Experiment: Verbot macht unproduktiv

Websites besser ganz sperren

26.04.2011 von Andrea König
Wer Surfen nur verbietet, aber das Web nicht sperrt, schadet dem Unternehmen. Das ergab eine wissenschaftliche Untersuchung. Die ständige Versuchung senkt die Leistung und erhöht die Fehlerquote.

Ablenkungen gibt es im Büro zur Genüge: etwa den kurzen Plausch mit Kollegen, das private Telefongespräch und natürlich das Internet. Eine Umfrage des HR-Tool-Anbieters Salary.com fand heraus, dass Angestellte ihre Zeit am häufigsten im Internet verbummeln.

Wer ins Internet könnte, es aber nicht soll, wird durch die ständige Versuchung unproduktiver.
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Um die Produktivität ihrer Mitarbeiter zu steigern, verbieten manche Unternehmen den Angestellten das Surfen während der Arbeitszeit. Viele dieser Angestellten verlegen ihre Internetaktivitäten dann auf die Zeit nach den Bürostunden.

Dass das nicht unbedingt gut ist, zeigen aktuelle Studien aus der Sozialpsychologie. Schiebt man etwas willentlich den ganzen Tag vor sich her, kann sich das nämlich negativ auf die Leistungsfähigkeit auswirken.

Wissenschaftler der Harvard Business School, der Universität Amsterdam und der George Mason University bei Washington DC haben dies in Experimenten untersucht. Dabei ließen sie zwei Gruppen mehrere Aufgaben lösen. Der einen Gruppe zeigten sie im Laufe des Experiments ein lustiges Video. Die zweite Gruppe bekam das Video nicht automatisch zu sehen, sondern wurde in Versuchung geführt. Die Probanden sahen einen roten Knopf und wussten, dass das Video startet, wenn sie diesen Knopf drücken. Gleichzeitig warnte eine Anzeige davor, den Knopf zu drücken.

Nach dem Videoexperiment unterschied sich die Leistung der Teilnehmer erheblich. Wer vor dem roten Knopf saß und das Video nicht automatisch gesehen hat, machte im dritten Teil des Experiments dreimal so viele Fehler wie Personen aus der anderen Gruppe. Bei der Videogruppe fiel noch etwas auf: Die Teilnehmer machten im dritten Teil des Experiments, nachdem sie das Video gesehen haben, weniger Fehler als im ersten Teil.

Surfen in der Pause erlauben oder Seiten ganz sperren

Allgemein auf die Arbeitswelt bezogen bedeutet dieses Ergebnis: Wer seine Willenskraft dafür aufwenden muss, einer Versuchung zu widerstehen, macht bei nachfolgenden Aufgaben mehr Fehler. Deshalb sollten Arbeitgeber ihren Mitarbeitern auf keinen Fall die private Internetaktivität verbieten und ihnen aber gleichzeitig den Zugang zu den Seiten weiter ermöglichen.

Die Wissenschaftler raten, die Seiten lieber ganz zu sperren, wenn man die Mitarbeiter vom Surfen abhalten möchte. Alternativ sollten Unternehmen ihren Angestellten für einen festgelegten Zeitraum erlauben, privat im Internet zu surfen, etwa wenige Minuten pro Stunde oder während der Mittagspause.

Alessandro Bucciol (Universität Amsterdam), Daniel Houser (George Mason Universität) und Marco Piovesan (Harvard Business School) haben ihre Forschungsergebnisse als Harvard Business School Research Paper unter dem Titel Temptation at work veröffentlicht.