Outsourcing-Studie

Outsourcing nach Osteuropa bei Banken beliebt

21.02.2012 von Ursula Pelzl
Immer mehr Unternehmen lagern Geschäftsprozesse nach Osteuropa aus. Ein Plus von 18 Prozent zum Vorjahr weist eine neue Studie aus. Banken sind ganz vorn dabei.
Die meisten Outsourcing-Projekte deutscher Banken gehen nach Osteuropa.
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Die Auslagerung von Geschäftsaktivitäten gewinnt deutlich an Zustimmung. 75 Prozent der deutschen Unternehmen geben Outsourcing-Projekte aktuell bevorzugt in östliche Nachbarstaaten. Das entspricht einem Plus von 18 Prozentpunkten im Jahresvergleich für die Nearshore-Länder Polen und Tschechien.

Zwar sind Indien und Asien insgesamt ebenfalls gefragte Offshore-Standorte. Indien belegt mit 28 Prozent den zweiten Platz, Asien ohne China mit 17 Prozent Platz drei. Doch bei der Auslagerung von Geschäftsprozessen (BPO) bevorzugen 65 Prozent der Unternehmen den Standort Deutschland, 19 Prozent das benachbarte Osteuropa (Nearshore) und nur drei Prozent die Offshore-Länder Indien, China oder Brasilien.

Unterschiede lassen sich je nach Branche identifizieren. So ist das Business Process Outsourcing nach Osteuropa besonders beliebt in der Branche Transport und Logistik. 25 Prozent der Unternehmen gehen hier ins Nearshoring. Dicht gefolgt von Banken und der IT-Branche. Jeweils 24 Prozent der Institute und Unternehmen lassen Leistungen in Osteuropa erbringen.

Überdurchschnittlich hoch ist das Interesse an Infrastruktur-Outsourcing nach Osteuropa bei IT-Unternehmen (30 Prozent), Banken (28 Prozent), dem verarbeitenden Gewerbe (28 Prozent) sowie Unternehmen aus dem Bereich Transport und Logistik (25 Prozent). Handel und Versicherungen lagern mit acht Prozent nur sehr vorsichtig Infrastruktur-Projekte nach Osteuropa aus.

Auch beim industrialisierten Software Testing, den sogenannten Managed Testing Services, hat Osteuropa die Nase vorn. Mehr noch - der Standort Deutschland verliert laut Studie zugunsten der Nearshore-Standorte an Bedeutung. 44 Prozent der Versorgungsunternehmen aus der Energie- und Wasserwirtschaft und 38 Prozent der Kreditinstitute bevorzugen das Testen von Software in Osteuropa. Der Standort Deutschland hat mir jeweils 33 Prozent das Nachsehen. Im Durchschnitt aller Unternehmen punktet Osteuropa mit 21 Prozent.

Datensicherheit und Sprache oft Hinderungsgrund für Near- und Offshoring

Als größten Hinderungsgrund für Outsourcing in Nearshore- oder Offshore-Länder nennen drei Viertel der befragten Unternehmen Bedenken wegen der Datensicherheit.

Probleme mit der Sprache Englisch ist für 62 Prozent der Grund Outsourcing kritisch zu betrachten. Viele kleinere Unternehmen suchten daher in Osteuropa nach deutschsprachigen Dienstleistern, kommentiert Dr. Stefan Schlöhmer, Outsourcing-Experte von Steria Mummert Consulting das Studienergebnis.

Aber nicht nur die Kommunikation auf Englisch fürchten die Unternehmen. 62 Prozent geben an, umfassende Dokumentationen und Anwendungen nur auf Deutsch zu haben. Sie fürchten, dass diese von Nearshore- oder Offshore-Mitarbeitern des Dienstleisters nur bedingt verstanden werden können.

Für die Studie "Erfolgsmodelle im Outsourcing" wurden im vergangenen September 207 IT-Entscheider, Geschäftsführer, Vorstandsmitglieder und CIOs aus Unternehmen ab 100 Mitarbeiter aus den Branchen Banken, Versicherungen, Energie- und Wasserversorgung, Transport und Logistik, Telekommunikation, IT, Gesundheit/Gesundheitswesen, Öffentliche Verwaltung, Handel und Verarbeitendes Gewerbe befragt.