Hohe Preise, wenig Personal

Gastronomie hofft auf Neustart

22.06.2022
Keine Masken, keinen Impfpass zeigen, keine Anwesenheitslisten - in Hotels und Gaststätten könnte es jetzt richtig rund gehen. Doch so einfach ist es nicht.
Frühstück im Restaurant: Die Kunden werden vor allem die gestiegenen Preise bemerken.
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Wieder einen trinken gehen, mal ins Lieblingsrestaurant, einen Ausflug machen - seit einigen Wochen ist wieder normal, was viele lange entbehrten. Das Gastgewerbe hofft auf jede Menge Gäste im Sommer. Doch wer jetzt ausgeht spürt, dass nach zwei Jahren Corona manches anders ist: die gewohnte Bedienung ist nicht mehr da, in die Speisekarte wurden höhere Preise geklebt - und viele Gäste haben fürs Ausgehen weniger Geld übrig, wenn Sprit und Wocheneinkauf erst einmal bezahlt sind.

"Die Menschen freuen sich, wieder ausgehen, reisen und genießen zu können", heißt es beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband. Und zugleich: "Die aktuellen Herausforderungen könnten kaum größer sein." Doch nach mehr als zwei Jahren Corona müsse der Neustart unbedingt gelingen.

Gute Buchungslage

Gründe für Zuversicht gibt es jedenfalls. "Der Nachholbedarf ist groß", bemerkte Dehoga-Präsident Guido Zöllick. In vielen Regionen hätten die Betriebe berechtigten Anlass zur Hoffnung, das Umsatzniveau von 2019 zu erreichen. Im April stiegen die Gastgewerbe-Umsätze laut Statistischem Bundesamt weiter. Das Vorkrisenniveau ist allerdings noch ein gutes Stück entfernt. Die Gastronomen registrieren aber hoffnungsvoll: Die Gäste kommen zurück, vor allem die Urlauber, und von ihnen besonders die inländischen.

Zu wenig Mitarbeiter

Besonders bitter sei aber, dass die gute Nachfrage oft nicht bedient werden könne, da Mitarbeiter fehlten, heißt es beim Dehoga. In 60 Prozent der Betriebe mangele es an Personal. Und die Konkurrenz ist groß: Viele Branchen suchen händeringend Leute, die Bundesagentur für Arbeit sieht die Nachfrage nach Arbeitskräften auf Rekordniveau.

Das Gastgewerbe ist besonders betroffen. Vom Tresen bis zum Zimmerservice - Tausende haben sich in der Pandemie was Neues gesucht. "Verheerende Umsatzeinbrüche, monatelange Kurzarbeit und Unsicherheiten - trotz größter Anstrengungen gelang es nicht überall, die Mitarbeiter zu halten", klagt der Branchenverband. Noch immer liegt die Beschäftigtenzahl sechs Prozent unter dem Vorkrisen-Niveau, die Azubi-Zahl 20 Prozent.

Zwangsruhetage besonders bitter

"Etliche Betriebe haben schon Zwangsruhetage eingelegt, weil ihnen Personal fehlt", sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten, Guido Zeitler, am Dienstag. Die Branche erlebe einen "Stotterstart" nach der Pandemie.

Zeitler zufolge gibt es in fast allen Tarifgebieten kräftige Lohnerhöhungen. Der Einstiegsverdienst liege nahezu flächendeckend bei mehr als 12 Euro pro Stunde. "Wichtig ist, dass jetzt auch die Gäste Verständnis zeigen und bereit sind, für ein ordentliches Essen und eine gute Bewirtung etwas mehr auszugeben."

Steigende Preise

Allein wegen der Kriegsfolgen haben 73 Prozent der Betriebe im Gastgewerbe schon die Preise erhöht, wie eine Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im Mai ergab. Doch auch die Kunden spüren, dass alles teuer wird. Vor allem Energie und Lebensmittel. Im Mai war die Lebenshaltung für die Menschen in Deutschland 7,9 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Es ist die höchste Inflation seit Jahrzehnten und die die Löhne halten nicht mit.

Dass die Corona-Regeln weitgehend aufgehoben sind, könnte dem Gastgewerbe zwar mehr Schwung bringen, hieß es beim Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) am Dienstag. Zugleich dämpfe aber die hohe Inflation den privaten Konsum. Wie auch der Bundesverband der deutschen Industrie schraubte das Institut seine Konjunkturprognose herunter.

Für Hoteliers und Gastwirte bleibt die spannende Frage, ob ihnen neben den Kunden auch die Politik gewogen ist. Der Verband verlangte eine gute Pandemie-Vorsorge für den Herbst, Vorkehrungen für eine sichere und bezahlbare Energieversorgung, mehr Fachkräfte aus dem Ausland und einen dauerhaft gesenkten Mehrwertsteuersatz. (dpa/rs)