Burnout vermeiden

Die Generation Y braucht Ihren Schutz

25.08.2016 von Florian Maier und Sarah K. White
Über Millennials gibt es jede Menge zu orakeln. Eines aber scheint sicher: Die Generation Y ist gestresst und ängstlich. Wir sagen Ihnen, wie Sie das Beste aus Ihren Millennials holen.

Angehörigen der Generation Y - auch als Millennials oder Digital Natives bezeichnet - wurde bereits unterstellt sie seien faul und arbeitsscheu. Die Burnout-Rate unter den Angehörigen dieser Gruppe zeichnet allerdings ein völlig anderes Bild.

Millennials muten sich zu viel zu

In einer aktuellen Untersuchung der American Psychology Association (APA) geben 39 Prozent der befragten Millennials an, ihr Stresslevel habe sich im Laufe des letzten Jahres erhöht. Von stressbedingten Schlafstörungen berichten 52 Prozent, während 44 Prozent mit Aggressionsproblemen kämpfen.

James Goodnow, Rechtsanwalt bei Fennemore Craig, wurde als "America's Techiest Lawyer" bekannt und gilt als einer der erfolgreichsten Business-Aufsteiger unter den Millennials. Der Jurist hält regelmäßig Vorträge zum Thema hat Einblick, warum die Generation Y besonders anfällig für das Phänomen Burnout ist: "Millennials verfolgen einfach ganz andere Ziele als die Mitarbeiter früherer Generationen.

Digital Natives gründen nicht selten "nebenher" eigene Unternehmen, engagieren sich ehrenamtlich für gemeinnützige Zwecke und pflegen persönliche Hobbies und Aktivitäten, um ihre Persönlichkeit zu stärken. Das alles nimmt ihnen die Zeit, sich um sich selbst zu kümmern. Sie muten sich selbst einfach zu viel zu - und wenn man das mit dem steigenden finanziellen Druck auf diese Generation kombiniert verstärkt ein Vollzeit-Job diese Situation nur noch weiter und kann zu einem Burnout beitragen."

Für Arbeitgeber ist der Stress, unter dem die Generation Y leidet, eine bittere Pille. Schließlich stellt eine Studie von Besinger, DuPont & Associates kürzlich fest, dass die Digital Natives häufiger nicht zur Arbeit erscheinen. Im Gegensatz zu früheren Generationen, für die die Sichtbarkeit am Arbeitsplatz noch ein feststehender Wert war, neigen die Mitarbeiter aus der Gruppe der Millennials laut der Studie dazu, einen Urlaubs- oder Krankheitstag "einzulegen", wenn Sie überfordert sind oder die Belastung zu groß wird. Eine weitere Erkenntnis derselben Untersuchung: Wenn Ihre Generation-Y-Mitarbeiter trotz Krankheit, Stress und/oder Angst ihrer Arbeit nachgehen, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie keine adäquate Performance an den Tag legen werden.

Crisp Research: "The adaptive Workplace – Arbeiten im 21. Jahrhundert"
Crisp Research über neue Arbeitsplatzkonzepte
Die Auswirkungen "nahezu grenzenloser Mobilität von Information" sind für den Berater Crisp Research ein wesentlicher Aspekt beim Entstehen neuer Arbeitsplatzkonzepte. Seine Studie "The adaptive Workplace – Arbeiten im 21. Jahrhundert" untersucht die Treiber der Veränderungen und kommt zu dem Schluss, dass der neue Arbeitsplatz vor allem ein IT-Thema ist.
Hauptrolle IT
Rund sieben von zehn der 166 Befragten schreiben der IT eine Hauptrolle zu oder sehen sie sogar in der Funktion des Regisseurs.
IT-Investitionen
Sicherheit und "Cloudifizierung" zählen zu den IT-Themen, in die am stärksten investiert wird.
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Ganzheitliches IT-Management heißt für die Befragten vor allem Daten-Management.
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Bei der Flexibilisierung der IT-Infrastruktur verweisen die Befragten zunächst auf ihr IP-basiertes Netz.
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Die rollenbasierte Bereitstellung von IT-Arbeitsplätzen soll für positive User-Experience sorgen.
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In Sachen IT-Sicherheit geht es um verschiedene Maßnahmen. Anmerkung der Redaktion: Beim zweiten Balkendiagramm ist ein Fehler unterlaufen, der Balken ist für die genannten 32,5 Prozent zu kurz. Die Prozentangabe summiert sich aber mit den anderen beiden Angaben auf hundert.

