Jobeinstieg

So gelingen die ersten Schritte im neuen Job

01.08.2014 von Ferdinand Knauß
Die ersten Tage sind oft entscheidend für den beruflichen Erfolg. Was man tun und vor allem, was man lassen sollte, damit der Einstieg gelingt. Und eine kleine Typologie der Neulinge.

Der erste Eindruck eines Menschen ist meist prägend. In den ersten drei Sekunden einer neuen Bekanntschaft entsteht das Bild vom anderen Menschen. Mag ich ihn? Ist er mir zuwider? Hat sich erst eine Antwort festgesetzt, lässt sie sich nur schwerlich revidieren. Vermutlich ist das so, weil uns noch immer das Überlebensprogramm des prähistorischen Menschen in den Genen steckt, der bei jeder Begegnung schnell entscheiden musste, ob sein Gegenüber Freund oder Feind war.

Um Leben und Tod geht es glücklicherweise nicht, wenn man am ersten Arbeitstag auf einer neuen Stelle den künftigen Kollegen begegnet. Aber auch um miteinander einfach nur gut arbeiten zu können, ist die berühmte Chemie zwischen Menschen wichtig. Die ersten Tage - und besonders der allererste - sind daher für den gelungenen Einstieg auf einer neuen Stelle besonders wichtig.

Der neue Job beginnt im besten Falle schon vor der Ankunft im neuen Büro. "Es ist sinnvoll, mit den Leuten, mit denen man die Einstellungsgespräche geführt hat, auch über die ersten Tage im neuen Job zu sprechen", sagt Uwe Göthert, Geschäftsführer des Coaching Unternehmens Dale Carnegie Training. "Im Einstellungsgespräch verkaufe ich mich gut, um die Stelle bekommen. Meine Stärke zeige ich aber auch, wenn ich vorausschauend die richtigen Fragen zum Team, zum Arbeitsumfeld, zum Job, der mich erwartet, stelle. Die äußeren Bedingungen im Vorfeld zu klären, trägt auch dazu bei, sich selbst zu festigen und mit einem guten Gefühl in die neue Arbeit zu gehen.

Kleine Typologie der Jobeinsteiger nach Svenja Hofert
Der Zu-viel-Arbeiter
Er macht sich ganz schnell Feinde, weil er allzu deutlich seinen Fleiß - und damit die Faulheit der Alteingesessenen zeigt. Er hält sich für einen großen Macher, ist aber oft wegen seiner Unbeliebtheit schneller raus als er drinnen war.
Der Aufräumer
Er nörgelt gleich los und will, kaum angekommen, gleich alles umschmeißen. Er erzählt laufend, was man in seinem alten Unternehmen viel besser gemacht hat.
Der Beziehungsheini
Er will sofort mit allen essen gehen und übersieht, dass es in seinem Kollegium schon Gruppen gibt. Er sollte sozial sensibler werden, um Enttäuschungen zu vermeiden.
Der introvertierte Ich-warte-ab-Typ
Er setzt sich brav an den Schreibtisch und lässt von sich nichts mehr hören und sehen. Er meckert nicht mal, dass da noch die Taschentücher seines Vorgängers liegen. Er sollte sich überwinden, eine Vorstellungsrunde zu machen und Smalltalk üben.
Der extrovertierte Hier-bin-ich-Typ
Er hat kein Problem mit mangelndem Selbstbewusstsein, aber auch kein Gespür für Grenzen. Darum muss man ihm Grenzen setzen.

Konkret sollte man sich unter anderem über die Kleidungsgewohnheiten in dem betreffenden Unternehmen informieren. Wer sich in klassischen Anzug-oder-Kostüm-Branchen, zum Beispiel bei Banken und Handelsunternehmen, beworben hat, muss sich da keine Gedanken machen. Doch bei jungen Startup-Unternehmen oder weniger förmlichen Branchen, ist es angeraten, vor dem ersten Arbeitstag zu erfragen, wie die Kollegen üblicherweise angezogen sind. Und als künftiger Vorgesetzter sollte man, so die selbständige Karriereberaterin Svenja Hofert, "zehn Prozent" förmlicher als die künftigen Mitarbeiter angezogen sein. Führt man ein Team von T-Shirt-Trägern, trägt man also selbst ruhig ein Hemd mit Sakko. "Sehr viel förmlicher als die Kollegen angezogen zu sein, kann aber ebenso schädlich sein, wie allzu nachlässig gekleidet zu sein", warnt Hofert. "Wer mit dem dunkelblauen Boss-Anzug antanzt, während die anderen im T-Shirt arbeiten, macht sich schnell unbeliebt."

Gleiches gilt für die Anrede. Um peinliche Situationen am ersten Tag zu vermeiden, sollten Jobeinsteiger vor Arbeitsbeginn ihre Kontaktperson ihren künftigen Vorgesetzen fragen, wie man es mit dem Du oder Sie im Büro hält.

Aber nicht nur die Äußerlichkeiten, sondern auch den Verlauf des ersten Tages sollte man möglichst im Vorhinein mit dem eigenen Vorgesetzten vor Arbeitsbeginn abstimmen, rät Hofert. "Möchte er, dass ich die Einführung selbst in die Hand nehme oder tut er das? Werde ich den Kollegen vorgestellt? Wird mich jemand in der neuen Firma herumführen?" Letzteres sei auf jeden Fall die bessere Lösung, meint auch Uwe Göthert. Denn das verhindere peinliche Situationen, wenn man sich an der Kaffeemaschine trifft, und nicht weiß, wie der andere heißt.

