Bezahlen im Internet

Paypal und Kreditkarte holen auf

06.05.2013 von Hartmut  Wiehr
Zwar liegt das Bezahlen per Rechnung noch immer vorne, doch der Abstand zu anderen Payment-Methoden schmilzt. Das Ergab eine Studie des EHI Retail Institute.

Der Kauf auf Rechnung hat Tradition in Deutschland, was sicher zu einem Teil als Erbe des klassischen Versandhandels à la Neckermann, Otto und Quelle zu betrachten ist. Deren Marktanteile im Nachkriegsdeutschland verdankten sich außerdem den vielfach so beliebten Ratenzahlungen.

Paymorrow gehört zu den Rechnungskaufanbietern, die für kleinere Online-Shops das Bezahlen per Rechnung abwickeln.
Foto: Paymorrow

Zwar liegt das Bezahlen per Rechnung – also mit einem gewissen zeitlichen Abstand zur Empfangnahme und Benützung der erworbenen Ware – noch immer vorne mit 25,8 Prozent, doch der Abstand zu anderen Payment-Methoden schmilzt. Dies zeigen die Ergebnisse einer Studie zum Online-Payment, die das EHI Retail Institute auch 2013 bei den 1000 umsatzstärksten Online-Shops durchgeführt hat. Man kann das Resultat auch umdrehen: Die alternativen Bezahlmethoden, die sich auf Kreditkarten und Bankeinzug stützen, liegen zusammen genommen bereits vorne.

Visa, Mastercard und American Express mit Wachstum

Das EHI hat ermittelt, dass die Deutschen ihre Reserve gegenüber der Kreditkarte beim Online-Shopping zumindest teilweise aufgegeben haben: Der Marktanteil für Karten wie Visa, Mastercard und American Express ist gegenüber dem Vorjahr von 16,9 auf 20,5 Prozent gestiegen. Und Paypal hat ebenfalls aufgeholt: von 13,5 auf 16,1 Prozent dieses Jahr.

Weitere größere Marktanteile entfallen laut EHI auf das elektronische Lastschriftverfahren sowie auf Vorauskasse, Finanzierung, Nachnahme und Sofortüberweisung. Um alle Marktanteile zu gewichten, muss man allerdings berücksichtigen, dass nur die wenigsten Händler die komplette oder halbwegs komplette Liste des Bezahlens anbieten.

Amazon bietet u.a. auch die Zahlungsabwicklung für andere Online-Shops an.
Foto: Amazon

So kennt der Branchenriese Amazon lediglich die drei genannten Kreditkarten und Bankeinzug. Für Ratenzahlung bietet dieser Händler noch eine eigene Visa-Karte an, über die man die Bezahlung strecken kann (zu einem Zinssatz von etwa 15 Prozent jährlich).

Kleine Online-Shops bieten häufiger Rechnung an

Vor allem kleinere Online-Shops bieten laut EHI ihren Kunden immer häufiger den Kauf auf Rechnung an. Sie kalkulieren auf einen größeren Marktanteil, wenn sie den Kunden auf diese Weise entgegen kommen. Häufig bedienen sie sich dabei eines sogenannten Rechnungskaufanbieters mit einer eigenen Marke. Dazu gehören zum Beispiel BillSAFE (gehört zu PayPal), Klarna, Billpay, Paymorrow oder Sofortrechnung, die gegen anteilige Gebühren die gesamte Zahlungsabwicklung übernehmen.

Wie EHI mitteilt, stieg bei Express-Checkout-Systemen (zum Beispiel Bezahlen mit Amazon) ebenfalls die Anzahl markengestützter Anbieter. Dazu gehören in Deutschland u.a. V.me, Google Checkout oder Masterpass: "Von den Top-1000 Online-Shops setzen bereits 138 einen Rechnungskaufanbieter mit Marke ein, 22 Händler nutzen schon Amazon Payments." Das meistangebotene Express-Checkout-System bleibe jedoch weiterhin Paypal.

Rabatte und kostenloser Versand

Der Service-Gedanke bringt den Kunden je nach Wahl eines Bezahlverfahrens durchaus Vorteile in Form von Rabatten oder kostenlosem Versand. Auf der anderen Seite kommt es aber auch zu Preisaufschlägen, wenn der Händler selbst höhere Auslagen bei einem bestimmten System hat. So gewähren laut EHI 31,9 Prozent der Händler Kunden, "die ein für den Händler kostengünstiges Zahlungsverfahren wählen, spezielle Vergünstigungen wie beispielsweise den kostenlosen Versand". Rabattiert werden demnach am meisten Vorauskasse oder Zahlung bei Abholung. Aufpreise gibt es dagegen am häufigsten bei Nachnahme, Rechnung und Paypal.

Die Online-Händler können also durchaus einiges tun, um über die Payment-Gestaltung den Umsatz zu steigern – oder zu behindern.