Zum 40. Geburtstag von SAP

Die Geschichte der SAP

22.05.2012 von Martin Bayer
Als einziger deutscher Softwareproduzent von Weltrang hat SAP der hiesigen IT-Branche ihren Stempel aufgedrückt. Doch gerade im letzten Jahrzehnt der nunmehr 40-jährigen Firmengeschichte ging es teilweise turbulent zu.
Die SAP-Zentrale in Walldorf.
Foto: SAP

Wir schreiben das Jahr 1972 - die USA starten mit Apollo 17 ihre letzte Mond-Mission, Deutschland wird in Brüssel Fußball-Europameister, im deutschen Fernsehen läuft die erste Folge von Raumschiff Enterprise, und am Westrand der Oberrheinischen Tiefebene wird ein kleines Softwarehaus aus der Taufe gehoben. Fünf ehemalige IBM-Mitarbeiter, Claus Wellenreuther, Hans-Werner Hector, Klaus Tschira, Dietmar Hopp und Hasso Plattner, legen in der Zwei-Burgen-Stadt Weinheim, etwa 5 Kilometer nordöstlich von Mannheim, den Grundstein für die Firma Systemanalyse und Programmentwicklung GbR, die spätere SAP.

Die Geschichte der SAP
Anfang der 70er
Die SAP-Gründer traten an, das alte Zeitalter der Datenverarbeitung ...
Anfang der 70er
... via Lochkarten zu beenden.
1974
Arbeitsplatz von Hackman und Neugard.
1976
Das Computer-Team mit ...
1976
... Dietmar Hopp und
1976
Hasso Plattner ...
1976
... bei einem Fußballturnier.
In den 80ern
Graphiken stellen R2 vor
1980
So sahen damals die Arbeitsplätze bei SAP aus.
1980
Das erste SAP-Gebäude
1982
Die Gründer von SAP (v.l.: Dietmar Hopp, Hans-Werner Hector, Hasso Plattner, Klaus Tschira)
1982
Die Gründer von SAP (v.l.: Hopp, Tschira, Hector, Plattner)
1982
10 Jahre SAP
1982
10 Jahre SAP. Das SAP-Gründer-Team und der damalige Walldorfer Bürgermeister (v.l.: Plattner, Tschira, Bürgermeister Jürgen Criegee, Hopp, Hector)
1986
SAP beim Gewerbegebiet an der Neurottstraße
1987
Hopp beim Tennistournier zum 15. Geburtstag von SAP
1987
Plattner beim Tennistournier zum 15. Geburtstag von SAP
1987
Das SAP-Team
1987
Hopp startet den Bau der SAP-Zentralen in Walldorf
1988
Dietmar Hopp bei der Einweihung des Schulungszentrum
1988
Der erste Handelstag der SAP-Aktie
1988
Plattner am ersten Handelstag der SAP-Aktie
1988
Die Gründer von SAP: v.l. Klaus Tschira, Hasso Plattner, Ditmar Hopp und Hans-Werner Hector
1988
Plattner am ersten Handelstag der SAP-Aktie
In den 90ern
R/3 wird vorgestellt.
In den 90ern
... vorgestellt.
Anfang der 90er
Hopp (2.v.l.) und Oswald (links) treffen den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl
1990
Die COMPUTERWOCHE schreibt bereits im Herbst 1990 über SAP:
1990
"Nahezu unbemerkt hat sich die SAP AG, Walldorf, mit dem modularen Standardsoftware-Paket R/2 eine Quasi-Monopol-Position auf dem Gebiet der kommerziellen Standardsoftware für S/370-Rechner in der Bundesrepublik geschaffen."
1990
Auf der CeBIT: Oswald und Hopp
1990
Die erste Bilanzpressekonferenz
1990
Die erste Bilanzpressekonferenz
1992
Plattner an der Gitarre auf der 20 Jahre SAP Feier in den USA
1992
Die Torte auf der 20 Jahre SAP Feier in den USA
1992
Das SAP-Team
1992
Bei der Übgerabe des Bundesverdienstkreuz: Hopp und der damalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg Erwin Teufel (Mitte)
1992
Der Countdown zu R/3
1992
Hopp und der Architekt Willi Vorfelder
1992
Hopp stellt die ersten SAP-Kunden vor
1992
Das Industriegebiet in Walldorf
1992
Gerhard Oswald (Mitte) beim Countdown zu R/3
1993
Bilder von der Hauptversammlung
1993
