Arbeiten in der Games-Branche

Mehr als Spielerei

31.08.2018 von Hans Königes
Über zwei Millionen Menschen gehen täglich ins Internet, um Online-Games zu spielen. Diese Zahl zeigt, dass die Branche nach wie vor boomt. So spannend wie der Markt sind auch die Jobs. Vier Mitarbeiter erzählen, warum Games mehr sind als Spielereien.

Ob Berufseinsteiger oder Professionals: "Die Mehrheit unserer Bewerber ist selbst Gaming-affin", sagt Anett Graf, Head of Human Resources bei Gameforge. "Für uns ist das der Jackpot, denn wir glauben fest daran, dass es nur gut für die Stimmung am Arbeitsplatz und für das Produkt sein kann, wenn man sich damit identifiziert."

Zum Glück ginge aber kaum einer mit der Vorstellung in das Gespräch, er könne den ganzen Tag zocken. "Das sind Spezialisten aus aller Welt, die ihr Wissen für das optimale Ergebnis einbringen möchten." Möglichkeiten dazu gibt es genug, denn sämtliche Abläufe zur Entwicklung und Vermarktung eines Spiels werden bei dem Unternehmen aus Karlsruhe intern abgewickelt. Kreative Köpfe, Softwareentwickler, UX-Designer, SysAdmins und Marketing-Profis: Die Games-Industrie bietet vielfältige Karrierechancen.

So spannend wie der Gaming-Markt selbst sind auch die Jobs, die es in der Branche gibt.
Foto: Gorodenkoff - shutterstock.com

Das Spiel mit dem Bewegtbild

"Ich war vor langer Zeit Pro-Gamer und habe früh entschieden, dass ich mit Computerspielen mein Geld verdienen möchte", sagt Toni Glöckle. Also tat er, was dafür nötig war: Er absolvierte eine Ausbildung im Journalismus und betreute in einer TV-Redaktion die Gaming-Sparte, bevor er als Produktmanager in die freie Wirtschaft ging. Ein Ausflug nach England, verbunden mit einem Job bei einem Videospiele-Publisher, endete 2015 - und führte nach Karlsruhe, wo er seitdem als Head of Media & Video Production den Games treu bleibt.

Ausgerechnet Karlsruhe? "Ja, ich mag Städte, die grün, etwas kleiner und familiär sind. Außerdem haben wir hier die zweitmeisten Sonnentage in Deutschland!" Damit wirkt Glöckle auch dem Klischee entgegen, dass Gamer nur im abgedunkelten Zimmer sitzen. Er mag Sport, Reisen, gutes Essen, "daddelt" aber nach wie vor - jedoch vor allem privat mit Shooter-Games, MMOs undVR-Games.

Seine jetzige Arbeit hingegen ist eher eine Mischung aus Journalismus und Technik: Er produziert für Gameforge Gametrailer, TV-Spots, Webshows oder Streams. Dafür erstellt er diverse Konzepte, betreut die Agenturen, die die Vertonung der Games übernehmen, und nimmt interne Jobs an, die vom Schnitt eines Werbeclips bis zur Produktion von Online-Werbemitteln reichen.

Der Umgang mit Technologien wie Adobe Premiere, Hard- und Software für Videoproduktion, -bearbeitung und- schnitt, Grafik - da kommen schon einige Skills zusammen. "Im Tagesgeschäft wiederholen sich viele Tätigkeiten natürlich. Aber mindestens ein- bis zweimal die Woche gibt es komplett neue Projekte wie einen Werbeclip, einen Stream oder einen Trailer. Diese Abwechslung ist super. Außerdem habe ich ein cooles und kreatives Team im Rücken, bei dem alle ihr Hobby zum Beruf gemacht haben."

Das Spiel mit der Nutzerfreundlichkeit

Als Frau in die Games-Welt einzusteigen - und dann auch noch in der IT? Für Joy Dana Görig war das überhaupt keine Frage, zumindest, nachdem sie die Ausbildung zur Grafikdesignerin abgeschlossen hatte: "Ich habe gemerkt, dass mich das Digitale und die Konzeptionsarbeit mehr interessieren als das fertige Design." Also legte sie ein Studium des Intermedialen Designs nach, schrieb ihre Bachelor-Arbeit bei Gameforge - und blieb.

Jetzt bestimmt sie im Hintergrund mit, wie Spiele nach der Fertigstellung aussehen sollen. Ob Interaktionselemente, Usability-, UX- oder Design-Konzepte für Websites oder Analysen zu Optimierung bestehender Games: Joy Görig erstellt Scribbles, sammelt Ideen, baut Wireframes und konzeptioniert Abläufe, um etwa neue Spiele besonders anwenderfreundlich zu machen.

