Kommentar

Apple ist zu gierig: Das rettet Android

25.10.2012 von Thomas Rau
Das neue iPad Mini kostet mindestens 329 Euro. Es ist damit deutlich teurer als kleine Android-Tablets. Wir meinen: Dieser hohe Preis ist die Rettung für Android.
Das iPad Mini von Apple.
Foto: Apple

Keine Frage: Das Apple iPad Mini ist besser als jedes kleine Tablet mit Android. Es ist schöner und schneller, es hat einen besseren Bildschirm. Es gibt mehr Apps, die optimal auf dem Mini laufen, als Anwendungen, die für die kleinen Android-Tablets angepasst sind.

Das iPad Mini hat nur einen großen Fehler: Es ist zu teuer.

Schon während der Apple-Keynote wetzten Blogger verbal die Messer: Wenn das iPad Mini 250 Dollar kostet, ist Android tot, wurde oft geschrieben. Doch das iPad Mini kostet 330 Euro: Es ist so teuer, weil Apple gierig ist.

Das 16-GB-Modell des iPad Mini kostet rund 195 Dollar in der Herstellung, also für die verbauten Komponenten und deren Zusammenbau. Bei einem Preis von 329 Dollar ergibt das eine Gewinnspanne von rund 40 Prozent - natürlich geht da noch Geld für laufende Kosten, für Werbung und Marketing weg.

Trotzdem: Apple verdient auch mit seinem günstigsten Tablet viel Geld - Experten schätzen, dass die Gewinnspanne vergleichbar zu der beim großen iPad ist. Zum Vergleich: Das Nexus 7 mit 8 GB kostet rund 160 Dollar in der Herstellung - Google verkauft es für 199 Euro: da bleibt nicht viel übrig nach Abzug sonstiger Kosten.

Apple iPad Mini
Das iPad Mini verfügt über den Assistenten Siri.
Apple iPad Mini
Wie immer gibt es Safari als Browser.
Apple iPad Mini
Die Foto-App auf dem iPad Mini.
Apple iPad Mini
iMessages auf dem kleinen Tablet.
Apple iPad Mini
Statt Google Maps setzt Apple auch hier auf die eigene Karten-App. Mit allen Vor- und Nachteilen.
Apple iPad Mini
Die E-Mail-App.
Apple iPad Mini
Der Anschluss ist im neuen Lightning-Format.
Apple iPad Mini
iBooks auf dem Tablet.
Apple iPad Mini
Auf Vorder- und Rückseite gibt es jeweils eine Kamera.
Apple iPad Mini
Auch Facetime ist mit an Bord.
Apple iPad Mini
Der Kalender des neuen Tablets.
Apple iPad Mini
Die Apple-App Pages.
Apple iPad Mini
Die Apple-App Numbers
Apple iPad Mini
Die Präsentations-App Keynote - leider gibt es noch keinen HDMI-Adapter für den neuen Lightning-Anschluss.
Apple iPad Mini
iPhoto auf dem iPad Mini.
Apple iPad Mini
iMovie auf dem neuen Tablet.
Apple iPad Mini
Die App Gilt.
Apple iPad Mini
Die App Garageband.
Apple iPad Mini
Ein Beispiel für ein Spiel, hier Fifa 13.
Apple iPad Mini
Auch Facebook lässt sich natürlich nutzen.
Apple iPad Mini
Airplay ist aktuell die einzige Möglichkeit, wie man Inhalte vom Tablet auf dem Fernseher ansehen kann.
Apple iPad Mini
Der Größenvergleich des iPad Mini.

Amazon verdient am Kindle Fire - gar nichts

Noch wilder treibt es Amazon: Die neue Version des Kindle Fire wird für 159 Dollar verkauft. Es kostet aber 148 Dollar, um das Tablet zu bauen. Im Gegensatz zu Apple verdienen Amazon und Google also kaum am Verkauf der Hardware. Sie hoffen, dass der Umsatz über Apps, Filme, Musik und Bücher kommt, die sich die Tablet-Besitzer aus den jeweiligen App-Stores holen.

Diesen Weg hätte auch Apple gehen können: Ein iPad Mini für 250 Dollar wäre konkurrenzlos gewesen - es hätte eine völlig neue Käuferschicht an die iOS-Geräte herangeführt und damit dafür gesorgt, dass viele Apps, Songs und Videos im App Store und iTunes gekauft werden. Doch Apple will Geld verdienen - mit der Hardware und dann nochmal mit der Software.

Diese Profitgier von Apple ist die Chance für Android: Denn würde das iPad Mini tatsächlich nur 250 Euro kosten, hätte es außer für eingefleischte Apple-Hasser keinen Grund gegeben, nicht zuzugreifen. So aber bleibt der Preisbereich unter 300 Euro fest in der Hand von Android - und die Rechnung von Google und Amazon könnte aufgehen: Wer ein Tablet nur als Zweit- oder Drittgerät nutzt - oder einfach nur diesen Formfaktor ausprobieren will, schaut genau auf den Preis. Diese - gar nicht so kleine - Zielgruppe haben Android-Tablets jetzt exklusiv.

Die Idee des Billig-Tablets, das sich für den Hersteller über Software-Käufe rechnet, birgt aber zwei Probleme: Wer möglichst wenig Geld für ein Tablet ausgibt, wird wahrscheinlich auch keine Unsummen in Apps und Multimedia-Inhalte für dieses Gerät investieren. Und was machen Android-Hersteller wie Acer und Asus, die fast ausschließlich an der Hardware verdienen müssen und sich diesen Preiskampf auf Dauer nicht leisten können? Sie setzen auf Windows 8.

Viel Glück.

(PC-Welt)