Hopp auf der Hauptversammlung
1993
Kooperationsabkommen zwischen Plattner und ...
1993
Bill Gates (links)
1995
Das SAP-Team: v.l. Tschira, Kagermann, Zencke, Plattner
1995
Kagermann und Rudolf Scharping
1995
Die erste SAP-Aktie
1996
Award: Company of the Year für SAP
1996
Dietmar Hopp
1996
Dietmar Hopp auf der Bilanz-Pressekonferenz
1996
Kagermann und Bill Gates
1996
Kagermann, Bill Gates und Tschira (v.l.)
1996
Tschira, Bill Gates und Kagermann (v.l.)
1996
Die SAP-Zentrale
1997
25 Jahre SAP
1997
25 Jahre SAP
1997
25 Jahre SAP
1997
25 Jahre SAP
1997
25 Jahre SAP
1997
Ein SAP-Arbeitsplatz
1997
Ein SAP-Arbeitsplatz-Server
1997
SAP auf der CeBIT
1997
SAP auf der CeBIT
1997
SAP auf der CeBIT
1997
SAP auf der CeBIT
1997
Hasso Plattner auf der CeBIT
1997
Der SAP Formel1 Wagen
1997
Dietmar Hopp
1997
Hopp beim Golfturnier zum 25. Geburtstag
1997
Hopp, Kagermann und Oswald (v.l.)
1997
Kagermann beim Golfturnier zum 25. Geburtstag
1997
Plattner beim Golfturnier zum 25. Geburtstag
1997
Plattner beim Golfturnier zum 25. Geburtstag
1997
Die SAPPHIRE in Amsterdam
1997
Die SAPPHIRE in Amsterdam
1997
Die SAPPHIRE in Orlando
1997
Hasso Plattner auf der SAPPHIRE in Amsterdam
1997
Luftbild von der SAP-Zentrale in Walldorf
1998
Kagermann und Namgung, der damalige CEO von Samsung
1998
Das SAP-Team in New York
1998
Kagermann (li.) und Heinrich (Mitte) beim Börsengang in New York
1998
Kagermann und Plattner beim Börsengang in New York
1998
Kagermann und Plattner beim Börsengang in New York
1998
Plattner, Erwin Teufel, Kagermann (v.l.) auf der CeBIT
1998
Die Eröffnungszeremonie zu den WDF03 mit Kagermann
1998
Die Eröffnungszeremonie mit Kagermann (li.) und dem damaligen Bürgermeister von Walldorf
1998
Die Eröffnungszeremonie mit Kagermann (li.) und Erwin Teufel
1998
Die Softwarepalette R/3
1998
Ein SAP-Arbeitsplatz
1998
Plattner (re.) und Joschka Fischer
1998
Plattner (re.) und Joschka Fischer
1998
Ex-Bundeskanzler Helmuth Schmidt, Kagermann und Plattner (v.l.)
1998
Der Release von R3
1998
Der Release von R3
1998
Bilanzpressekonferenz mit Plattner, Hopp und Kagermann
1998
Zum Börsengang in New York
1998
Zum Börsengang in New York
1998
Zum Börsengang in New York
1998
Die SAPPHIRE in LA
1998
Die SAPPHIRE in LA
1999
Das SAP-Team
1999
Kagermann (li.) und Ex-Bundespräsident Roman Herzog
1999
Tiger Woods bei der SAP Open
1999
Ein SAP-Arbeitsplatz
2000
Luftbild von der SAP-Zentrale in Walldorf
2002
Auf der CeBIT 2002
2002
Auf der CeBIT 2002 treffen sich Kagermann (vorne li.) und Gerhard Schröder
2007
Luftbild von der SAP-Zentrale in Walldorf
2008
Das SAP-Team
2008
Auf der CeBIT mit Angela Merkel und Kagermann
2009
Auf der CeBIT mit Léo Apotheker, Arnold Schwarzenegger, Angela Merkel und Henning Kagermann (v.l.)
2010
Luftbild von der SAP-Zentrale in Walldorf

Die ersten Jahre: Die Software entsteht im RZ der Kunden

In ihren Büros sind die SAP-Gründerväter zunächst allerdings nur selten anzutreffen. Sie verbringen die meiste Zeit in den Rechenzentren ihrer Kunden, um die ersten Programme zum Laufen zu bringen. Im Nylonfaserwerk von Imperial Chemical Industries (ICI) entwickeln sie die erste Software für Lohnabrechnung und Buchhaltung auf dem Großrechner. Statt wie damals üblich Daten auf Lochkarten zu speichern und in die Systeme einzuspeisen, setzen die Entwickler auf die revolutionäre Dateneingabe per Tastatur und Bildschirm.

