SOFTWAREPROBLEME

Bertelsmann-Buchclub: Es hakt im Weihnachtsgeschäft

11. Dezember 2001
Von Andreas Schmitz
"Der Club" von Bertelsmann kommt im laufenden Weihnachtsgeschäft mit den Buchbestellungen nicht hinterher. Der Grund scheinen Probleme mit der Informationstechnik zu sein.

Weihnachtszeit: Da reiben sich Einzelhändler die Hände, denn jetzt machen sie den Löwenanteil ihrer Geschäfte. Da kommt es dem Bertelsmann-Buchclub gar nicht gelegen, dass der Informationsdienst New Business die Meldung verbreitet, das Unternehmen käme mit den Bestellungen seiner immerhin vier Millionen Kunden nicht hinterher.

Nun geht es um Schadensbegrenzung. Denn das internationale Clubgeschäft von Bertelsmann, in der Direct Group gebündelt, steht immerhin für 3,8 Milliarden Euro Umsatz und ist damit der zweitstärkste Bereich des Bertelsmann-Konzerns. Der verantwortliche CIO bei der Bertelsmann Direct Group , Klaus Hofmann, saß deshalb am 11. Dezember in Gütersloh mit dem zuständigen Projektleiter Ulrich Schinkel im Krisen-Meeting. Schinkel hatte das SAP-Projekt von Anfang an betreut und vor anderhalb Jahren nach Testläufen der "Common Club Information Technology" (CCIT) beteuert: "Die Testergebnisse sind hoch zufriedenstellend".

Hundert Mannjahre Nachholbedarf, so CIO Klaus Hofmann, habe die Buchclub-IT noch vor vier Jahren gehabt. Doch die Einführung der SAP-Software und die Etablierung eines modernen Systems für das Customer Relationship Management (CRMCRM) sollten eine neue Ära einläuten. Im Mittelpunkt stand hier die Einführung der SAPSAP R/3-Software zur Abdeckung aller Kernprozesse. Zudem wollte man beim Buchclub mit einem Prognosemodul, dem "Advanced Planner and Optimizer" (APO), schnelle und flexible Bedarfsprognosen ermöglichen. "Der Club", so der in Deutschland verwendete Markenname, erreicht damit laut Hofmann den längst überfälligen State of the Art in der Informationstechnik. Da sind die jüngsten Gerüchte nun Sand im Getriebe der neuen Technik, für die Bertelmann zusammen mit der CRM-Komponente und dem Data-Warehouse rund hundert Millionen Mark hinblätterte. Alles zu CRM auf CIO.de Alles zu SAP auf CIO.de

Bertelsmann-Club-Sprecher Klaus Urban bestätigt, dass es zu Beginn der Einführung "ein paar Probleme gab." Da seien etwa die Bedienmasken von den Sales-Mitarbeitern der Buchclubs falsch bedient worden; der eine oder andere Buchname sei an verkehrter Stelle eingesetzt worden. Nach Informationen unserer Schwesterzeitung "Computerwoche" ist es für die Anwender im Vergleich zur alten Software-Lösung nicht transparent, wie sich Fehleingaben auf die Datenbestände auswirken. Alle Eingaben fließen offenbar direkt in die Prognosemodelle ein, ohne dass die Sachbearbeiter eingreifen können. Die Prognosen über zu erwartende Verkäufe, die das System schließlich auswirft, können dann etwa zur Folge haben, dass in den Club-Niederlassungen nicht genügend Exemplare eines Titels verfügbar sind. "Es gab Schwierigkeiten mit Lieferanten, die verschiedene Artikel nicht vorrätig hatten", räumt Club-Sprecher Urban dazu ein.

Allerdings, beteuert er, habe man die Probleme mittlerweile im Griff. Es dauere nun "wie immer zweieinhalb Tage", bis ein Auftrag tatsächlich bearbeitet würde. "Das ist ganz normal". Auch die Reklamationsquote liege im Rahmen des Üblichen. Zahlen wollte Urban nicht nennen. Auch CIO Klaus Hofmann und R/3-Projektleiter Ulrich Schinkel waren bislang zu weiteren Auskünften nicht bereit.

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Themen: CRM und SAP

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