Erfolgsfaktor gute Zusammenarbeit

IT-Freiberufler brauchen soziale Kompetenz

08.10.2012 von Renate Oettinger
Wie man im Rahmen eines Projekts mit den Kollegen klarkommen kann, sagen Michael Grüne und Norbert Zumbruch im Interview.

Interview mit den IT-Beratern und Leitern des Projektmanagement Arbeitskreises im BVSI Norbert Zumbruch und Michael Grüne

IT-Freiberufler arbeiten in wechselnden Teams, und nicht immer stimmt die Chemie zwischen den Kollegen auf Zeit. Was können IT-Freiberufler Ihrer Meinung nach tun, um bestmöglich mit ihren Kollegen klarzukommen?

Norbert Zumbruch: Meist merkt man es selbst ja schnell, wenn einem der eine oder andere nicht so sympathisch erscheint, was schnell zu Problemen im Projekt führen kann. Der professionelle Berater sollte deshalb in der Lage sein, solche selbsteinschränkende Einstellungen durch nützliche, dem Projekt zutragende, Einstellungen zu ersetzen.

Michael Grüne: Spezielle Kommunikations-Workshops für IT-Freiberufler helfen dabei, die Kommunikationsfähigkeit zu schärfen und einen positiven Kontakt zu den Kollegen herzustellen. Wichtig ist weiterhin, die eigene Motivation und seine Stärken besser zu erkennen, um zu wissen, was einen selbst antreibt.

Wenn die Zusammenarbeit nicht klappt, liegt das Ihrer Erfahrung nach eher an fachlichen oder an persönlichen Unstimmigkeiten?

Zumbruch: Eine schlechte Stimmung im Projekt kann zum einen natürlich von fachlichen Unstimmigkeiten herrühren, liegt aber auch häufig im Bereich der persönlichen Wahrnehmung. Oft werden in der persönlichen Wahrnehmung wichtige Signale der Kommunikation nicht erkannt. Um Signale, die durch Körpersprache und andere nonverbale Gesten übermittelt werden, richtig zu erkennen und zu bewerten, ist ein professionelles Training sehr zu empfehlen.

Dann kann der IT-Freiberufler im beruflichen Kontakt leichter entsprechende Gegenmaßnahem einleiten, um solche Probleme proaktiv zu vermeiden und eine positive Zusammenarbeit zu ermöglichen.

Zehn unentbehrliche IT-Skills
1. Kommunikation
Von vielen als "weicher " Faktor belächelt, sollte die Fähigkeit, mit anderen Menschen verbal zu interagieren, auch im "harten" IT-Geschäft nicht vernachlässigt werden. Die Welt im Datenzentrum verändert sich noch rascher als anderswo. Hier eine strukturierte Umgebung aufrechtzuerhalten erfordert Kommunikation - nicht nur mit dem Business, sondern auch innerhalb der IT-Organisation.
2. Service-Management
Viele Unternehmen beziehen bereits Teile ihrer IT-Services aus der Cloud. Diese Auslagerung verlangt von den IT-Verantwortlichen ein Umdenken in Sachen Service-Management. Sie müssen das komplexe Zusammenspiel von Kapazität und Nachfrage in einer nicht länger fest umrissenen Infrastruktur im Griff haben.
3. Unified Computing
Das "Unified Computing System" von Cisco, die "Blade System Matrix" von HP und die Cloud-Computing-Strategie von IBM stehen laut Rockwell Bonecutter, Data-Center-Experte bei Accenture, beispielhaft für einen Trend, der auch noch die kommenden Jahre kennzeichnen werde.
4. Projekt-Management
Wenn die Wirtschaft wieder anzieht, werden die Unternehmen auch ihre verschobenen IT-Projekte in Angriff nehmen. Aber sie werden darauf achten, dass sich die Investitionen am Ende auch auszahlen. Deshalb sind die Fähigkeiten zur Business-Analyse und zum effizienten Projekt-Management gefragt.
5. Ressourcen-Management
In einen Zusammenhang mit dem Thema Green IT gehört die Beherrschung der Wechselwirkungen zwischen IT- und Facilities-Management. Keine Kapazitätsplanung kommt heute ohne eine Betrachtung des Energieverbrauchs und der Wärmeabstrahlung aus. IT-Teams brauchen also dringend jemanden, der diese Faktoren auf dem Schirm hat und in der Lage ist, dieselbe Sprache wie die Facilities-Experten zu sprechen, also einen "Ressourcen-Manager". Auch der Data-Center-Chef selbst darf diese Aspekte nicht aus den Augen verlieren.
6. Engineering
Die Leute, die heute am verweifeltsten gesucht werden, sind, so Pricewaterhouse-Coopers, Mechanik- und Elektro-Ingenieure, die sich mit modernem IT-Equipment auskennen. Heutige Rechenzentrumskonzepte, beispielsweise virtualisierte Server, unterscheiden sich auch hinsichtlich der Elektrik und Kühlsysteme fundamental von denen der vergangenen Jahre.
7. Netzwerk-Know-how
Wenn ein Rechenzentrum ohne Menschen vor Ort auskommt (die Stichworte heißen hier "lights out" und "remote"), dann nur, weil es über ein Netz gesteuert wird. Folgerichtig braucht ein IT-Manager moderner Prägung ein solides Wissen hinsichtlich Netzkonfigurationen, - hardware, und -schwachstellen. Zudem sollte er Mitarbeiter einstellen, die über solches Know-how verfügen.
8. Finanzanalyse
Gerade in einer Wirtschaftskrise wird von einem IT-Verantwortlichen wirtschaftliches Denken verlangt. Er muss beispielsweise in der Lage sein, die Applikationen nach ihrer Bedeutung für das Business zu priorisieren und auf dieser Basis zu entscheiden, welche Lösung einen eigenen Server benötigt und welche beispielsweise in die Cloud ausgelagert werden kann.
9. Green IT
Mögen manche auch die Augen verdrehen - kein Unternehmen kommt an dem Mandat für eine "nachhaltige" Technologie vorbei.
10. Virtualisierung
Die Basistechnik für eine moderne IT-Infrastruktur ist eine Trumpfkarte für den, der sich mit ihr auskennt. Die Unternehmen packen immer mehr IT-Komponenten in flexible, leicht zu wartende und günstig zu betreibende, sprich: virtualisierte Umgebungen.