Bei den meisten Arbeitgebern, so Hofert, sei die Einführung neuer Mitarbeiter aber nicht geregelt. Es bleibe also den Mitarbeitern überlassen, sich den Kollegen vorzustellen und mit den neuen Arbeitsbedingungen bekannt zu werden. "Ob organisiert oder nicht, am ersten Tag sollte man unbedingt allen Kollegen im näheren Umfeld die Hand geben", sagt Hofert. In einem kleinen Unternehmen können das durchaus auch alle Mitarbeiter sein, meint Göthert, in einem großen nur die Kollegen, mit denen man unmittelbar zu tun hat.

Vorsicht vor falschen Freunden

Auf keinen Fall sollte sich ein Neuling sofort nach Ankunft an seinen Platz setzen und mit der Arbeit beginnen ohne jemanden anzuschauen, warnt Hofert. Ebenso unangebracht ist ein großer Auftritt mit Essen und Getränken.

Jeder Jobeinsteiger muss sich darüber im Klaren sein, dass sich durch sein Kommen - ob in Führungsverantwortung oder nicht - das soziale System des Kollegiums ändert, also etwas gruppenpsychologisch Neues entsteht. Und sein Ziel in den ersten Tagen muss sein, dass dieses Neue für die anderen und ihn selbst etwas Positives ist. Das Ziel eines Mitarbeiters in den ersten Tagen muss erst sein, sich mit den Verhältnissen vor Ort bekannt zu machen.

12 Empfehlungen, um sein Ansehen zu verbessern von Dale Carnegie Training
Seien Sie ...
... ein guter Zuhörer. Ermuntern Sie andere, über sich selbst zu sprechen.
Freuen Sie sich ...
... über Kritik, anstatt sie zurückzuweisen.
Appellieren Sie ...
... an das "bessere Ich" Ihrer Teammitglieder.
Übernehmen Sie ...
... Verantwortung.
Genießen Sie ...
... die Zusammenarbeit mit Ihrem Team.
Sprechen Sie vor allem ...
... von Dingen, die die anderen Team-Mitglieder interessieren.
Sprechen Sie ...
... mit einem Lächeln und einem freundlichen Ton in der Stimme.
Sagen Sie ...
... "wir", nicht "ich".
Halten Sie ...
... sich zurück. Drängen Sie sich nicht in den Vordergrund.
Denken Sie daran: ...
... Für die Mitglieder Ihres Teams ist der eigene Name äußerst wichtig. Erwähnen Sie ihn so oft wie es angemessen ist.
Geben Sie ...
... Ihrem Team aufrichtige Anerkennung.
Betrachten Sie ...
... es als eine Ehre, im Team zu sein und sagen Sie das auch.

Beraterin Carin Lüdemann warnt in Ihrem Hörbuch "Neu im Job" vor den "falschen Freunden", die sich neuen Kollegen allzu aufgeschlossen als Gesprächspartner anbieten. Oft seien sie die notorischen Nörgler und Bremser in Unternehmen. Sie suchen die Nähe neuer Mitarbeiter, weil sie keine anderen Gefährten im Unternehmen mehr haben und Verbündete suchen. Doch für den Neuankömmling ist es ein ganz schlechter Start, im Kollegium gleich als Vertrauter des bekannten Nörglers zu gelten. Von der demotivierenden Wirkung des Nörgeln ganz abgesehen.

"Wenn es überhaupt jemanden geben kann, der in die persönlichen Verhältnisse unter den Mitarbeitern einführt, dann sollte das nur der nächste Vorgesetzte sein", rät Hofert. "Auf keinen Fall sollte man einen der Mitarbeiter befragen. Das wäre total unprofessionell." Auch Göthert rät, sich nicht schon vorher nach persönlichen Merkmalen der künftigen Mitarbeiter zu erkundigen. "Wenn die Personen, mit denen ich die Vorgespräche führe, zu einigen meiner neuen Mitarbeiter kein gutes Verhältnis haben, komme ich mit einer eingefärbten Meinung rein. Ich sollte lieber danach fragen, wie die Stimmung im Team ist, wie die Kollegen auf mein Kommen vorbereitet und eingestellt sind."

Am besten, da sind sich die Berater einig, ist es für Neuankömmlinge, sich zurückhaltend einen Überblick über die Arbeitsabläufe, die Kollegen und ihre Beziehungen untereinander zu verschaffen. Wie gehen die Kollegen miteinander um? Welche ungeschriebenen Regeln, welche Rituale gibt es? Sind die Grenzen zwischen den Hierarchien stark ausgeprägt? "Wir bei Dale Carnegie raten vor allem, ein guter Zuhörer zu sein, eher die anderen reden zu lassen, als selber im Mittelpunkt zu stehen", sagt Göthert.

"Auch als neuer Vorgesetzter sollte man", rät Hofert, "erst einmal beobachten und keinesfalls schon in den ersten Tagen sagen: Es muss alles anders werden." Lüdemann ist ähnlicher Ansicht. Sie empfiehlt: "Zeigen Sie Respekt vor den Leistungen der Vergangenheit." Den kann man zum Beispiel auch dadurch zeigen, dass man die neuen Kollegen um ihren Rat fragt.

Und erst recht rät sie von allzu schnellen Personalentscheidungen ab. Viele Chefs mit Personalverantwortung bemühen sich schon kurz nach dem Einstieg darum, eigene Vertraute aus dem alten Unternehmen oder von anderswo in ihrem neuen Team zu installieren - und Vertrauensleute des Vorgängers loszuwerden. "Das würde ich mir gut überlegen, weil man dadurch den Rest der Belegschaft sehr leicht gegen sich aufbringen kann."

Veränderungen, so rät Göthert, sollte man als neuer Chef erst einleiten, wenn man sich ein glaubhaftes, sicheres Bild von der Lage machen konnte. Und wenn man weiß, auf welche Mitarbeiter man sein Vertrauen setzen kann.

(Quelle: Wirtschaftswoche)