ProSiebenSat1-Tochter Aeria Games

Self-Service-BI löst Excel ab

06.05.2016 von Redaktion CIO
Der Onlinespiele-Anbieter Aeria Games fällt seine Entscheidungen fast ausschließlich auf der Basis von Daten. Wie Gamer so ticken.
  • Der Online-Anbieter setzt eine Self-Service-BI-Software ein, um seine Daten zu vereinheitlichen, auszuwerten und aufzubereiten.
  • Der gesamte Support-Vorgang von der Ticketerstellung bis zur Ticketbearbeitung lässt sich nachverfolgen
  • Dadurch wurde die User Experience verbessert, einem der wichtigsten Erfolgskriterien im Online-Geschäft
  • Die Datenquellen wurden so vereinheitlicht, dass die Endnutzer jetzt nur noch ein einziges Tool haben, um an ihre Daten zu gelangen.

Wie wirkt es sich aus, wenn die Schwierigkeitslevels eines Online-Games verändert werden? Springen Spieler ab? Kommen neue hinzu? Wie werden neue Features bei den Gamern aufgenommen? Und was passiert, wenn man die Performance eines bestimmten Spiels erhöht Mit solchen Fragen beschäftigt sich die Berliner Firma Aeria Games.

"In-Game-Daten sind unsere wichtigsten Assets", sagt Stefanie Neubeck, Business Intelligence Analyst bei Aeria Games.
Foto: Aeria Games

Die ProSiebenSat1-Tochter ist ein sogenannter Online Games Publisher. Das heißt, sie lizensiert bestehende Spiele - etwa aus dem asiatischen Markt -, passt ihre Inhalte an hiesige Anforderungen an und vermarktet sie. Damit ist das Unternehmen ein typischer Vertreter der neuen Online-Anbietergeneration, deren Geschäftsmodelle rein auf Daten basieren. "In-Game-Daten sind unsere wichtigsten Assets", bringt es Stefanie Neubeck, Business Intelligence Analyst bei Aeria Games, auf den Punkt.

Umso wichtiger ist es, alle relevanten Daten, die bei der Nutzung der Spiele erfasst werden, schnell und gezielt auszuwerten. Je mehr Informationen daraus extrahiert werden - etwa Präferenzen und Gewohnheiten, die Nutzung spezieller Features oder Lernkurven der Spieler -, desto besser kann Aeria Games die Spiele auf die User zuschneiden.

Self-Service-BI-Software eingeführt

Seit Herbst 2014 setzt der Online-Anbieter die Self-Service-BI-Software von Tableau ein, um seine Daten zu vereinheitlichen, auszuwerten und aufzubereiten. Anfangs war das Tool nur im Bereich Business Intelligence im Einsatz, um allgemeine Reports zu erstellen und zu visualisieren, die dann an andere Abteilungen weitergeleitet werden. Mit durchschlagendem Erfolg: "Unsere Mitarbeiter sind begeistert, wie mit Hilfe der Dashboards komplexe Information auf einen Blick erfassbar sind und wie einfach die Filter zu benutzen sind", berichtet Neubeck.

Aufgrund der positiven Resonanz hat Aeria Games damit begonnen, den Einsatz der Software nach und nach auch um andere Bereiche zu erweitern.

Der Onlinespiele-Anbieter Aeria Games wurde 2006 in den USA gegründet. 2014 übernahm ProSiebenSat.1 die deutsche Tochter Aeria Games Europe mit Sitz in Berlin.
Foto: Aeria Games

Datenanalyse per Drag&Drop

Die Mitarbeiter erfassen In-Game-Daten und tracken KPIs wie Spiele-Levels oder Sättigungsgrenzen. "Man kann sich aktiv durch dynamische Reports klicken, individuelle Ansichten einstellen, Daten immer wieder neu per Drag&Drop zusammenführen und sie sich in verschiedenen Sprachen anzeigen lassen", beschreibt BI-Expertin Neubeck die Vorzüge der Software."

Das biete den Producern die Möglichkeit, Daten selbstständig zu erkunden, eigene Analysen zu fahren und mit In-Game-Daten zu "spielen": "Der Produktmanager beispielsweise kann aus KPIs Datenvergleiche und Korrelationen erstellen; individuelle Cases verschaffen ihm Einblick in das Spieleverhalten der Nutzer und in die Gesamt-Performance der Spiele", fährt Neubeck fort. "Aus solchen Informationen leitet er Annahmen - etwa zur Optimierung der User Experience - ab, die er dann gemeinsam mit der BI-Abteilung überprüft."