Digital Natives vor Burnout schützen

Die gute Nachricht ist jedoch: Sie können Ihren Millennials helfen - sogar wenn Sie glauben, dass die Grenze zum Burnout bereits überschritten ist. James Goodnow empfiehlt in einem ersten Schritt, für flexible Arbeitszeiten zu sorgen. Das ist zwar eine relativ simple Maßnahme, dennoch kann sie sehr effektiv sein.

So zeigt eine Studie von Workplace Insights, dass sich 85 Prozent der Millennials dauerhaft flexible Arbeitszeiten wünschen. Wenn Sie Ihre Mitarbeiter nicht völlig frei schalten und walten lassen können (oder wollen), sorgen Sie zumindest für einigermaßen flexible Arbeitszeiten: So gelangen die Mitarbeiter zu einer ausgeglichenen Work-Life-Balance. Home-Office-Tage oder Arbeiten an der frischen Luft bei schönem Wetter sind weitere Anti-Burnout-Maßnahmen, die sich relativ schnell und problemlos umsetzen lassen.

Goodnow empfiehlt außerdem, die Digital Natives regelmäßig mit neuen, interessanten Projekten zu versorgen, die auch über die Grenzen der täglichen Aufgaben hinausgehen können. Denn einige Mitarbeiter (nicht nur Millennials) könnten von der Monotonie des Arbeitsalltags gelangweilt sein und hierdurch zu neuer Motivation gelangen.

Wie Jayne Mattson, Senior Vide President bei der Karriere-Beratung Keystone Associates, betont, sollten Führungskräfte auf ihre Mitarbeiter eingehen und auf erste Warnzeichen für ungesunden Stress oder einen Burnout erkennen: "Das Management muss sich um seine Mitarbeiter kümmern und darum, was in deren Leben los ist - und zwar auf freundliche und unaufdringliche Art und Weise. Durch Fragen wie 'Wie war Ihr Wochenende?' oder 'Welche Pläne haben Sie für den Urlaub?' können Unterhaltungen entstehen, aus denen Führungskräfte 'lesen' können, ob Ihre Mitarbeiter zu viel arbeiten oder gar freiwillig auf ihren Urlaub verzichten."

Um der Unternehmenskultur Glaubwürdigkeit zu verleihen, so Mattson weiter, sollten Entscheider mit guten Beispiel voran gehen und ihren Mitarbeitern zeigen, dass das Unternehmen sich um ihr Wohlergehen sorgt: "Etablieren Sie eine Kultur die dazu ermutigt, den Schreibtisch zu verlassen, frei zu nehmen und sämtliche Firmen-Benefits zu nutzen."

So gewinnen Sie die Generation Y für sich
Die Generation Y ...
... hat eine andere Einstellung zu Arbeit und stellt Personaler und Führungskräfte vor neue Herausforderungen.
Katja Loose, Hamburger Management- und Karriereberaterin, ...
empfiehlt: "Regelmäßige Feedback-Gespräche sind eine wirksame Möglichkeit, Generationenkonflikte zu entschärfen und sich gegenseitig besser zu verstehen." Sie hat zehn Ratschläge in petto: ...
Bereiten Sie sich inhaltlich und persönlich optimal vor:
Was ist Ihre Zielsetzung? Was möchten Sie positiv oder kritsch zurückmelden?
Verpacken Sie das Feedback als Geschenk:
Nehmen Sie eine wertschätzende Haltung ein, dann kommt Ihre Botschaft an.
Seien Sie fair:
Kritisieren Sie nie den Menschen als Ganzes, sondern nur den Aspekt, der Sie stört.
Keine Angst vor Tränen:
Der Ypsiloner kann oft schlecht mit Kritik umgehen. Mit Gelassenheit und Verständnis für die neue Generation meistern Sie auch schwierige Themen.
Schließen Sie nicht von sich auf andere:
Erklären Sie dem jungen Mitarbeiter ungeschriebene Gesetze und Verhaltensregeln im Unternehmen - wenn nötig immer wieder neu.
Eigenverantwortung durch Fragen
Bringen Sie Ihren Youngster in Eigenverantwortung, indem Sie ihn durch Fragen lenken und ihn selbst passende Lösungen finden lassen.
Ziele und Leitplanken
Geben Sie Ziele und Leitplanken vor, aber lassen Sie Ihren Mitarbeiter den Weg dorthin möglichst frei gestalten.
Talente aufspüren
Konzentrieren Sie sich auf die Talente, denn da liegt das Potenzial: Fragen Sie nach Hobbys und Interessen des Ypsiloners, um mehr über seine Begabungen zu erfahren.
Definieren Sie Ihre Rolle als Vorgesetzter:
Wollen Sie zum Beispiel Leuchtturm, Herbergsvater, oder Mutter Courage für den jungen Menschen sein?
Nicht von oben herab
Bleiben Sie auf Augenhöhe und halten Sie die bekannten Feedback-Regeln ein: zeitnahe Rückmeldung, ICH-Botschaften, konkret und konstruktiv formulieren!

