Änderung gegenüber 2010.

Die Kollegen von unserer Schwesterpublikation CIO.com wollten ebenfalls wissen, wie ihre Leser die Lage sehen. Fazit: 54 Prozent von 333 Umfrageteilnehmern können 2011 nach eigener Einschätzung mehr Geld ausgeben. Sie wollen es vor allem in neue Projekte und Anwendungen fließen lassen.

Unabhängig von all diesen Prognosen haben Gartner-Analysten Ende vorigen Jahres ein neues Schlagwort in die Branche geworfen: Sie sprechen von einer "IT-Verschuldung". Diese habe in den letzten Jahren gefährlich zugenommen.

Warnungen vor einer "IT-Verschuldung"

Gartner meint mit "IT-Debt" nicht gemietete Systeme oder ausgelagerte Infrastruktur. Die Analysten verwenden den Begriff Schulden außerdem im übertragenen Sinn und bezeichnen damit die Investitionen, die ein Unternehmen aufbringen müsste, um alle seine Applikationen auf einen Schlag auf den neusten Release-Stand zu bringen.

Insgesamt würde dies, schätzt Gartner, heute alle Unternehmen zusammen global 500 Milliarden Dollar kosten. Die "IT-Verschuldung" sei in den letzten Jahren jedoch schneller gewachsen als die IT-Budgets - und könnte sich bis 2015 auf eine Billion Dollar belaufen.