Beispiel Customer Support

Jetzt lassen sich auch Fragen klären, die sich früher nicht beantworten ließen, weil die Messbarkeit fehlte. Beispiel Customer Support: Wichtigstes Einsatzgebiet der Software ist hier die Auswertung von Tickets - etwa bei technischen Problemen oder inhaltlichen Fragen der Spieler. Mit der Software können die Support-Mitarbeiter jetzt genaue Status-Reports erstellen: Wie viele Tickets bekommen wir am Tag für ein bestimmtes Spiel? Wie lange dauert es im Schnitt, bis ein Ticket bearbeitet wird? Was sind die häufigsten Beschwerden?

Der gesamte Vorgang von der Ticketerstellung bis zur Ticketbearbeitung lässt sich heute nachverfolgen. "Ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der User Experience, einem der wichtigsten Erfolgskriterien im Online-Geschäft", so Neubeck.

Business Intelligence: Die Trend-Top-Ten 2016
10. Neue Technologien
Es gibt eine Reihe neuer Technologien im Ökosystem der Business Intelligence. Mit ihrer Markteinführung werden auch Lücken sichtbar, die es noch zu füllen gilt. Neu gegründete Unternehmen werden genau das tun. Hadoop-Beschleuniger, NoSQL-Datenintegration, Integration von Daten des Internet der Dinge, verbesserte Social-Media - alles Ansatzpunkte für neue Start-Ups. In 2016 werden wir den Aufstieg dieser „Lückenfüller“ und damit einhergehend eine Konsolidierung des Marktes beobachten können. Unternehmen werden sich zunehmend vom Ansatz der Einzellösung verabschieden und auf einen offenes und flexibles Arsenal setzen, das neue Technologien beinhaltet.
9. Daten aus dem Internet der Dinge
Das Internet der Dinge (IoT) schickt sich an, 2016 den Mainstream zu erobern. Es scheint so, als hätte bald alles einen Sensor, der nach Hause telefoniert. Man muss sich nur die Masse an Daten vorstellen, die von Mobilgeräten rund um die Uhr erzeugt werden. Mit dem Wachstum des IoT-Datenbestands steigt auch das Potenzial für neue Erkenntnisse. Firmen werden nach Mitteln und Wegen suchen, Anwender Daten erforschen und ihre Ergebnisse teilen zu lassen - und das auf sichere, geregelte und interaktive Art und Weise.
8. Mobile Analytik-Lösungen werden eigenständig
Die Mobile Analytik ist erwachsen geworden. Sie ist nicht länger nur eine Schnittstelle der herkömmlichen Business-Intelligence-Produkte. In 2015 kamen Produkte auf den Markt, die eine fließende, auf Mobilgeräte optimierte Benutzererfahrung boten. Unterwegs mit Daten zu arbeiten wird von einer lästigen Pflicht zu einem dynamisch integrierten Teil des Analyseprozesses.
7. Kompetenzzentren für Analytik spielen zentrale Rolle
Immer mehr Unternehmen werden Kompetenzzentren (CoE) einrichten, um die Verbreitung und Implementierung von Self-Service-Analytik zu fördern. Diese Zentren spielen eine kritische Rolle bei der Umsetzung einer datengesteuerten Unternehmenskultur. Durch Online-Foren und Einzeltraining versetzen sie auch Nicht-Experten in die Lage, Daten in ihre Entscheidungsprozesse einzubinden. Mit der Zeit führt dies dazu, dass sich die Arbeitsabläufe im gesamten Unternehmen auf Daten stützen und an ihnen orientieren.
6. Cloud-Daten und -Analytics starten durch
2015 war das Jahr, in dem die Cloud salonfähig wurde. Die Unternehmen merkten, dass die Speicherung von Daten in der Cloud einfach und sehr gut skalierbar ist; und dass man mit Cloud-Analytik sehr agil ist. Nicht zuletzt dank neuer Tools, die es einfacher machen Daten aus dem Web zu verwenden, werden 2016 noch mehr Unternehmen in die Cloud wandern. Die Early Adopter lernen jetzt schon von diesen Daten, und alle anderen stellen fest, dass sie besser nachziehen sollten. Mehr Unternehmen werden dank der Cloud größere Datenmengen schneller analysieren - die Cloud etabliert sich als unternehmenskritisches System.
5. Advanced Analytics nicht mehr nur für Analysten
