Die neuen Bedürfnisse

IT-Dienstleister und die Generation Y

01.07.2013 von Andrea König
Flexible Arbeitszeiten und transparente Karrieren: "Digital Natives" kommunizieren anders und wollen auch anders arbeiten. Zwei IT-Dienstleister geben Auskunft, wie sie sich auf die Bedürfnisse der Generation Y einstellen.

Philipp Riederle ist 19 Jahre alt und hat gerade sein Abitur gemacht. Als @phipz hat er bei Twitter mehr als 5.300 Follower angesammelt und hält regelmäßig Vorträge vor Unternehmern, Marketingleitern und Organisationen. Spezialgebiet: Digital Natives, denen er sich nun auch in seinem Buch "Wer wir sind und was wir wollen" widmet.

Seine bisherigen Einblicke in die Arbeitswelt bezeichnet er als bizarr, hat er doch erlebt, dass viele Arbeit als notweniges, wenn nicht gar grausames Übel begreifen, um irgendwie den Lebensunterhalt zu sichern. Riederle begreift Arbeit anders und könnte damit viel Zustimmung aus seiner Generation und auch darüber hinaus erhalten. Er ist wie die anderen Mitglieder der Generation Y in Zeiten der Globalisierung, Flexibilisierung und Vernetzung aufgewachsen. Wo früher in den Kinderzimmern Modems dudelten, wird heute mit dem Smartphone oder Tablet selbstverständlich mit Hochgeschwindigkeit durchs Netz der unbegrenzten Möglichkeiten gesurft.

Um Mitarbeiter langfristig zu binden, stellt man sich bei Capgemini möglichst gut auf die Erwartungen der Bewerber ein, erläutert Norbert Bender, HR Director bei Capgemini, Application Services.
Foto: Capgemini

Der Abiturient beschreibt mit vielen Beispielen, wie er und Gleichaltrige kommunizieren, lernen und arbeiten möchten. Auch wenn er keine Berufserfahrung hat, beobachtet er die Unternehmensseite sehr genau. Die Wünsche seiner Generation beschreibt er so: "Wir wollen uns selbst verwirklichen, etwas bewegen, Sinn stiften und einen relevanten gesellschaftlichen Beitrag leisten." Riederle möchte nicht zu festen Uhrzeiten im Büro sitzen und bei jedem Arbeitsschritt kontrolliert werden, sondern wünscht sich eine sinnvolle Tätigkeit mit Freiheiten.

Capgemini, Computacenter und die Generation Y

Beeinflussen die Wünsche der jungen Generation die Arbeitswelt? Wie hat die Generation Y die Arbeitswelt möglicherweise bereits verändert? Wir haben bei zwei Unternehmen nachgefragt, die regelmäßig junge ITler einstellen – der IT-Beratung Capgemini und beim Systemhaus Computacenter.

Beide Unternehmen bejahen die Frage, ob sie sich auf die jungen Mitarbeiter besonders einstellen müssen beziehungsweise möchten. "Eindeutig ja, im IT-Bereich und bei MINT-Absolventen haben wir schon länger einen Arbeitnehmermarkt. Allein um bei Capgemini unseren Ansprüchen an die Qualität unserer Mitarbeiter treu zu bleiben und um sie langfristig an uns zu binden, stellen wir uns möglichst gut auf die Erwartungen der Bewerber ein", sagt Norbert Bender, HR Director bei Capgemini, Application Services.

Thomas Leibfried, Leiter Personalentwicklung und Recruiting bei Computacenter, sagt dazu: "Ein bisschen, denn die junge Generation ist von Kindesbeinen an den Umgang mit IT gewohnt. So ist ihr Kommunikationsverhalten ganz anders: Smartphones, Facebook & Co sind für sie unverzichtbar. Die Bereitschaft, Anwendungen aus der Cloud zu nutzen, ist wesentlich höher als bei der älteren Generation. Und sie erwarten, dass ihr Arbeitgeber sie technisch so ausstattet, dass sie diese Angebote nutzen und möglichst so arbeiten können, wie sie es sich wünschen."

