Consulting Monitor

Berater sehen Google und Amazon als Konkurrenz

19.06.2015 von Christiane Pütter
Technologiefirmen mit Datenanalyse-Kompetenz sehen Berater als künftige Wettbewerber. Auch Generation Y verändert den Beratermarkt, wie Odgers Berndtson feststellt.
  • Die Kunden erwarten vom Berater, dass er ihnen zeigt, wie sie mit großen Datenmengen umzugehen haben
  • Big Data und Data Analytics sind Tools, mit denen Consultants selbst neuartige Zusammenhänge aufdecken
  • Der Generation Y müssen Beratungshäuser flexible Arbeitszeitmodelle und bessere Fortbildungsmöglichkeiten anbieten

Vom "Pessimismus des vergangenen Jahres" und vom "dramatischsten Wandel" schreibt Daniel Nerlich, Manager bei der Personalberatung Odgers Berndtson. Nerlich hat die Studie "Consulting Monitor" geleitet, an der rund 170 Unternehmensberater teilgenommen haben. Daraus leiten sich derzeit für den deutschen Beratermarkt sechs Aussagen ab:

Stichwort Digitalisierung: Glaubt man den Befragten, brauchen sie zunehmend technologische Skills. Die Kunden erwarteten zum einen, dass der Berater ihnen zeigt, wie sie mit großen Datenmengen umzugehen haben. Dies sei "eine der zentralen Beratungsleistungen der Zukunft". Zum anderen stellten Big Data und Data Analytics Tools dar, mit denen Consultants selbst neuartige Zusammenhänge aufdecken. Ziel ist, strategische Ansätze und Optimierungskonzepte daraus abzuleiten. Studienleiter Nerlich stellt denn auch fest, dass Beraterfirmen Research- und Analyseeinheiten ausbauen.

Odgers Berndtson Consulting-Monitor 2015
Odgers Berndtson Consulting-Monitor 2015
Am „Consulting Monitor“ der Personalberatung Odgers Berndtson haben rund 170 Unternehmensberater teilgenommen.
Marktveränderungen
Rund sieben von zehn Befragten klagen über zunehmende Schwierigkeiten, sehr gut qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen.
Konkurrenz durch Google und Amazon
Immerhin 50 Prozent stimmen dieser These zu wonach sich Google und Amazon durch ihre Data-Analytic-Skills zu direkten Konkurrenten der Unternehmensberater entwickeln. Weitere 19 Prozent sind unschlüssig, lediglich 31 Prozent der Befragten weisen diese Aussage zurück.
Kompensation
Höhere Fixgehalte und Boni sind den Studienteilnehmern wichtiger als Unternehmensbeteiligungen oder Firmenwagen-Regelungen.
Gehalt
Mit 55 Prozent gibt mehr als jeder zweite Befragte an, mit seinem Gehalt zufrieden zu sein.
Generation Y
Um für die Generation Y ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, müssen Beratungsfirmen aus Sicht der Befragten vor allem flexible Arbeitszeitmodelle und Unterstützung bei der Weiterbildung anbieten.

Nicht wenige Befragte betrachten Tech-Firmen wie Google und Amazon wegen deren Data-Analytics-Kompetenzen als direkte Konkurrenz. Immerhin 50 Prozent stimmen dieser These zu, weitere 19 Prozent sind unschlüssig. Lediglich 31 Prozent der Befragten weisen diese Aussage zurück.

Nerlich selbst kann hier wohl zu den Unschlüssigen gezählt werden. Er geht davon aus, "dass Beratung für diese Häuser nur eine Zusatzleistung neben dem Hauptgeschäft bleiben wird". Zwar seien solche Services margenträchtig und stärkten die Kundenbindung, erkennt Nerlich an. Der Studienleiter gibt jedoch zu bedenken, dass sich Firmen wie Google und Amazon jenseits ihrer Kernkompetenz nicht zu stark diversifizieren sollten.

Selbstständigkeit als Alternative

Neue Konkurrenz nicht um Kunden, aber um Mitarbeiter stellen Online-Plattformen für Freelancer dar. Sie erleichterten Unternehmensberatern den Sprung in die Selbstständigkeit, erklärt Nerlich. Immerhin 42 Prozent der Befragten könnten sich vorstellen, freiberuflich zu arbeiten. Der Studienleiter betont, dass das "ausreichende Akquisitionserfahrung oder Netzwerkkontakte" erfordert.

Reagieren auf Generation Y

Als weitere Einflussgröße gilt die Mentalität der Generation Y. Die Studienteilnehmer sollten ankreuzen, welche Möglichkeiten Unternehmensberater ihren Mitarbeitern künftig verstärkt anbieten sollten. Fast neun von zehn (88 Prozent) fordern flexiblere Arbeitszeitmodelle. Es folgen bessere Fortbildungsangebote (77 Prozent) und inhaltlich attraktivere Aufgaben (75 Prozent).

Außerdem setzen die Studienteilnehmer auf mehr Möglichkeiten zur Beteiligung an der internen Unternehmensentwicklung (66 Prozent) und mehr finanzielle Unterstützung, falls ein Mitarbeiter promovieren oder den MBA machen möchte (64 Prozent).

Fazit für Nerlich: Derzeit sind "Innovation und Mut zu Neuem gefragt". Er schreibt: "Jene Beratungshäuser, die in der Lage sind, ihren Mehrwert präzise herauszuarbeiten, und im Kopf des Auftraggebers gelistet sind, haben gute Erfolgsaussichten für die Zukunft."