Foto: SAP

Die Entwickler charakterisierten ihre neue Software vorausschauend als Echtzeitsystem - daher das Kürzel "R" für "Realtime" in den ersten Produktnamen R/1, R/2 und später R/3. Das Konzept geht auf. Am Ende des ersten Geschäftsjahres 1972 zählt das Unternehmen neun Mitarbeiter und kann einen Umsatz von 640.000 Mark verbuchen. In den folgenden Jahren programmiert SAP Module für Finanzbuchhaltung, Einkauf, Bestandsführung, Auftragseingang, Materialplanung sowie Rechnungsstellung und -prüfung.

Maßgebliches Designprinzip war bereits die Integration der einzelnen Bausteine. Anwender konnten alle Aufgaben in einem integrierten System erledigen. So flossen beispielsweise Daten aus der Materialwirtschaft direkt in die Finanzbuchhaltung, und Rechnungen ließen sich in einem Arbeitsgang prüfen und buchen.

Diese Idee eines integrierten Systems in Kombination mit immer leistungsfähigeren Rechnerarchitekturen von IBM und Siemens bedeutete in den 70er Jahren eine Revolution. 1976 gründet das Quintett der Ex-IBMer die SAP GmbH und kann mit 25 Mitarbeitern bereits einen Umsatz von 3,8 Millionen Mark vorweisen.

Die R/2-Ära: Der Host ist das Maß aller Dinge

1980 - Das erste SAP-Gebäude.
Foto: SAP

Um 1980 stellen die SAP-Verantwortlichen die Weichen neu. Das Unternehmen verlegt seine Firmenzentrale 30 Kilometer nach Süden in den Ort Walldorf und setzt dort den ersten Spatenstich für ein eigenes Rechenzentrum. Hier entsteht auch die neue Programmgeneration R/2. In dieser Zeit verabschiedet sich Wellenreuther aus dem Gründerquintett. Zum zehnten Geburtstag 1982 zählt SAP bereits über 250 Firmenkunden und erzielt einen Umsatz von rund 24 Millionen Mark. Die Mitarbeiterzahl steigt über 100.

Angespornt von den Erfolgen in Deutschland, nimmt SAP nun internationale Märkte ins Visier. 1986 eröffnet der Anbieter in Österreich seine erste Landesgesellschaft und präsentiert seine Technik auf der schon damals weltgrößten Computermesse CeBIT in Hannover. Weitere Niederlassungen in Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Spanien folgen.

Im Oktober 1988 nimmt SAP mit dem Börsengang eine weitere Hürde auf dem Weg zum internationalen Softwarekonzern. Im ersten Börsenjahr stehen Einnahmen von 340 Millionen Mark sowie unter dem Strich ein Gewinn von fast 70 Millionen Mark zu Buche. Das "Manager Magazin" kürt SAP zum Unternehmen des Jahres.

Die R/3-Ära: Neues Paradigma mit Client-Server-Architektur

Die R/3-Ära.
Foto: SAP

Doch die Walldorfer können sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Ende der 80er Jahre steht dem Softwareanbieter und seinen mittlerweile über 1000 Kunden ein Umbruch ins Haus. Das Zeitalter der Großrechner neigt sich dem Ende entgegen. PCs dominieren die Arbeitsplätze, die Client-Server-Architektur wirft ihre Schatten voraus. SAP pumpt viel Geld in die Entwicklung und präsentiert auf der CeBIT 1991 die neue Softwaregeneration R/3, die das kommende Jahrzehnt maßgeblich prägen wird. Mit der Marktreife im folgenden Jahr läutet der Konzern die nächste Wachstumsphase ein. 1994 durchbricht der Umsatz erstmals die Milliardengrenze.

Um das Tempo zu halten, setzen die Walldorfer auf die weitere Internationalisierung ihres Systems. Ab 1993 gibt es R/3 auch auf Japanisch. Gleichzeitig öffnet SAP das System für weitere Plattformen. Einen entscheidenden Schub bekommt R/3 mit dem Bündnis zwischen SAP und Microsoft sowie der Portierung auf Windows NT. Außerdem laufen die SAP-Programme nun auf allen relevanten Risc-Plattformen. Mit IBM, Microsoft und der Deutschen Telekom gewinnen die Walldorfer in diesen Jahren namhafte Großkonzerne als Kunden.

