Vereinbarung bis 2027

Zukunftssicherung für 80.000 Bosch-Mitarbeiter

05.07.2023
Tausende Arbeitsplätze bei Bosch hängen vom Geschäft mit dem Verbrenner ab. Der Wandel zur E-Mobilität schürt bei der Belegschaft Sorgen. Nun soll eine Zukunftsvereinbarung für mehr Sicherheit sorgen
Bosch-Werk Feuerbach: Betriebsbedingte Kündigungen an deutschen Mobility-Standorten sind bis Ende 2027 ausgeschlossen.
Foto: Bosch

Der Autozulieferer Bosch und Arbeitnehmervertreter haben sich geeinigt, wie sie den Wandel hin zur Elektromobilität in Zukunft gestalten wollen. Einer der Kernpunkte der Vereinbarung ist der Ausschluss betriebsbedingter Entlassungen bis Ende 2027. Davon seien knapp 80.000 Beschäftigte in Deutschland betroffen, teilten Unternehmen, Gesamtbetriebsrat und Gewerkschaft IG Metall am Dienstag mit. So schaffe man Planbarkeit und Sicherheit für die Beschäftigten des Unternehmensbereichs Mobility, also der Zulieferersparte.

Die Vereinbarung regelt den Angaben zufolge auch den Austausch mit den Arbeitnehmervertretern neu. Bei strategischen Themen solle eine intensivere Beteiligung etabliert werden. Vor Standortentscheidungen sollen künftig die Betriebsräte einbezogen werden und Alternativen einbringen können. Diese Regelung sind in einem Zukunftstarifvertrag festgehalten. Damit sichere man die Zukunftsfähigkeit der deutschen Mobility-Standorte langfristig, hieß es.

Kommunikation auf Augenhöhe

Der Gesamtbetriebsratschef der Zuliefersparte, Frank Sell, zeigte sich mit der Einigung zufrieden: "Wir sind mit einem umfangreichen Verhandlungspaket gestartet und haben in allen Punkten sehr gute gemeinsame Ergebnisse erzielt", wird er in der Mitteilung zitiert. Die Mitarbeiter der Sparte könnten sich zunächst auf einen sicheren Arbeitsplatz freuen. "Noch wichtiger ist: Die Betriebsräte werden nun frühzeitig in strategische und wirtschaftliche Planungen eingebunden, zum Beispiel hinsichtlich der Ansiedelung von Zukunftsprodukten".

Eines dieser Zukunftsprodukte könnte Wasserstoff sein. Nach früheren Angaben von Sell liegt eine Hoffnung der Bosch-Belegschaft auf diesem Thema. In einem nächsten Schritt sollen nun konkrete Zielbilder für die einzelnen Standorte formuliert werden.

Von der Unternehmensseite wurde die Einigung als Meilenstein gelobt. Bosch-Arbeitsdirektor Stefan Grosch sagte: "Wir freuen uns, dass wir bei diesem komplexen Thema ein für alle Seiten tragfähiges Ergebnis erzielt haben." Der Mobilitätswandel verändere das Geschäft von Bosch stark. "Für uns gilt es, leistungs- und wettbewerbsfähig zu bleiben. Dies schaffen wir nur, wenn alle an einem Strang ziehen und Verantwortung übernehmen", sagte Grosch.

Die Bosch-Beschäftigten in Deutschland bangen bereits länger um ihre Jobs. Der Grund dafür sind zahlreiche Transformationsprozesse. Neben dem Wandel hin zu E-Mobilität werden bei dem Automobilzulieferer auch die Entwicklung von Software und automatisierter Fahrfunktionen immer wichtiger. Viele Bosch-Arbeitsplätze hängen aber noch vom klassischen Geschäft mit dem Verbrennungsmotor ab.

Außerdem zeichnet sich in der Branche ein Trend ab, die Produktion für Elektromobilität in Osteuropa anzusiedeln. Wegen eines geplanten Bosch-Werks in Tschechien hatte Gesamtbetriebsratschef Sell gemeinsam mit anderen Arbeitnehmervertretern im Februar gut 17.000 Mitarbeiter an neun deutschen Standorten zu einer Sonderbetriebsversammlung zusammengetrommelt. In einem für Bosch ungewöhnlichen Schritt war er anschließend vor die Presse getreten und hatte Gespräche gefordert.

Die Zulieferersparte ist der größte Unternehmensbereich von Bosch. Auf sie entfielen fast 60 Prozent der 88,2 Milliarden Euro, die das Unternehmen im vergangenen Jahr an Umsatz erlöste. Weltweit arbeiten mehr als die Hälfte der rund 420.000 Mitarbeiter in dem Bereich. (dpa/rs)