Trends zur IFA 2017

Was hinter "Fear of being offline" steckt

24.08.2017
Vieles im Haushalt ließe sich digital vernetzen, doch der Durchbruch steht noch aus. Mehr erreicht ist im zehnten Jahr nach der IFA-Premiere der Hausgerätebranche beim Thema Energiesparen.

Eine neue Angst geht um: Fobo. In Blogs und sozialen Netzwerken steht die englische Abkürzung für die Angst davor, nicht mit dem Internet verbunden zu sein (Fear of being offline). Was das mit Waschmaschinen und Kühlschränken zu tun hat? Nun, deren Hersteller hoffen auf eine neue Generation von Kunden: junge Käufer, die mit dem Handy in der Hand groß wurden und die es gewohnt sind, ihren Alltag damit zu organisieren. Sie sollen endlich den Traum vom Smart Home Wirklichkeit werden lassen, in dem auch Hausgeräte komplett vernetzt sind. Ein Überblick über diesen und andere Trends zur Elektronikmesse IFA (1.-6. September):

Vernetzen und Fernsteuern

Seit Jahren träumt auch die Hausgeräte-Branche davon, Geräte miteinander zu vernetzen und fernzusteuern, etwa um Energie zu sparen oder für mehr Bedienkomfort. Kühlschränke erhielten Kameras, Dunstabzugshauben WLAN. Doch in den meisten deutschen Haushalten ist davon nichts zu sehen. "Immer noch stehen wir eher am Anfang einer spannenden Entwicklung", sagt Reinhard Zinkann, der Sprecher der deutschen Hausgeräte-Industrie.

Noch fehle eine branchenübergreifende technische Plattform. "Aber wenn wir fünf oder zehn Jahre weiter denken, werden wir im Smart Home die Garage öffnen, die Alarmanlage steuern, Waschmaschine und Geschirrspüler einschalten - und dies alles vermutlich über dieselbe Plattform." Viele künftige Kunden seien als sogenannte Digital Natives mit digitalen Technologien aufgewachsen.

Energie sparen

Insgesamt 40, 50 oder 60 Prozent Strom und Wasser sparen - solche Versprechungen gab es schon vor Jahren, als auf der IFA erstmals auch Hausgeräte zu sehen waren. Neue Technik ließ den Verbrauch im Vergleich zu Altgeräten geradezu einbrechen. Diese Zeit ist vorbei. Branchensprecher Zinkann betont indes: "Da ist sehr wohl noch was drin, auch wenn bei den Hausgeräten bereits ein hohes Niveau erreicht ist." Dabei stehen die Ingenieure aber stärker als früher vor der Herausforderung, dass weitere Einsparungen nicht zu Abstrichen bei Komfort und Ergebnis führen - etwa wenn Waschmaschinen und Geschirrspüler stundenlang arbeiten, um mit weniger Wasser und Strom auszukommen.

Neu kaufen statt reparieren

Smarte Kühlschränke werden von den Käufern vor allem angeschafft, weil sie "besser" sind als die alten Geräte.
Foto: Chesky - shutterstock.com

Jeder dritte kauft einen neuen Kühlschrank, weil er einen besseren möchte - nicht weil der alte kaputt ist. Das fanden das Freiburger Öko-Institut und Wissenschaftler der Uni Bonn heraus. Es wird weniger repariert und mehr weggeworfen - mit schweren Folgen für die Umwelt, wie das Umweltbundesamt als Auftraggeber der Studie betont.

Branchensprecher Zinkann widerspricht: Wenn jemand ein besseres Neugerät kauft, fände sich für das alte häufig noch eine andere Verwendung. "Der alte Fernseher steht dann im Gästezimmer, die Waschmaschine in der Studentenbude. "

Das Umweltbundesamt beklagt auch, dass Hausgeräte schneller schlapp machen als früher. Versuche der Stiftung Warentest ergaben: Für die Umwelt lohnen sich Reparaturen etwa bei Waschmaschinen. Den Geldbeutel schont es besonders, wenn man Kaffeebereiter in Ordnung bringen lässt anstatt einen neuen zu kaufen.

Abstottern statt sofort bezahlen

Vom Trockner bis zur Espresso-Maschine: Jedes zehnte Haushaltsgerät kaufen die Kunden heute auf Pump, wie der Bankenfachverband ermittelt hat. Mit Null-Prozent-Finanzierungen und kleinen Raten kommen die neuen Geräte schnell ins Haus. Nach einer Umfrage der GfK könnte sich der Trend beschleunigen, die Kreditbanken träumen schon von einer Verdoppelung. Verbraucherschützer warnen unterdessen davor, Konsumgüter auf Pump zu kaufen und so über kurz oder lang in die Schuldenfalle zu tappen. (dpa/rs)