Eine SAP-Aktie.
Foto: SAP

Im Lauf der 90er Jahre kündigt sich auch ein Generationenwechsel im Vorstand an. 1996 scheidet Hector aus dem operativen Geschäft aus und verkauft seine SAP-Aktien. Zwei Jahre später - kurz vor dem Gang an die Wallstreet - ziehen sich Hopp und Tschira aus dem Vorstand zurück und wechseln in den Aufsichtsrat. Die Zügel hält nun Plattner in der Hand, der gemeinsam mit Henning Kagermann als Doppelspitze in Walldorf agiert. Nach Kagermann, der bereits 1991 in den Vorstand berufen worden war, rückt mit Peter Zencke (1993) sowie Claus E. Heinrich und Gerhard Oswald (1996) die nächste Management-Generation nach.

Mit dem frischen Blut in der Vorstandsetage kommt neuer Schwung in die Produktentwicklung. 1999 verkündet Plattner als letzten großen Wurf seiner operativen Amtzeit mit der mySAP.com-Strategie eine komplette Neuausrichtung. Im Zuge der damaligen Internet- und New-Economy-Welle prägen Web-Technologien, E-Commerce und E-Business zunehmend die Produktstrategie.

Die Weichen dafür stellt allerdings bereits Plattners designierter Nachfolger Kagermann, der 2003 das SAP-Ruder allein übernimmt. Plattner zieht sich aus dem Vorstand zurück und löst seinen Gründerkollegen Hopp als Aufsichtsratsvorsitzenden ab. Damit verabschiedet sich der letzte der Gründerväter von seiner aktiven Vorstandsrolle. Eine Ära geht zu Ende.

Das neue Jahrtausend: Die Zeit der großen Veränderungen

Die SAP-Zentrale um 2002.
Foto: SAP

Für den neuen Mann im SAP-Führerhaus beginnen unruhige Zeiten. Das Platzen der Dotcom-Blase beutelt auch den inzwischen größten europäischen Softwarekonzern. 2003 beklagen die Walldorfer erstmals in ihrer Firmengeschichte rückläufige Einnahmen. Der Jahresumsatz liegt mit rund sieben Milliarden Euro etwa fünf Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Softwerker reagieren und bauen ihr Portfolio um. Die Strategie wird maßgeblich durch das neue Paradigma der Serviceorientierten Architekturen (SOA) geprägt.

SAP entwickelt mit Netweaver eine offene Integrationsplattform, die 2004 in einer ersten Version auf den Markt kommt und auf der sich künftig verschiedenste Software-Services auch von anderen Anbietern kombinieren lassen sollen. SAP-Chef Kagermann wird nicht müde, seinen Kunden immer wieder die Vorteile der neuen Softwarearchitektur zu predigen, und fordert sie auf, auf die aktuellen ERP- und Busness-Suite-Releases zu wechseln.

Aber die Masse der mittlerweile auf fast 25.000 Unternehmen in 120 Ländern angewachsenen Kundenbasis reagiert träge. Viele hängen an ihren R/3-Installationen, die sie vor der Jahrtausendwende aufwendig eingeführt haben. Sie fürchten mit dem erneuten Umstieg wieder mühselige Softwareprojekte und wollen außerdem keine neuen Lizenzen kaufen. Doch die Beharrlichkeit des SAP-Managements scheint sich auszuzahlen.

Die SAP-Zentrale um 2010.
Foto: SAP

Im Lauf der Jahre ziehen die Kunden nach, und die Buchhalter in Walldorfer verzeichnen wieder steigende Umsätze - obwohl SAP seine Kunden mit Rabatten locken muss. 2007 durchbricht der Jahresumsatz erstmals die Zehn-Milliarden-Euro-Grenze. Neben dem organischen Wachstum setzen die SAP-Verantwortlichen zunehmend auch auf Übernahmen. Mit der Akquisition des Analytics-Spezialisten Business Objects, die 2008 abgeschlossen wird, tätigen die Walldorfer ihren ersten Milliarden-Deal (4,8 Milliarden Euro). Es wird nicht der letzte sein. 2010 übernimmt SAP für 4,6 Milliarden Euro den Datenbank- und Mobile-Spezialisten Sybase, Ende 2011 steckt man rund 2,5 Milliarden Euro in die Akquisition von Successfactors, einem Anbieter von Human-Capital-Management-Lösungen (HCM) aus der Cloud.

