Bundestagswahl

Wähler so alt wie nie zuvor

10.09.2017
Die Hälfte der Wahlberechtigten ist 52 Jahre alt und älter - ein neuer Höchststand. Wahlbeteiligung, politische Agenda, Ausgang der Wahl: Welchen Einfluss hat das zunehmende Alter des Wahlvolks?
Noch nie waren die Wahlberechtigten bei einer Bundestagswahl so alt.
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Die Hälfte der Wahlberechtigten für die Bundestagswahl ist älter als 52 Jahre. Das hat das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) errechnet. Die Experten beschreiben das Medianalter, nicht das Durchschnittsalter. Heißt: Der genannte Wert teilt die Bevölkerung in gewisser Weise in der Mitte: Eine Hälfte ist älter, eine ist jünger als der Median, der ein wichtiger Wert zur Forschung über die Gesellschaft ist. Dieses Jahr habe das Medianalter der Wahlberechtigten zum ersten Mal die 52 Jahre durchbrochen, erklärt das BiB.

Zu Beginn der 1990er Jahre lag das Medianalter der Wahlberechtigten noch bei rund 46 Jahren. Was bedeutet das? Dass die Wahlbevölkerung immer älter wird? Und was heißt das für den 24. September 2017?

Zunächst könnte die Wahlbeteiligung steigen. Fakt ist: Ältere gehen anteilig mehr wählen. Ab Mitte 20 steigt die Wahlbeteiligung stetig an und erreicht in der Gruppe der 60- bis 69-Jährigen den höchsten Wert, ehe sie wieder ein wenig abnimmt. Die Wahlbeteiligung lag bei der vergangenen Wahl vor vier Jahren bei 72,4 Prozent. Das war der zweitniedrigste Wert seit der Wiedervereinigung.

Ältere gehen mehr wählen

"Insgesamt haben Ältere ein höheres politisches Interesse als Jüngere", sagt Andrea Wolf von der Forschungsgruppe Wahlen, die das "Politbarometer" erstellt. Das ist keine Frage der Generation, sondern des Lebenszyklus, was auch Statistiken des Bundeswahlleiters zeigen. Dass Menschen "in ihren Sechzigern" am häufigsten an die Urne treten, sei ein bekanntes Phänomen und bei vielen Wahlen in der Vergangenheit zu beobachten, sagt Wolf.

Andere Zahlen verdeutlichen das Kräfteverhältnis: Die Generation über 60 stellt mehr als jeden dritten Wahlberechtigten, die Generation unter 30 nur knapp ein Sechstel. Dass die SPD die Rente ins Zentrum ihres Gerechtigkeitswahlkampfs stellt, die Union eine Rentenkommission einsetzen will, die Grünen eine stärkere gesetzliche Rente als Bürgerversicherung und die Linkspartei 1050 Euro Mindestrente wollen, kann man als Zeichen verstehen, dass die Älteren im Fokus der Parteien stehen.

Drohen Gräben zwischen Jung und Alt? Eher nicht. Deutlich mehr Konfliktpotenzial sah die Bevölkerung im Verhältnis zwischen Arm und Reich, Ausländern und Deutschen oder Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Danach fragte das "Politbarometer" Anfang 2016.

Alles dreht sich um die Rente

"Bei den wichtigen Themen gibt es nicht so viele Unterschiede zwischen den Generationen", sagt Wolf mit Blick auf die Wahl. Ältere interessieren sich für Themen rund um die Rente naturgemäß mehr als Jüngere, während wiederum die Bildungspolitik vor allem für die mittleren Altersgruppen eine größere Rolle spielt. Welches Thema am wichtigsten ist, darüber sind sich Alt und Jung einig: Flüchtlinge, Integration und Asyl, so Wolf.

Vom neuen Altershöchststand könnten die beiden großen Parteien profitieren. "Die werden eher von den Älteren unterstützt", sagt Wolf und verweist auf die vergangene Bundestagswahl. Dort haben die über 60-Jährigen überdurchschnittlich oft Union oder SPD gewählt.

Bei der nächsten Bundestagswahl 2021 würden die Wahlberechtigten noch älter sein, prognostiziert das Bundesinstitut. "Wir rechnen mit einem weiteren Anstieg des Medianalters der Wahlbeteiligten in den nächsten zehn, zwanzig Jahren", sagt BiB-Forscher Tim Aevermann. (dpa/rs)