Probleme in der Zusammenarbeit sind oft persönlicher Natur

Grüne: Freiberufler sind in aller Regel Experten auf Ihrem Gebiet und verfügen über großes fachliches Know-how. Wenn also Probleme bei der Zusammenarbeit entstehen, sind diese daher meist persönlicher Natur. Sei es, dass der Freiberufler sein Expertenwissen nicht richtig "rüber bringt" oder Probleme bei der Zusammenarbeit mit einzelnen Personen im Team hat. Nicht ohne Grund findet seit den 90er-Jahren das T-shaped Karriere Model immer mehr Anklang bei den Unternehmen.

Nach diesem Modell entwickelt der Experte sein Wissen nicht nur in die Tiefe, sondern auch in die Breite. Neben seinem Expertenwissen benötigt ein Mitarbeiter für den Erfolg in heutigen Projekten z. B. Kenntnisse über Geschäftsprozesse, Branchenspezifika und Projektmanagement und verfügt auch über ausgeprägte Soft Skills wie Kommunikationskompetenz und Teamfähigkeit.

Früher galten Informatiker eher als introvertiert und wenig teamfähig. Inzwischen wird bei IT-Freiberuflern viel Wert auf Social Skills gelegt. Wie erleben Sie die Teamarbeit in Projekten? Haben die Kollegen dazugelernt?

Grüne: Wir sind alle Individuen und jeder ist anders. Natürlich gibt es immer positive und negative Beispiele in allen Teams, sowohl bei internen als auch externen Teammitgliedern. Auch können nicht nur die Projektmitarbeiter, sondern auch die Projektmanager Defizite bei ihren Soft Skills haben. Oft wird die Analogie des Ruder-Achters bemüht, "Es gibt nur einen Steuermann". Eine Ruder-Regatta findet aber im Vergleich zu einem komplexen Projekt auf einer Geraden steht, wogegen man bei einem Projekt auch oft die eine oder andere Klippe umschiffen muss.

Der bekannte Unternehmensberater und Experte für Organisationspsychologie Professor Peter Kruse schildert dies plastisch und sehr unterhaltsam in seinem kurzen Vortrag "8 Regeln für den Stillstand im Unternehmen", den ich jedem nur ans Herz legen kann. "Wenn ein Vorgesetzter versucht, immer alles im Griff zu haben, ist die Firma nur so intelligent wie die Führung, also notgedrungen auch begrenzt." Wir müssen uns alle vor Augen halten, das ein autoritärer Führungsstil Motivation und Kreativität der Mitarbeiter brachliegen lässt. Hier gilt es den richtigen Mittelweg zu finden in einem kooperativen Führungsstil oder einem "enzymischen" Management.

Zumbruch: Im Bereich des Projektmanagements ist es besonders wichtig, eher unerlässlich, kommunikative Fähigkeiten zu besitzen. Ohne kommunikative Fähigkeiten und Social Skills ist es heute nicht mehr möglich, Projekte professionell und erfolgreich durchzuführen.

Kontakt: Norbert Zumbruch ist Senior Consultant, Project Manager und Interim - Manager und Michael Grüne ist Senior Consultant und Projektmanager. Berufsverband Selbständige in der Informatik (BVSI) e. V., Tel.: 040 180 4742, E-Mail: office@bvsi.de, Internet: www.bvsi.de

(Computerwoche)