Die wöchentliche CIO-Kolumne

RoI - Pi-mal-Daumen-Rechnung ohne Wert

03. November 2003
Ohne einen Return on Investment (RoI) innerhalb von zwei oder drei Jahren vorgerechnet zu bekommen, genehmigen Finanzchefs keine Projektmittel mehr. So ist es von den meisten CIOs und IT-Entscheidern zu hören. In der Realität scheitert die Berechnung jedoch häufig, weil die IT-Kosten nicht bekannt sind und eine Kontrolle des RoI nicht stattfindet.

Das hat gute Gründe, denn die RoI-Berechnung ist mehr als schwierig. Viele Parameter fließen ein: die Anzahl der Anwender und der beteiligten IT-Mitarbeiter, die Kosten von Infrastruktur, Anwendungen und Wartung des laufenden Systems, dazu Abschreibungen. Außerdem müssen, bei einem Logistikprozess etwa, die IT-Kosten bestimmten beteiligten Faktoren wie Lieferwagen, Verteilerpersonal und Stromkosten zugeordnet werden.

Diese Bestandsaufnahme haben viele IT-Abteilungen noch gar nicht gemacht, wie sich in Gesprächen mit CIOs immer wieder herausstellt. So kennt kaum ein Unternehmen alle Ist-Kosten seiner Geschäftsprozesse. Der RoI wird folglich meist mit Pi-mal-Daumen-Werten berechnet. Steht am Ende trotzdem das Versprechen im Raum, dass ein Projekt sich in einer bestimmten Frist gerechnet haben werde, bedeutet das meist wenig: Kaum ein CIO bewertet am Ende eines Projekts, ob es sich tatsächlich gerechnet hat.

Controlling fehlt

Eine Kontrolle anhand nachvollziehbarer Messzahlen findet kaum statt. Berater berichten regelmäßig, vielfach sei schlicht vergessen worden, Kennzahlensysteme für das IT-Controlling aufzubauen. Aber nur so lässt sich rückblickend der RoI bewerten, weil von der anfänglichen Projektidee allzu häufig innerhalb des Verlaufs nur wenige Aspekte Bestand haben - vor allem für lang laufende ProjekteProjekte von zwei, drei Jahren gelte das. Auch Wechsel in der Geschäftsstrategie schlagen sich auf IT-Projekte nieder - und werfen leicht die Anfangsberechnungen über den Haufen. Alles zu Projekte auf CIO.de

In der Praxis hapert es oft damit, RoI-Kalkulationen so mit Leben zu füllen, dass sie wirklich die gesamten Kosten transparent und wirtschaftliches Handeln sichtbar machen. So wie RoI-Berechnungen von CIOs heute allzu oft gehandhabt werden, dienen sie eher als Sedativ für den Controller. Aber der Schuss kann nach hinten losgehen.

Rolf Röwekamp
Rolf Röwekamp

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Thema: Projekte

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