"Todesspirale" durch Sparen?

Zeitungen suchen neue Geschäftsmodelle

19. Juni 2015
Die Zeitungen machen nach wie vor den Großteil ihres Geldes mit dem Print-Geschäft. Doch der Vormarsch mobiler Geräte und neue Nutzungs-Gewohnheiten schaffen für sie eine ganz neue Situation.

Die Zeitungsbranche sucht nach neuen Geschäftsideen für die Digital-Ära. "Wir müssen unser Geschäftsmodell völlig neu denken", erklärte der Chef der NZZ-Mediengruppe, Veit Dengler, am Donnerstag bei der Konferenz "Zeitung Digital 2015" in Potsdam. Die Werbeerträge seien nicht nur im Print-Geschäft rückläufig, sondern bei vielen Zeitungen auch online. Eine Lösung sei, die Inhalte in Produkte für verschiedene Kundengruppen aufzufächern.

Gerold Riedmann, Chefredakteur der "Vorarlberger Nachrichten", betonte, auch auf mobilen Geräten könne Geld mit Zeitungsinhalten verdient werden. Seine Zeitung bette dafür in der App in der Redaktion erstellte Werbeinhalte in den Nachrichtenstrom der Nutzer ein. Einen ähnlichen Weg geht etwa auch Facebook bei den Werbeanzeigen in seiner Anwendung und steigerte damit die Anzeigenerlöse deutlich.

Foto: BDZV

Die Nutzung auf mobilen Geräten liege inzwischen bei 42 Prozent, sagte Riedmann. Dabei würden auch längere Texte gelesen. "Ich denke, dass wir alle umdenken müssen, welche Inhalte wir auf Handys anbieten."

NZZ-Manager Dengler sieht die Gefahr einer "Todesspirale" für Zeitungen durch schrumpfende Redaktionen. Mit sinkender Qualität wanderten Kunden ab, warnte er. "Das ist eine echte Gefahr für viele MedienMedien. Es kann keine langfristige Strategie sein." Die Zeitungen müssten sich auch mehr Mühe bei der Kundenbindung geben: "Früher haben wir eine Kaffeemaschine geschenkt, und das war's dann." Top-Firmen der Branche Medien

Dengler ist seit Herbst 2013 Chef der Schweizer Mediengruppe mit dem Flaggschiff "Neue Zürcher Zeitung". Er arbeitete zuvor unter anderem beim Computerkonzern Dell und der Rabattcoupon-Website Groupon.

Der Präsident des weltweiten Zeitungsverleger-Verbandes WAN-IFRA, Tomas Brunegard, betonte, der Großteil der Umsätze in der Branche komme nach wie vor aus dem Print-Geschäft. So brachte im vergangenen Jahr die Print-Werbung Erlöse von 77 Milliarden Dollar, was einen Rückgang von fünf Prozent bedeutete. Die Einnahmen aus digitaler Werbung wuchsen unterdessen um 8,3 Prozent auf 9,5 Milliarden Dollar. Mit dem Verkauf von Print-Ausgaben erlöste die Branche knapp 90 Milliarden Dollar, ein schmales Plus von 0,4 Prozent.

Im Zuge des Wandels werde es Gewinner und Verlierer geben, betonte Brunegard. Wichtig sei, an Grundwerten festzuhalten. "Eine freie und unabhängige Presse wird auch weiterhin gebraucht" - und die Menschen seien bereit, für journalistische Arbeit zu bezahlen. (dpa/tc)

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