Der wachsende Druck auf die Generation Y

Einige Studien haben gezeigt, dass die Generation Y bei der Arbeit keine anderen Ziele verfolgt als die Generationen vor ihnen. Und doch könnten sich Vorgesetzte schwer tun, eine Beziehung zu den Millennials aufzubauen, wie James Goodnow erläutert: "Digital Natives weisen eine Tendenz dazu auf, Verantwortung in vielerlei Bereichen zu übernehmen - auch außerhalb der Arbeitsumgebung. Das könnte Vorgesetzte älterer Generationen irritieren. Unternehmen sollten deshalb ihre Führungskräfte schulen und sie dazu bringen, zu verstehen, dass Millennials in vielen Fällen abseits des Büros beschäftigter sind, als die Mitarbeiter früherer Generationen."

Jayne Mattson weist unterdessen auf den wachsenden Druck hin, der auf der Generation Y lastet: "Die Kosten für Bildung sind wesentlich höher, die meisten sind schon beim Einstieg in den Job verschuldet. Wenn ihnen dann klar wird, wie lange es dauert bis alles abbezahlt ist, sparen die meisten an Dingen, die sie wirklich gerne tun würden - etwa in der Stadt leben oder reisen." Heißt im Klartext: Manager sollten demnächst vielleicht ein Training zum "Millennial Mindset" erhalten um besser verstehen zu können, dass die meisten Digital Natives mit ganz anderen Dingen beschäftigt sind, als damit, die Karriereleiter hochzuklettern. "Für Vorgesetzte und Manager ist es wichtiger denn je, den zunehmenden Druck auf die Generation Y zu verstehen", so Goodnow.

Auch Pat Hume, CCO bei iPass, sieht beim Management von Millennials Besonderheiten: "Sie sind die Generation mit der bislang besten Bildung und beginnen Jobs mit einem größeren Bewusstsein für Erfordernisse und Notwendigkeiten. Es ist wichtig, dieses Bewusstsein weiter zu stärken und ihnen - wenn möglich - die Verantwortung für kreative und fordernde Projekte zu übertragen."

Und wenn Sie in ihrem Unternehmen selbst keinen Sinngehalt finden sollten, hat "America’s Techiest Lawyer" einen guten Tipp für Sie: "Lehnen Sie sich zurück und lassen sie ihn sich von den Millennials zeigen. Geben Sie Ihnen die Freiheit, sich zusammen zu finden und Verbesserungsvorschläge einzubringen. So beweisen Sie Ihren Digital Natives, dass Sie ihnen vertrauen und sie unterstützen. Das könnte übrigens auch ein großartiger Weg sein, um die Führungskräfte der Zukunft heran zu ziehen."

Die Generation Y fordert Personalverantwortliche
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Ebenso wichtig ist der Generation Y eine spannende Tätigkeit (56 Prozent).
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An dritter Stelle steht das Verdienstpotenzial, das für jeden Zweiten Priorität hat.
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Für 31 Prozent der Befragten liegt die Priorität bei der Stellenwahl auf einem klaren Karrierepfad.
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Neun Prozent ist bei der Stellensuche das Ansehen des Unternehmens wichtig.

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag unserer US-Schwesterpublikation cio.com.