Auch die Nicht-Analysten werden immer anspruchsvoller. Sie erwarten mehr als nur ein Diagramm, das auf ihren Daten aufsetzt, sondern tiefer gehende und sinnvolle analytische Möglichkeiten. Unternehmen werden Plattformen implementieren, mit denen Anwender statistische Methoden anwenden, eine Reihe von Fragen stellen und im Fluss ihrer Analyse bleiben können.
4. Datenintegration wird agiler
Viele Firmen verlangen heutzutage sehr viel Agilität im Controlling. Sie wollen den richtigen Mitarbeitern die richtigen Daten zur richtigen Zeit liefern. Das ist keine Kleinigkeit, da Daten an vielen verschiedenen Orten generiert und gespeichert werden. Datenquellenübergreifend zu arbeiten kann mühsam, unmöglich, oder beides zugleich sein. 2016 werden wir viele neue Wettbewerber mit Lösungen zur Datenintegration sehen. Dank ausgeklügelter Werkzeuge und ständig neu hinzukommenden Datenquellen werden Firmen sich davon verabschieden, alle Daten an ein und demselben Ort speichern zu wollen. Wer Daten erforschen will, wird dort auf die einzelnen Datensätze zugreifen, wo sie sich befinden und sie mit agileren Werkzeugen und Methoden kombinieren, verschmelzen oder verknüpfen.
3. Demokratisierung der Daten-Wertschöpfungskette
Self-Service Analytikwerkzeuge haben unsere Erwartungshaltung für immer verändert. In 2016 werden Nutzer eine Wertschöpfung aus dem gesamten Lebenszyklus von Daten anstreben, insbesondere durch den Eintritt der Milleniums-Generation in den Arbeitsmarkt. Für sich wiederholende Aufgabenstellungen müssen Geschäftsanwender bestimmte Daten spontan umformen können. Dementsprechend wird als natürliche Folge von Self-Service-Analytik die Nachfrage nach Self-Service-Tools zur Datenaufbereitung und Self-Service Data-Warehousing steigen. Diese Demokratisierung wird es uns ermöglichen, schnell auf Prioritätenwechsel zu reagieren.
2. Visuelle Statistik wird zur Weltsprache
Daten verändern den Diskurs in Chefetagen, den Medien und in sozialen Netzwerken. Menschen visualisieren ihre Daten, um Antworten auf Fragen zu suchen, Erkenntnisse zu gewinnen und ihre Geschichten mit anderen zu teilen, egal ob diese Datenexperten sind oder nicht. Mit dem Anstieg der Nutzung von Daten wird auch die Zahl der Anwender steigen, die geschäftliche oder persönliche Fragestellungen mithilfe von Daten beantworten. Arbeitgeber werden verstärkt nach Kandidaten suchen, die in der Lage sind, sich kritisch mit Daten auseinanderzusetzen. Die visuelle Analytik wird dabei als die gemeinsame Sprache dienen, mit der Menschen schnell zu Erkenntnissen gelangen, sinnvoll zusammenzuarbeiten und eine Community auf der Grundlage von Daten aufbauen können.
1. Governance & Self-Service-BI werden beste Freunde
Viele sehen Governance und Self-Service als natürliche Feinde an. Deshalb dürften auch Viele überrascht sein, die beiden friedlich nebeneinander grasen zu sehen. Es wächst zusammen, was zusammen gehört: die kulturelle Kluft zwischen Business und IT schließt sich. Die Unternehmen haben verstanden, dass richtig auf- und eingesetzte Sicherheit eine analytische Unternehmenskultur fördern und die Anforderungen der Business-Abteilungen erfüllen kann. Man setzt sich schließlich viel eher intensiv mit seinen Daten auseinander, wenn man zentrale, bereinigte Datenquellen zur Verfügung hat und weiß, dass sich jemand (IT) um Sicherheit und Performance kümmert.

Marketing-Abteilung mag Visualisierung

Auch die Marketing-Abteilung profitiert von den zahlreichen Möglichkeiten und der einfachen Bedienung der Software. Vor allem die Visualisierungsfunktionen erleichtern den Marketing-Verantwortlichen die Arbeit, wie das Beispiel Werbeplatzierung zeigt: So lässt sich exakt nachverfolgen, auf welche Banner die Spieler zu welchen Uhrzeiten und wie lange geklickt haben. Diese Angaben lassen sich per Mausklick in anschauliche Grafiken verwandeln, so dass alle relevanten Informationen auf einen Blick zu erkennen sind.