Schatten der Finanzkrise

Die Wolken der seit Mitte 2008 heraufziehenden weltweiten Finanzkrise werfen derweil ihre Schatten auch auf Walldorf. 2009 beklagt der Konzern erneut einen Umsatzrückgang. Aufgrund der schwierigen Wirtschaftslage streicht SAP erstmals in seiner Firmengeschichte Stellen. 3300 Jobs fallen der Finanzkrise im Jahr 2009 zum Opfer. Die Turbulenzen wirbeln auch den Vorstand kräftig durcheinander.

Ehemaliger SAP-Chef: Léo Apotheker.
Foto: SAP AG

2008 scheiden die langjährigen Mitglieder Heinrich und Zencke aus. Mit Bill McDermott aus den USA und dem dänischen Technikspezialisten Jim Hagemann Snabe, die in den Vorstand aufrücken, richtet sich das SAP-Management internationaler aus. Auch an der Spitze gibt es Veränderungen. Der eher technisch orientierte Kagermann kündigt für 2009 seinen Rückzug an und kürt den Vertriebsspezialisten Léo Apotheker zum Co-CEO. Doch der Start verläuft für Apotheker alles andere als glücklich.

Unter seiner Regie versucht SAP im Sommer 2008, im Hauruck-Verfahren höhere Wartungsgebühren durchzusetzen. Das sorgt für einen Sturm der Entrüstung in den Reihen der Kunden. Diese kreiden ihrem Softwarelieferanten vor allem an, sie vor vollendete Tatsachen gestellt zu haben. Die komplett misslungene Kommunikationspolitik wird in erster Linie Apotheker angelastet. Die Kundenkrise überschattet weiter Apothekers Amtszeit, auch seit er ab Frühjahr 2009 allein die Geschicke des Softwarekonzerns verantwortet.

Zuletzt müssen die Verantwortlichen ihre Entscheidung revidieren und den Kunden wieder mehr Wahlmöglichkeiten in Sachen Support einräumen. Aber das kann Apotheker nicht retten. Der unglücklich und ungeschickt agierende SAP-Chef verliert mehr und mehr den Rückhalt - auch in den eigenen Reihen. Vor allem die starke Entwicklerlobby unter dem Dach von SAP kann sich nicht mit dem Vertriebsmann an der Spitze anfreunden.

Anfang Februar 2010 tritt Apotheker nach nicht einmal einem Jahr als alleiniger SAP-Chef zurück. Branchenbeobachtern zufolge hat Plattner, der als graue Eminenz und Vorsitzender des Aufsichtsrats auch heute noch im Hintergrund die Strippen zieht, die Notbremse gezogen und Apotheker gefeuert.

Neustart fürs laufende Jahrzehnt: Plattner drückt die Reset-Taste

Die neue SAP-Spitze: Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe.
Foto: SAP

Nach der Episode Apotheker kehrt SAP im Frühjahr 2010 zum Modell der Doppelspitze zurück. Vertriebsmann McDermott und Technikspezialist Snabe nehmen als gleichberechtigte CEOs das SAP-Steuer in die Hand. Den beiden Managern, die viele bei ihrem Amtsantritt skeptisch als Übergangslösung belächeln, gelingt es tatsächlich, das schlingernde Schiff SAP zu stabilisieren.

SAP Sapphire 2011
Jim Hagemann Snabe, SAP
"Wir leben in einer Highspeed-Welt."
Jim Hagemann Snabe, SAP
"Innovation ist die Basis für Wachstum."
Jim Hagemann Snabe, SAP
"Wir bauen Software mit unseren Kunden. Deshalb sind wir auch so schnell."

Der Konzern arbeitet hart daran, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Auch die Zahlen stimmen wieder. 2010 und 2011 vermeldet das deutsche Softwarehaus aus dem Badischen Rekordumsätze. Doch die Herausforderungen, denen sich SAP stellen muss, werden nicht kleiner. Mit Cloud Computing stellt derzeit ein neuer Paradigmenwechsel die gesamte IT-Branche auf den Kopf. Außerdem haben sich die SAP-Verantwortlichen mit ihrer In-Memory-Appliance HANA und dem Vorstoß in den Datenbankmarkt weit aus dem Fenster gelehnt. (Computerwoche)