Provider-Ranking

Die besten Outsourcing-Anbieter für Infrastruktur

05.04.2011 von Werner Kurzlechner
Laut Forrester bleibt IBM der Top-Anbieter für Infrastruktur-Outsourcing - hat aber starke Wettbewerber wie Capgemini, HP oder CSC. Die zufriedensten Kunden indes hat TCS.
Verteilte gemeinsam mit seinem Kollegen Bill Martorelli insgesamt gute Noten: Forrester-Analyst Wolfgang Benkel.
Foto: Forrester Research

Die Qual der Wahl haben Unternehmen, wenn sie einen Outsourcing-Partner für ihre IT-Infrastruktur suchen. Forrester Research untersuchte die weltweit führenden Anbieter nach 36 Qualitätskriterien und fand ein starkes Feld vor. Als Nummer Eins schälte sich IBM heraus, gefolgt von zehn Konkurrenten, die die Studienautoren Bill Martorelli und Wolfgang Benkel ebenfalls in die Gruppe der Marktführer einstuften. Dahinter drängen acht weitere „strong performer“ mit ihren spezifischen Stärken nach vorne.

Forrester sieht nach dem Dämpfer durch die globale Wirtschaftskrise einen wachsenden Markt für IT-Infrastruktur-Management, der durch das Streben der Anwender nach Kosteneffizienz gepusht wird. Nach einem Minus um 2,8 Prozent 2009 stiegen die weltweiten IT-Outsourcing-Umsätze im vergangenen Jahr wieder in gleichem Maße auf 237 Milliarden US-Dollar an. Für das laufende Jahr prognostizieren die Analysten ein Wachstum um 7,1 Prozent auf 254 Milliarden Dollar.

Infrastruktur-Management und Cloud-Lösungen verschmelzen

Das aber ist allein die nackte nachfragebedingte Seite. Die Bewegung im Markt resultiert aus einer Handvoll weiterer Trends, die zu veränderten Positionierungen der Anbieter führen. Cloud Computing beispielsweise: Forrester beobachtet eine allmähliche Verschmelzung der noch separierten Bereich Infrastruktur-Management und Cloud-Lösungen. Anbieter, die frühzeitig dieser Konvergenz-Entwicklung folgen, sind gegenüber der Konkurrenz im Vorteil. Allein deshalb, weil die Anwender der Attraktivität von Cloud-Services immer weniger widerstehen können.

Weitere Aspekte machen den Unterschied. So sind nach Einschätzung der Analysten nicht viele Anbieter in der Lage, ihren eigenen Anspruch an Innovationskraft und ständiger Optimierung mit den geschäftlichen Bedürfnissen der Kunden in Einklang zu bringen.

Globale Präsenz ist ein weiteres Kriterium, das an Bedeutung zunimmt. Forrester sieht hier einerseits die bisher führenden Anbieter, die ihre Präsenz in Niedriglohnländern ausbauen, andererseits die Vendors aus Indien, die ihrerseits den Fuß in die Tür möglichst vieler regionaler Märkte bekommen wollen. Den Anwendern kommt der verschärfte Wettbewerb gewiss zu Gute. Allerdings ist nicht jeder Anbieter überall gleich stark aufgestellt. Und so hängt die Partnerwahl auch an der eigenen Standortpolitik.

Multisourcing gewinnt an Bedeutung

Multisourcing erscheint nach Einschätzung Forresters ebenfalls als differenzierender Faktor. Weil immer mehr Unternehmen auf eine Vielzahl von Outsourcing-Partnern zurückgreifen, lohnt sich für die Anbieter die Positionierung als Service-Integrator – also als Primus, der die einzelnen Aktivitäten koordiniert.

Nach diesen und weiteren Gesichtspunkten zeichneten Martorelli und Benkel die aktuelle Provider-Landschaft – geordnet nach aktuellem Angebot, strategischer Ausrichtung und Marktpräsenz. IBM erscheint deshalb als Sieger, weil man sich offenkundig nicht auf der aktuellen Spitzenstellung an Umsatz ausruht. Das aktuelle Angebot wertet Forrester als sehr gut, wenngleich eine Handvoll Konkurrenten – allen voran CSC – es noch übertreffen. Dafür marschiert in der Riege der Schwergewichte IBM strategisch voran und wird an Geschwindigkeit nur von den kleineren Wettbewerbern HCL und Capgemini übertroffen.

In der dreistufigen Kategorisierung durch Forrester zählen neben IBM noch HCL, Capgemini, Wipro, Infosys, TCS, Accenture, HP, CSC, Siemens SIS sowie Cognizant zur Gruppe der Marktführer. Ein starke Performance attestieren die Analysten Fujitsu, Mahindra IT & Business Services, Getronics Workspace Alliance (GWA), ACS, Unisys, Dell, Logica und CGI. Die darunter angesiedelten Kategorien der Herausforderer und Risikowetten bleiben immerhin unbesetzt.

Dieses Panorama stellt sich bei genauerem Hinsehen aber wesentlich buntscheckiger dar. Mit Infosys behauptet sich neben HCL und Capgemini ein weiterer eher kleiner Player in der Spitzengruppe. Fujitsu hingegen verfügt über eine deutliche größere Marktmacht, kann sich mit aktuellem Angebot und Perspektive aber nicht im Spitzenfeld behaupten. Mit Logica, CGI und Dell positionieren sich vergleichsweise kleine Anbieter qualitativ besser, als man erwarten würde.

Die Stärken und Schwächen der Anbieter sind individuell höchst unterschiedlich. Letztlich kann sich jede der genannten Firmen abhängig vom Anforderungsprofil als idealer Partner entpuppen. Bemerkenswert erscheint, dass TCS mit den besten Kundenreferenzen aller Anbieter aufwarten kann. Für eine Platzierung ganz vorne im Ranking fehlt es noch an weltweiter Mitarbeiterpräsenz.

Siemens SIS in Lauerstellung

Das gilt auch für die Anbieter mit der konsequentesten Cloud-Strategie: das stark auf den indischen Subkontinent ausgerichtete HCL und Capgemini als europäisches Pendant. Capgeminis frühzeitige Cloud-Allianzen mit Google und Amazon wertet Forrester ebenso als Pluspunkt wie die Gesamtstrategie des Anbieters. Der limitierende Faktor in diesem Fall ist alleine die Geographie.

Für Anwender, die Nearshoring-Partner in Europa suchen, erscheint Capgemini indes ebenso als interessanter Provider wie der Wettbewerber, der ab kommenden Sommer durch den Verkauf von Siemens SIS an Atos Origin entsteht. Noch ist Siemens SIS im Forrester-Ranking allerdings das Schlusslicht in der Führungsgruppe.

Die Studie „The Forrester Wave: Global IT Infrastructure Outsourcing, Q1 2011” ist bei Forrester Research erhältlich.