Einfacher, schneller und weniger fehleranfällig als Excel

Solche Daten wurden bei Aeria Games zwar schon immer erfasst und ausgewertet. Allerdings nutzten die Fachabteilungen dazu vorwiegend Excel-Vorlagen - eine aufwändige Prozedur, die vor allem angesichts der wachsenden Datenmengen an ihre Grenzen stieß. "Es fielen viele manuelle Tätigkeiten an, dadurch dauerten Aktionen ewig, die jetzt voll automatisiert ablaufen", erläutert Neubeck.

Auch die Fehlerrate sei deutlich gesunken: "In Excel arbeitet man ja direkt in der Datenquelle, dadurch kommt es immer wieder vor, dass sich Zahlenreihen beim Hinzufügen oder Löschen von Zeilen oder Spalten verschieben. Dieses Problem haben wir jetzt nicht mehr. Unsere Mitarbeiter lesen die Daten aus und bearbeiten sie in der Edit-Version. Die Datenquelle bleibt unangetastet."

Nur noch ein Tool für alle Datenquellen

Ein weiterer Vorteil ist die Vereinheitlichung der Daten und ihrer Quellen. Dieser Aspekt zahlte sich vor allem aus, als Aeria Games vor gut einem Jahr von ProSiebenSat1 übernommen wurde und alle Daten standardisiert werden mussten. "Mit Hilfe von Tableau konnten wir alle Datenquellen in kurzer Zeit vereinheitlichen. Das heißt, die Endnutzer haben jetzt nur noch ein einziges Tool, um an ihre Daten zu gelangen", so die BI-Spezialistin.

Wichtigste Datenquelle sei Amazon Redshift, auf dem das Data Warehouse basiert. Aber auch andere Datenbanken - etwa MySQL - sind im Einsatz. "Dank der automatischen Standardisierung müssen wir in der BI-Abteilung keine Datenabgleiche mehr vornehmen - eine enorme Zeitersparnis. Wir haben jetzt ein Tool, dem wir vertrauen und das alle Mitarbeiter schnell verstehen."

Schnelle Einführung, geringer Schulungsaufwand

Auch die Einführung der Software verlief geräuschlos: "Die Implementierung war in weniger als einem Monat komplett aufgesetzt - inklusive aller damit verbundenen strukturellen Veränderungen", berichtet Neubeck. Der Schulungsaufwand des Self-Service-Tools sei ebenfalls überschaubar: "Wir haben ein paar Demo-Videos produziert, das war alles."

Die meisten Mitarbeiter hätten wie sie keinerlei Vorkenntnisse mitgebracht: "Wir wurden einfach ins kalte Wasser geworfen. Aber dank der intuitiven Bedienung konnten wir uns schnell zurechtfinden. Und wenn doch noch Fragen aufkommen, unterstützt uns Tableau mit Tutorials und der Online-Community."

Mitarbeiter sollen in Eigenregie statistische Analysen fahren

Für die BI-Verantwortliche Neubeck ist es daher folgerichtig, das Aeria Games in Zukunft mehr Mitarbeiter in die Nutzung einbinden will: "Wir haben mit dem Tool unser Standard-Reporting ausgebaut. Die Mitarbeiter, die auf die Daten angewiesen sind, können heute selbstständig damit arbeiten."

Künftig sollen noch mehr Kollegen dazu zu ermutigt werden, Datenstrukturen zu verstehen, in Eigenregie statistische Analysen zu fahren, um daraus Trends zu entdecken und Prognosen aufzustellen: "Ziel ist es, uns vom BI-Team weitestgehend zu entlasten, so wir uns anderen Aufgaben widmen können."

Das Projekt im Überblick

Aeria Games

Business Intelligence

Branche

Medien

Zeitrahmen

3 Monate

Mitarbeiter

BI-Team (2 Leute)

Aufwand

2 Lizenzen für Tableau Desktop, ca. 50 Lizenzen für Tableau Server

Produkte

Tableau Server, Tableau Desktop

Dienstleister

keiner

Einsatzort

Deutschland

Internet

www.aeriagames.com