"Dafür arbeite ich mit Kollegen aus vielen Abteilungen zusammen, beispielsweise aus der Entwicklung oder dem Gamedesign. Ich lerne ständig neue Leute kennen, die alle Spezialisten auf ihrem Gebiet sind. Das ist ein großes Miteinander, das unglaublich Spaß macht." Dass sie dabei auch auf viele weitere weibliche Kollegen trifft, ist bei ihrem Arbeitgeber die Norm. Immerhin rund 25 Prozent der Belegschaft sind Frauen.

Und wie steht es um das eigene Interesse für Games? Wenn, dann sind es die Open-World-Spiele, in denen sie sich durch riesige Spielewelten mit gigantischer Grafik bewegt. Die Begeisterung für gutes Design lässt die Hobby-Fotografin also auch im Privaten nicht los.

Das Spiel mit der Verfügbarkeit

Man will ein Online-Game spielen und es funktioniert einfach nicht? Nicht nur ein Horrorszenario für den Spieler, sondern auch für Mathias Breiner. Er ist als Systemadministrator unter anderem dafür verantwortlich, dass die Server, auf denen die Spiele bereitgestellt werden, reibungslos funktionieren. "Mir ist es wichtig, die Technik in den Griff zu kriegen, nicht umgekehrt!"

Dafür bleibt er nicht nur immer auf dem Laufenden hinsichtlich Windows, Linux, Tools und Technologien, er widmet sich besonders gerne der Automatisierung bestimmter Prozesse, damit die Arbeit für seine Kollegen sowie für verpartnerte Spielestudios vereinfacht wird. Und natürlich, damit die Gamer in reibungslosen Spielegenuss kommen. Ursprünglich hatte Breiner vor, eine Stelle in der Softwareentwicklung anzutreten. Ein Nebenjob während des Informatikstudiums brachte ihn auf den Weg zum SysAdmin.

"Ich begann mich für die Herausforderungen des operativen Betriebs zu interessieren. Dass zehntausende Spieler auf den von mir betreuten Servern gerade eine gute Zeit haben, finde ich auch spannender als einen Banken-Server." Dass dann in der Freizeit der Computer möglichst ausgeschaltet bleibt und auch das Gaming nicht mehr eine so große Rolle wie früher spielt, ist bei der Bewältigung der Aufgaben kein Hindernis.

Wenn der Release eines neuen Games klappt wie geplant, wenn die wochen- und monatelange Vorarbeit sich gelohnt hat, ist das für Mathias Breiner ein echtes Hochgefühl. Doch so ein Release ist natürlich nicht der Alltag. "Ich bin in Meetings, prüfe die Benachrichtigungen von Monitoring- und anderen automatisierten Systemen, kümmere mich um Serverupdates und konfiguriere Systeme." Und er etabliert neue Standards und Lösungswege, denn "wir wollen immer besser werden." Kurze Wege, klare Prozesse und eine gute Vernetzung im Unternehmen tragen aus seiner Sicht dazu bei, dieses Ziel zu erreichen.

Das Spiel mit der Qualität

Ein bisschen spielen und dafür bezahlt werden, das wäre zu kurz gefasst, wenn man den Job als Quality Assurance Specialist von Nedim Süzen beschreiben wollte. Seit vier Jahren testet er die Qualität der Online-Spiele, die sein Arbeitgeber veröffentlicht. "Wenn man alten Bekannten erzählt: 'Rate mal, wer fürs Zocken bezahlt wird?' ist das ein sehr cooles Gefühl. Der Nachteil ist dann nur, dass man die nächste Stunde damit beschäftigt ist, ihnen zu erklären, dass es nicht nur Spaß ist und es einen Grund gibt, warum ich dafür bezahlt werde."

Einer dieser Gründe ist, dass Süzen die letzte Instanz ist, bevor das Spiel an den User geht. Er sucht mit Adleraugen nach Fehlern, schaut ganz detailliert, was nicht funktioniert, und meckert bei den Verantwortlichen, wie er selbst sagt. "Eigentlich sind das keine schönen Botschaften, die man da überbringt. Aber ohne uns kämen die Spiele mit zu vielen Fehlern auf den Markt. Und obwohl wir ganz genau hinsehen, entdecken meine Kollegen und ich auch nicht alles."

Vor allem hängt mehr an dem Job als "PC an und los": Je nachdem, in welchem Produktionszyklus das Spiel gerade ist, wird entweder eine Dokumentation bereits erledigter Tests durchgesehen und kontrolliert, werden Testpläne erstellt oder diese umgesetzt. Eventuelle Fehler werden erfasst, analysiert und dokumentiert, Fehlerquellen werden eingegrenzt und letztlich natürlich auch nochmal überprüft, ob Makel beseitigt wurden. Und auch Hard- und Software-Kompatibilitätstests gehören zum Jobprofil.

Ein Traumjob? Für Nedim Süzen ja, dafür ist er sogar extra nach Karlsruhe gezogen: "Mir macht das einfach Spaß, gerade auch mit meinen Kollegen, die Freunde geworden sind. Da kann man auch mal nach Feierabend zusammensitzen, obwohl man zwei Stunden vorher noch Mängel kritisiert hat."