Züchter haben Angst vor der Zukunft

Schweinehalter befürchten Höfesterben

29.09.2021
Viele Landwirte sehen schwarz für ihre Betriebe: Eine schwierige wirtschaftliche Lage, immer höhere Auflagen und eine unentschlossene Politik lösen Zukunftsängste aus. Das belegt eine aktuelle Umfrage unter Schweinehaltern.
Viele deutsche Schweinebauer sehen für ihre Betriebe keine Zukunft mehr.
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Viele Schweinehalter sehen derzeit keine Zukunft mehr für ihre Betriebe. Einer Umfrage der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands zufolge will die Hälfte der Betriebe in Deutschland in den nächsten zehn Jahren aussteigen. Vor allem kleinere Betriebe denken sogar schon kurzfristig ans Aufgeben, teilte die ISN am Dienstag in Damme (Landkreis Vechta) mit. Befragt wurden im Juli und August 1.048 Sauenhalter und Mäster. Die meisten Betriebe kommen aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Aus Süddeutschland haben rund 160 Schweinehalter an der Umfrage teilgenommen.

Demzufolge wollen 60 Prozent der Sauenhalter und 40 Prozent der Schweinemäster binnen zehn Jahren aufhören. Bei etwa jedem sechsten befragten Betrieb sei der Ausstieg schon sehr konkret oder stehe in den nächsten beiden Jahren bevor, teilte die ISN mit. In Süddeutschland wollen demzufolge mehr als 70 Prozent der Sauenhalter und 55 Prozent der Schweinemäster in den kommenden zehn Jahren den Betrieb aufgeben.

Trotz der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage seien nicht die niedrigen Erzeugerpreise die meistgenannte Ursache für die Betriebsaufgaben. Dass so viele Bauern aufgeben wollen, sei eine Folge der fehlenden Perspektive und des fehlenden Rückhalts seitens der Politik, sagte ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes.

Kleineren Betrieben droht das Aus

Auch Agrarökonom Josef Efken vom bundeseigenen Thünen-Institut in Braunschweig rechnet mit einem bereits im kommenden Jahr spürbaren Strukturwandel bei der Fleischerzeugung in Deutschland. "Alle Zeichen deuten darauf hin, dass es in den kommenden Jahren zu einem deutlichen Rückgang der Erzeugung kommt", sagte Efken. Experten rechnen demzufolge schon 2022 mit einem Rückgang von fünf bis acht Prozent bei der Erzeugung von Schweinefleisch, weil viele Betriebe aufgeben. Das habe Auswirkungen auf die Schlachthöfe: Kleinere Betriebe oder Betriebsteile dürften schließen. Große Betriebe, wie Tönnies im westfälischen Rheda-Wiedenbrück, stünden hingegen nicht auf der Kippe.

Andererseits könnte in der Krise auch eine Chance liegen, wenn nämlich die Landwirte mit der Erzeugung hochwertigerer Produkte künftig stärker auf Tierwohl setzen als es in der derzeitigen Massentierhaltung möglich sei. Andererseits bestehe aber auch die Möglichkeit, dass die Branche in dem jetzigen Kostenkorsett steckenbleibe und sich weiterhin dem internationalen Wettbewerb stellen müsse. "Es ist wirklich unklar, wohin die Richtung geht", sagte Efken.

Schweinehaltung mit transparenter und regionaler Wertschöpfungskette gefragt

Für die gesamte Wirtschaft seien die Folgen des Strukturwandels in der Landwirtschaft allerdings überschaubar, sagte Efken. In einer noch laufenden Studie untersucht das Thünen-Institut unter anderem die drei Landkreise Emsland, Cloppenburg und Vechta - diese Region gehört zu den Hochburgen der deutschen Tierhaltung. Weil sich in der Region auch andere Wachstumsbranchen befinden, könnte der Arbeitsmarkt demnach auch im Falle eines deutlichen Rückgangs der Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe weiter wachsen. Das Wachstum würde jedoch geringer ausfallen, sagte Efken.

Die Schweinebäuerinnen und Schweinebauern in Deutschland bräuchten Unterstützung und Planungssicherheit, sagte der baden-württembergische Landwirtschaftsminister und Koordinator der CDU-Landwirtschaftsminister der Länder, Peter Hauk. Schweinehaltung mit einer transparenten und vor allem regionalen Wertschöpfungskette müsse auch in Zukunft einen festen Platz in Deutschland haben. "Dazu müssen wir vor allem Genehmigungsverfahren beschleunigen und vereinfachen, gerade wenn es um den Emissionsschutz geht", sagte Hauk. Von Mittwoch bis Freitag tagt die Agrarministerkonferenz in Dresden. (dpa/rs)