Flexibles Arbeiten und BYOD

Computacenter bietet Mitarbeitern unter anderem flexible Arbeitszeiten und BYOD, erklärt Thomas Leibfried, Leiter Personalentwicklung und Recruiting bei Computacenter.
Foto: Computacenter

Deshalb bietet Computacenter seinen Mitarbeitern beispielsweise flexible Arbeitszeiten und BYOD-Modelle. Dazu gibt es ein Mitarbeiter-PC-Programm: "Über dieses können die Kolleginnen und Kollegen Smartphones, Tablets, Ultrabooks, Desktop-PCs oder andere Geräte unterschiedlicher Hersteller kostengünstig leasen. Diese können sie dann privat oder eben auch beruflich nutzen", so Thomas Leibfried von Computacenter.

Bei Capgemini hat man zum Beispiel darauf reagiert, dass die Studenten durch die Umstellung von Diplom- auf Bachelor- und Masterstudiengänge deutlich früher ins Berufsleben starten. "Ein gutes Onboarding und systematische Personalentwicklung werden immer wichtiger. Im vergangenen Jahr haben wir ein komplett neues Einstiegsprogramm entwickelt, bei dem die neuen Kollegen zunächst einmal in Indien neben der technischen Ausbildung auf die zunehmend internationale Zusammenarbeit vorbereitet werden", erläutert Norbert Bender von Capgemini. Dazu gibt es Veranstaltungen, zu denen deutschlandweit die Niederlassungen für Interessierte geöffnet werden. Hier stünden meist pragmatische Fragen im Vordergrund, weiß Bender. Etwa, wie die künftigen Kollegen ticken, woran sie gerade arbeiten und wie viele Schulungen angeboten werden.

Transparentere Karrieremodelle

Der junge Digital Native Philipp Riederle betont in seinem Buch seine Wunschvorstellung von einer flexibleren Arbeitswelt. Computacenter bietet flexible Arbeitszeiten und auch bei Capgemini spricht man von einer Flexibilisierung: "Mit der steigenden Erwartungshaltung der jungen Kollegen mussten auch wir uns weiterentwickeln, vor allem flexibler werden", sagt Norbert Bender von Capgemini. Während der eine Bewerber im Job die Welt sehen wolle, sei dem anderen ein Büro in der Nähe der Heimat wichtig, der wolle lieber am Donnerstagabend rechtzeitig zum Training im Fußballclub sein. "Auf diese unterschiedlichen Lebensmodelle versuchen wir mit neuen Arbeits- und Karrieremodellen zu reagieren, den sich wandelnden Ansprüchen und veränderten Lebenssituationen Rechnung tragen", so Bender.

Derzeit überarbeite man das Karrieremodell im Unternehmen, die verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten sollen transparenter, interne Wechsel erleichtert werden. "Wir profitieren im Gegenzug davon, dass uns die Expertise nicht verloren geht - zum Beispiel an die Konkurrenz. Auch da ist die Generation Y ungeduldiger", sagt Bender. Thomas Leibfried von Computacenter fasst zusammen, wie die jungen Mitarbeiter das Unternehmen verändern: "Die jungen Kollegen bringen frischen Wind ins Unternehmen - neue Ideen, Herangehensweisen und Denkansätze bereichern die Arbeit in den Teams", sagt er.

In seinem Fazit zum Kapitel über die Arbeitswelt schreibt Philipp Riederle: "Im 20. Jahrhundert musste man sich für einen solchen Lebensstil selbstständig machen. Da die Unternehmen derzeit aber händeringend nach Nachwuchstalenten suchen, gibt es wohl keine andere Möglichkeit, als auf die Bedürfnisse meiner Generation einzugehen."

