Mediation unter Ken Feinberg

Bayer hofft auf Vergleich im Glyphosat-Prozess

10.02.2020
Im Streit um mögliche Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter zwischen Bayer und Tausenden US-Klägern mehren sich die Anzeichen für einen möglichen Vergleich.
Ein Traktor sprüht Glyphosat auf ein Feld. Für Bayer ist Glyphosat zur großen finanziellen Belastung geworden. Auch das Unternehmensimage hat stark gelitten.
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Richter Vince Chhabria habe auf Anfrage des Mediators Ken Feinberg alle Fristen im Massenverfahren in San Francisco um 28 Tagen verschoben, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Samstag unter Berufung auf den Rechtsexperten Tom Claps von Susquehanna Financial schrieb.

Ein Sprecher für Bayer bestätigte eine Vertagung im Fall Stevick. Die Vertagung soll beiden Seiten Zeit verschaffen, die Mediation unter Ken Feinberg fortzusetzen, sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Bayer bringe sich konstruktiv in die Mediation ein, ein Deal sei aber nicht erreicht. Auch gebe es diesbezüglich werden einen Zeitplan noch Gewissheit.

Vergleich möglicherweise für zehn Milliarden Euro

Bundesrichter Chhabria, bei dem zahlreiche Klagen gebündelt sind, hatte die Streitparteien im Frühjahr 2019 zu einer einvernehmlichen Lösung aufgefordert und anschließend mit dem US-Staranwalt einen hochkarätigen Experten in Entschädigungsfragen bestellt.

Zuletzt waren bereits Prozesse bei anderen Gerichten vertagt worden. Analysten hatten das als positives Signal für einen umfassenden Vergleich gewertet. So hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Personen berichtet, dass die Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten möglicherweise für zehn Milliarden Euro beigelegt werden könnten.

Bayer hatte sich 2018 mit dem über 60 Milliarden Dollar teuren Kauf des US-Saatgutriesen Monsanto die Rechtsrisiken ins Haus geholt, die zu Zehntausenden Klagen führten. Der Leverkusener Konzern könnte die Causa Glyphosat zwar auch mit Berufungsverfahren durch die Instanzen bringen, am Ende vielleicht Recht bekommen und straffrei ausgehen. Allerdings wäre das riskant und langwierig. Mit einem groß angelegten Vergleich wäre das Thema hingegen endlich vom Tisch.

Vor diesem Hintergrund richten sie die Blicke auf die Veröffentlichung der Geschäftszahlen für 2019 am 27. Februar sowie auf die Hauptversammlung am 28. April. Am Markt wird spekuliert, dass Konzernchef Werner Baumann das Thema Glyphosat spätestens bis zur Aktionärsversammlung Ende April geklärt haben will. So hatten die Investoren 2019 wegen der Monsanto-Übernahme scharfe Kritik geäußert und Baumann die Entlastung verweigert. Ob der Vorstandschef im Falle einer erneuten Nicht-Entlastung zu halten wäre, ist offen. (dpa/rs)