Ringen um Opel-Jobs

Noch keine Garantien von Peugeot-Citroën für Opel

20.02.2017
Die Politik kämpft um den Erhalt der Arbeitsplätze bei Opel, falls das Unternehmen vom französischen Autobauer Peugeot-Citroën übernommen wird. Auf lange Sicht sind sichere Jobs aber nahezu unmöglich, sagt ein Experte.
Das Ringen um die Opel-Jobs geht weiter.
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Sechs Tage nach dem Bekanntwerden der Übernahmepläne gibt es vom französischen Konzern Peugeot-Citroën (PSA) noch immer keine Garantie für die Arbeitsplätze und drei deutschen Standorte des Traditionsunternehmens.

Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig berichtete nach Gesprächen mit PSA, dem Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) und der französischen Regierung zwar von "ersten konstruktiven Signalen" für die mehr als 19000 deutschen Opel-Beschäftigten. "Nur: Diese konstruktiven Signale müssen jetzt auch umgesetzt werden in Verträge, Betriebsvereinbarungen, damit Klarheit und Sicherheit für die Beschäftigten, für die Standorte, auch für die Zukunftsinvestitionen erreicht werden", sagte der SPD-Politiker am Montag im ARD-"Morgenmagazin". Manche Branchenbeobachter geben sich aber skeptisch zur Zukunft von Opel in Deutschland.

Langfristig sieht ein Experte trotz aller Rettungsversuche jeden dritten deutschen Job bei Opel in Gefahr. Ein Abbau von Arbeitsplätzen sei bei einer Übernahme für Peugeot-Chef Carlos Tavares der einzige wirksame Kostenhebel, meinte der Chef des CAR-Center an der Universität Duisburg-Essen, Ferdinand Dudenhöffer. Daran änderten auch die bestehende Beschäftigungsgarantie bis Ende 2018 und die Investitionszusagen für die deutschen Werke bis 2020 nichts. "2018 kann es mit den Abfindungen losgehen."

Die Chance auf zusätzliche Märkte oder erhebliche Mehrverkäufe nach der Übernahme bestehe nicht, sagte der Branchenspezialist. PSA und Opel seien beide zu stark auf Europa konzentriert und hätten in den vergangenen Jahren Marktanteile verloren, erklärte Dudenhöffer. Seit 2011 seien in Europa beide Autobauer zusammen von 21 Prozent Marktanteil auf 16,3 Prozent geschrumpft. Auch nach einer Fusion würden sie mit rund 3,5 Millionen Fahrzeugen im weltweiten Vergleich keineswegs zu den Großen gehören.

Dudenhöffer sieht wegen hoher Kosten vor allem das Montagewerk in Eisenach und die Motorenfertigung in Kaiserslautern gefährdet. Vom Stammsitz Rüsselsheim könnten in absehbarer Zeit zentrale Funktionen wie Einkauf, Vertrieb und Marketing nach Paris verlagert werden, erwartet der Wissenschaftler. Das Entwicklungszentrum mit fast 8000 Beschäftigten werde ebenfalls Kompetenzen verlieren, etwa bei der Entwicklung von Motoren und Plattformen. Nur die Entwicklung eigener Modelllinien und die Anpassung der Autos an PSA-Plattformen sei unter dem Dach des künftigen Konzerns vorstellbar.

Erste Ergebnisse einer 2012 begonnenen Kooperation mit PSA waren am Montag in Frankfurt bei einer Präsentation des neuen Opel-Modells Crossland X zu sehen, das auf einer PSA-Plattform gemeinsam entwickelt und Produziert wird. "Alles, was man sehen und berühren kann, stammt von Opel", sagte Crossland-Chefingenieur Olaf Kaden. Im Umkehrschluss komme das meiste andere aus den Regalen der Franzosen.

Von den Kartellbehörden ist kein Veto zu erwarten. "Derzeit haben PSA wie auch Opel einen Marktanteil im Pkw-Markt in Europa von jeweils unter zehn Prozent. Das ist für sich genommen keine kritische Größe", sagte der Chef der Monopolkommission, Achim Wambach, der "Rheinischen Post". Die Kartellwächter würden den Markt aber sorgsam analysieren - immerhin entstünde das zweitgrößte Fahrzeugunternehmen in Europa.

GM verhandelt seit längerem mit PSA, bekannt wurden die Gespräche aber erst am Dienstag vergangener Woche. Bis spätestens zum Genfer Autosalon in zweieinhalb Wochen sollen mehreren Medienberichten zufolge die Verträge unterzeichnet sein.

Am Donnerstag fliegt Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) nach Paris, um mit ihrem Amtskollegen Michel Sapin auch über die geplante Übernahme zu sprechen. An dem Tag legt auch PSA seine Jahresbilanz vor.

Opel hat seit 1999 keinen Gewinn gemacht. Bereits 2008/2009 wollte GM die Deutschen loswerden, behielt sie dann aber doch. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Freitag betont, es werde alles politisch Mögliche getan, "dass die Arbeitsplätze und Standorte in Deutschland gesichert sind". (dpa/rs)