Witzig, schlagfertig, streitbar

Mark Zuckerberg wird erwachsen

13.09.2013
Beim Börsengang vor einem Jahr machte Facebook-Chef Mark Zuckerberg keine gute Figur. Es schien, als sei ihm die Sache über den Kopf gewachsen. Heute ist der Kurs auf einem Allzeithoch. Und Zuckerberg wirkt wie ausgewechselt. Er legt sich sogar mit der US-Regierung an.

Ist das auf der Bühne wirklich Mark Zuckerberg? "Ich denke, die Regierung hat es vergeigt", platzt es aus ihm heraus, angesprochen auf die NSA-Internetspionage. Kein anderer Konzernchef des Silicon Valley hat bislang derart drastische Worte gewählt - und nun ausgerechnet Zuckerberg, der einst jugendlich-unsicher wirkende Gründer und Chef von Facebook? Er scheint gereift.

Hat es auch mit dem guten Lauf des weltgrößten Online-Netzwerks an der Börse zu tun? Mark Zuckerberg hat allen Grund, selbstbewusst aufzutreten. Die Facebook-Aktie hat sich nach ihrem Einbruch vor einem Jahr erholt. Denn die Werbe-Einnahmen von Smartphones und Tablet-Computern sprudeln endlich. Die Aktie markierte am Mittwoch mit mehr als 45 Dollar sogar ein Allzeithoch.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf steht Zuckerberg dem bekannten US-Journalisten Michael Arrington auf der "Disrupt"-Konferenz der Technologie-Website "TechCrunch" Rede und Antwort. Und die ganze Branche hört zu.

Der Kapuzenpulli ist geblieben, der restliche Zuckerberg ist wie ausgewechselt. Er ist witzig: "Ich bin die letzte Person, die man fragen sollte, wie man einen reibungslosen Börsengang hinbekommt." Er ist offen: "Wir haben kräftig Schläge eingesteckt." Er ist persönlich: "Als Heranwachsender war Bill Gates mein Held." Und er ist geschäftstüchtig: "Unsere Strategie beruht auf drei Säulen: Aufbauen, wachsen, Geld verdienen."

Der Kurznachrichtendienst Twitter ist voll des Lobes für Zuckerbergs neues Auftreten: "Er ist ein viel besserer Redner als früher", schreibt der erste. "Ich bin beeindruckt", der zweite. "Scheint ein anderer Typ zu sein", merkt der dritte an. Das liege ganz sicher am Börsengang und seinem Umgang mit Bankern, analysiert der vierte.

Wer sich alte Auftritte von Zuckerberg anschaut, dem stechen die Unterschiede besonders ins Auge. Auf einer Konferenz des Technologie-Blogs "All Things D" im Jahr 2010 sitzt Zuckerberg sichtlich angespannt in seinem roten Sessel, er schwitzt, redet schnell, guckt das Publikum kaum an. Seine Aussagen wirken wie einstudiert. Damals war Zuckerberg 26 Jahre alt.

Mit seinen heute 29 Jahren scheint Zuckerberg der Auftritt regelrecht Spaß zu machen. Das zeigt schon seine lässige Sitzhaltung im diesmal schwarzen Sessel. Zuckerberg spricht ungezwungen, wendet sich oft dem Publikum zu, lacht herzhaft - und das auch bei Scherzen des Interviewers auf seine Kosten.

Zuckerberg scheint sich niemals vor einer Antwort drücken zu wollen, auch bei brisanten Themen. Bei der Internetspionage durch den US-Geheimdienst NSA fordert er mehr Offenheit der Regierung: "Ich denke, die Leute haben ein Recht darauf, es zu wissen." Auch drängt er Washington, die Einwanderungsgesetze zu reformieren, damit die zahlreichen illegal in den USA lebenden Jugendlichen ein Anrecht auf eine gute Ausbildung bekommen. Die Kampagne FWD.us hat zahlreiche namhafte Unterstützer im Silicon Valley. Zuckerberg: "Ich war niemals stolzer auf meine Branche."

Dank des Rekordlaufs der Facebook-Aktie hat sich Zuckerbergs Vermögen seit Jahresbeginn fast verdoppelt. Der Finanzdienstleister Bloomberg schätzt, dass der Großaktionär momentan 21,3 Milliarden Dollar schwer ist. Da fällt es vielleicht einfacher, locker zu bleiben - selbst als Interviewer Michael Arrington auf den missglückten Börsengang zu sprechen kommt und lästert: "Um ehrlich zu sein, Eure mobilen Produkte waren ätzend." Zuckerberg: "Ja, das waren sie." (dpa/rs)