Autorin: Andrea König

Die 30 beliebtesten IT-Arbeitgeber 2012
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Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz...
hat sich auch in diesem Jahr in den Top 30 behauptet. Forschungseintrichtungen ziehen insbesondere die 25 Prozent Besten eines Jahrgangs an.
Platz 25: Max-Planck-Gesellschaft
Sie gehört für IT-Studenten zu den ersten Adressen, wenn es um Innovation geht.
Platz 24: Lufthansa Systems AG
Stefan Hansen, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa Systems AG, kann zufrieden sein: Sein Unternehmen hat es als einer der wenigen IT-Dienstleister unter die Top 30 geschafft.
Platz 22: EADS
Der Konzern mit seinen Töchtern Airbus, Eurocopter, EADS Astrium und EADS Defence & Security konnte seinen Platz im Vergleich zu 2011 behalten.
Platz 21: Adobe
Der US-amerikanische Softwarehersteller ist insbesondere für sein Bildbearbeitungsprogramm Photoshop bekannt. Bekannte Produkte überzeugen den IT-Nachwuchs.
Platz 20: Daimler/ Mercedes Benz
Daimler ist einer von insgesamt fünf deutschen Automobilherstellern, die in der Top 30 vertreten sind. Nach der IT ist die Automobilindustrie die Branche, in der Informatiker am liebsten arbeiten möchten.
Platz 19: Electronic Arts
Neben Autos locken den IT-Nachwuchs auch noch Computerspiele. Spielehersteller Electronic Arts verlor aber im Vergleich zum Vorjahr vier Plätze.
Platz 17: Intel
Der Chiphersteller teilt sich in diesem Jahr den Platz mit dem....
...Bundesnachrichtendienst
2011 schnitt der BND, der viele offene Stellen für IT-Spezialisten hat, noch um sechs Plätze besser ab.
Platz 15: Bosch Gruppe
Das Unternehmen, das den weltgrößten Automobilzulieferer Robert Bosch und 300 Tochterfirmen umfasst, hat im Vergleich zum Vorjahr fünf Plätze im Ranking gut gemacht.
Platz 13: Volkswagen
Der VW-Konzern ( hier im Bild die Autostadt in Wolfsburg) stieg in der Gunst des IT-Nachwuchses, und zwar um fünf Plätze.
Platz 13: Porsche
Die VW-Tochter ist seit Jahren als Arbeitgeber unter IT-Studenten äußerst beliebt.
Platz 12:Crytek
Spielehersteller Crytek war 2011 der größte Aufsteiger im Ranking der beliebtesten IT-Arbeitgeber und konnte seine Top-Platzierung fast halten.
Platz 11: Amazon
Eine der wenigen Internet-Firmen, die es unter die Top 30 geschafft haben.
Platz 10: BMW
Attraktive Produkte = attraktiver Arbeitgeber. Diese Gleichung scheint auch für den bayerischen Autobauer aufzugehen.
Platz 9: Siemens
Deutschlands größter Konzern war noch vor zehn Jahren der beliebteste Arbeitgeber der Informatikstudenten. Seitdem verliert er jedes Jahr einen oder mehr Plätze. 2011 belegte er Platz 7.
Platz 8: Fraunhofer Gesellschaft
Der IT-Nachwuchs will forschen. Darum ist die Fraunhofer Gesellschaft mit ihren zahlreichen Instituten - hier im Bild der für den Fußball entwickelte RedFIR Chip- eine feste Größe unter den Top Ten.
Platz 8: Fraunhofer Gesellschaft
Der IT-Nachwuchs will forschen. Darum ist die Fraunhofer Gesellschaft mit ihren zahlreichen Instituten - hier im Bild der für den Fußball entwickelte RedFIR Chip- eine feste Größe unter den Top Ten.
Platz 6: Audi
Die Ingolstädter, für angehende Ingenieure längst Arbeitgeber Nummer eins, werden auch unter Informatikstudenten immer beliebter. Von acht auf Platz sechs in diesem Jahr.
Platz 5: IBM
Martina Koederitz, IBM-Deutschland-Chefin, kann sich dieses Jahr nicht so recht freuen: IBM büßte den zweiten Platz des Vorjahres ein und rutschte drei Plätze ab.
Platz 2: Microsoft Deutschland...
...hier die Zentrale in Unterschleißheim, heißt der Aufsteiger des Jahres. Um zwei Plätze verbesserte sich die Gates-Company, die weltweit 2000 neue Stellen schaffen will.
Doch die meisten Informatikstudenten...
...wollen wie schon seit vier Jahren.....
....bei Google arbeiten.
23,5 Prozent der Stimmen vereinte Google auf sich und damit mehr als doppelte soviel wie der Zweitplatzierte Microsoft.
Ob es an solchen Büros liegt?