Virtualisierung

Sind jetzt die Clients dran?

20.04.2011 von Christa Manta
Laut den Marktforschern von IDC wollen immer mehr deutsche Unternehmen in virtuelle Desktop-Infrastrukturen investieren.

Die Idee ist einfach: Warum einen dicken Desktop-Rechner unter den Schreibtisch stellen, ihn individuell administrieren und warten, regelmäßig Patches und Updates aufspielen und dann auch noch teuer für Hardware und Lizenzen bezahlen? Analog zu den Servern könnten Unternehmen auch ihre Clients virtualisieren und so die Administration vereinfachen und Kosten sparen.

Bei der Umsetzung hapert es allerdings noch. Laut der Studie "Virtualized Client Computing in Deutschland 2011" von IDC ist das so genannte "Virtual Client Computing" (VCC), bei dem Unternehmen die PC-Arbeitsplätze zentral im Rechenzentrum managen und der Anwender über ein Endgerät auf seinen Desktop auf dem Server zugreift, "noch nicht weit verbreitet".

Unternehmen glauben an Client-Virtualisierung

Allerdings seien die befragten Unternehmen sehr optimistisch, was die Zukunft der virtualisierten Clients angeht: 60 Prozent der Befragungsteilnehmer gehen laut der IDC-Marktforscher davon aus, dass sich Client-Virtualisierung in den kommenden Jahren am Markt etablieren wird. 17 Prozent rechnen damit, dass sie sich grundlegend auf die Art und Weise auswirkt, wie IT künftig bereitgestellt wird.

IDC hatte im Rahmen der Studie 235 deutsche Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern befragt, mit dem Ziel, aktuelle Situation und Pläne der Unternehmen, die Virtualisierungstechnologien einsetzen, beziehungsweise demnächst einführen möchten, zu untersuchen.

Je mehr Mitarbeiter und Arbeitsplätze, umso eher wird virtualisiert. Ab 1000 PC-Arbeitsplätzen ist dieser Trend jedoch rückläufig
Foto: IDC

Stärker verbreitet als die Applikations-Virtualisierung ist dabei laut der Studienergebnisse die Desktop-Virtualisierung, bei der die Client-Umgebung, also Applikationen, Daten und Betriebssystem von der Host Hardware losgelöst werden. Insgesamt 46 Prozent der Befragten gaben an, bereits VDI (Virtual Desktop Infrastructure) oder DVD (Distributed Virtual Desktop) implementiert zu haben.

Unternehmen mit heterogener Desktop-Landschaft tun sich schwerer

Interessant hierbei ist auch, dass die Zahl der virtualisierten Desktops mit der Mitarbeiterzahl zunimmt - bis zu einer bestimmten Unternehmensgröße. Unternehmen mit 500 bis 999 Mitarbeitern sind die Virtualisierungs-freudigste Gruppe: 78 Prozent gaben an, bereits VDIs oder DVDs einzusetzen. Bei Unternehmen mit 1000 oder mehr Mitarbeitern ist dieser Anteil mit 50 Prozent etwas niedriger. IDC-Projektleiter Matthias Kraus vermutet, dass größere Unternehmen mit einer heterogenen Desktop-Landschaft erst einmal konsolidieren und standardisieren müssen, ehe sich die Virtualisierung für sie rechnet.

Im Bereich der Applikations-Virtualisierung, bei der nicht die Hardware virtualisiert, sondern lediglich eine Abstraktionsschicht zwischen einzelne Anwendungen und das Betriebssystem eingezogen wird, die die Installation der Programmen auf dem Desktop-Rechner obsolet macht, steigt die Anzahl der Unternehmen, die diese Technologie einsetzen, linear mit der Anzahl der PC-Arbeitsplätze. Von den befragten Unternehmen mit 1000 und mehr PC-Arbeitsplätzen, gaben 42 Prozent an, die Applikationen zu virtualisieren.

Sicherheit ist Treiber und Hemmschuh zugleich

Interessant ist auch, dass Sicherheits-, als auch Kostenüberlegungen den Einsatz von Client-Virtualisierungs-Technologien zugleich behindern und fördern. So ist den Unternehmen wichtig, mithilfe von Virtualisierungs-Techniken eine einfachere Wiederherstellung im Notfall zu gewährleisten und die IT-Sicherheit generell zu seigern.

Fragt man aber nach den größten Hürden und Schwierigkeiten für den Einsatz von Client-Virtualisierung, fällt das Ergebnis ähnlich aus: Am häufigsten werden Sicherheitsbedenken genannt. Zum einen erfordern virtuelle Clients neue Security-Vorkehrungen, die bestehende Sicherheits-Infrastruktur muss an die neuen Anforderungen angepasst werden. Zum anderen befürchten die IT-Verantwortlichen auch neue Gefahren wie zum Beispiel Hypervisor-Attacken, die die Komplexität der Lösungen nutzen, um sie zu kompromittieren.

Sparen oder draufzahlen?

Auf Platz zwei der Hürden, die Unternehmen bei der Umsetzung von Client-Virtualisierungs-Projekten begegnen, stehen die Kosten: Die Unternehmen beklagen ihre Budgetsituation, zu hohe Lizenzkosten sowie fehlende personelle IT-Ressourcen für die Umsetzung der Projekte. Gleichzeitig versprechen sich die Firmen mithilfe von virtualisierten Clients, den Aufwand für die Administration, etwa für Updates und Wartung, sowie die Kosten für Support und Helpdesk zu senken. Zudem wollen sie an Geräte- und Lizenzkosten sparen.

Eine Erklärung für diesen Widerspruch sehen die Marktforscher von IDC darin, dass sich die Kosten für Client-Virtualisierung eher mittel- als kurzfristig amortisieren. So erwarten 21 Prozent der befragten Unternehmen, dass sich der ROI von Desktop-Virtualisierungs-Projekten erst nach über zwei Jahren einstellt. Da es den Unternehmen bisher vor allem darum gegangen sei, kurzfristig Kosten zu sparen, hätten sie sich bisher mit Investitionen zurückgehalten.

Insgesamt differieren die Erwartungen, was das Einsparpotenzial von Client-Virtualisierung angeht, stark unter den befragten Unternehmen. Zehn bis 19 Prozent denken, Kosten von fast 30 Prozent sparen zu können. Demgegenüber stehen 38 Prozent der Unternehmen, die sich gar keine Kostensenkungen erhoffen. Unternehmen, die sich bisher gegen Client-Virtualisierung entschieden haben, zweifeln laut der Studienbetreiber zudem an der Performance der Lösungen.

Insgesamt geht IDC jedoch davon aus, dass die Nachfrage nach Client-Virtualisierung in den nächsten zwei Jahren zunehmen wird. Das Interesse der Anwender im deutschen Markt sei deutlich gestiegen.