Nachlese Build 2015 und Ignite 2015

Microsofts Strategie - Raus aus der Schublade

18.05.2015 von Jörg Mecke
Microsoft war auf seinen Konferenzen "Build" und "Ignite" für viele Überraschungen gut und hat vor allen Dingen gezeigt, dass das Unternehmen in keine Schublade mehr passt.

War Microsoft in der Vergangenheit eher für in sich geschlossene Systeme bekannt, zeigen sie jetzt eine Offenheit, die in der IT-Branche ihresgleichen sucht.

Zuvor dachten viele Experten, Microsoft drängt Kunden in die Public Cloud - Stichwort "Cloud first, mobile first" - nun gibt es klare Bekenntnisse für IT, die vor Ort (on premise) bleibt. Drei Veränderungen in der Strategie von Microsoft lassen aufhorchen:

1. Die Integration von iOS- und Android-Apps auf dem Windows Phone verschafft nicht nur der App-Vielfalt Aufwind, sondern macht den Mitbewerbern (Apple und Google) vor, wie man das Beste aus mehreren Welten zusammenführt.

2. Die Ankündigung von Azure-Stack zeigt, dass Microsoft die Erkenntnisse aus dem Betrieb der Cloud-Rechenzentren auch an Kunden und andere Hoster weitergibt. Die gleichen APIs (Application Programming Interfaces) und die Abbildung des Fabric-Ansatzes auf Kundenumgebungen erzeugt eine Konsistenz zwischen Private- und Public-Cloud-Ansätzen, die aktuell kein anderer Anbieter schafft.

3. Das Microsoft Operation Management System ist die Erweiterung für System Center, die das Management von On premise-Systemen auf die Cloud überträgt - nicht nur für Azure, sondern auch für Amazon Web Services (AWS) oder VMware vCloud. Je nach Umsetzung hilft Management-as-a-Service (MaaS) dem Kunden, die Abhängigkeit von einem Hersteller zu vermeiden und das Management für alle Plattformen zu vereinfachen. Die Konsequenz: Kunden sind deutlich freier in ihrer Anbieter-Entscheidung.

Bildergalerie:
Windows 10
Microsoft hat ein paar weitere Windows-10-Neuerungen angekündigt.
Windows 10
Der Sprachassistent Cortana hat eine neue Oberfläche bekommen und schlägt jetzt auch Apps vor.
Windows 10
Wer Cortana nicht nutzt, wird vom System zum Ausprobieren animiert.
Windows 10
Der neue Standard-Browser heißt jetzt offiziell Microsoft Edge.
Windows 10
Microsoft Edge unterstützt auch Erweiterungen, die von anderen Browsern sollen sich leicht adaptieren lassen.
Windows 10
Contiuum auf dem Smartphone sorgt dafür, das die App auf dem Desktop auch nach Desktop aussieht.

Hier senden die Ankündigungen der Konferenzen positive Signale. Zwei weitere Fakten zeugen von der Aufbruchsstimmung bei Microsoft und dem Wandel der Branche: Während der ehemalige Microsoft CEO Steve Ballmer noch Linux verschrien hatte, arbeitet das Unternehmen heute mit mehreren Distributoren zusammen. Das Ergebnis: Aktuell basieren nur schon 25 Prozent der Azure Workloads auf Linux. Und wer weiß eigentlich, wer der größte Kunde von Microsoft für das Mietlizenzmodell "Services Provider License Agreement" (SPLA) weltweit ist? Der heißt Amazon - und das nicht für den Versandhandel, sondern für die Cloud.

So ändern sich die Zeiten. Starre Grenzen fallen weg und selbst Konkurrenten arbeiten zusammen. Vorurteile scheinen weniger zu werden und Diskussionen entbrennen neu. Das Prinzip der "Co-opetition" (Cooperation und Competition zwischen den gleichen Unternehmen) erlangt wieder neue Brisanz. Jetzt ist es an jedem einzelnen IT-Verantwortlichen, diese Situation zu bewerten und für sich zu nutzen. Eines ist sicher: Eine Flamme der Veränderung ging von San Francisco und Chicago auf jeden Fall aus. (mje)

Zum Video: Microsofts Strategie - Raus aus der Schublade