Gartners Hype Cycle 2010

Welchen Technologien die Zukunft gehört

18.10.2010 von Christiane Pütter
Analyse-Tools für Prognosen und Tablet-PCs mit Stift setzen sich in Firmen durch. In zehn Jahren hält Gartner auch Hirnschnittstellen zum Arbeiten für möglich.
Gartners Hype Cycle for Emerging Technologies 2010.

Jetzt hypen sie wieder: Die Analysten von Gartner geben ihre Prognosen für die Technik-Welt des kommenden Jahrzehnts bekannt. Unter Federführung von Erfinderin Jackie Fenn erscheinen die Gartner Hype Cycle. Im Bereich "Emerging Technologies" sehen die Analysten 41 Technologien am Start.

Darunter finden sich sowohl Endverbraucher-Themen wie 3D-Fernsehen und E-Book-Reader als auch Business-Interessen wie Cloud Computing und Datenanalysen für schnellere Prognosen ("Predictive Analytics"). Im Unterschied zur Vorjahresausgabe ist SOA (Service-orientierte Architekturen) im Hype Cycle for Emerging Technologies 2010 nicht mehr dabei. Gartner gestand SOA 2009 zu, die Phase der Produktivität zu erreichen. Damit sind Service-orientierte Architekturen keine "auftauchende" Technologie mehr.

Der Hype Cycle folgt stets demselben Schema: Gartner teilt alle Trends in fünf verschiedene Phasen ein. Zunächst ist ein Thema Impuls, dann erlebt es den Höhepunkt überzogener Erwartungen. Ihm folgt eine Phase der Desillusionierung, bevor nach einer Zeit der Abklärung das Plateau der Produktivität erreicht wird. Die aktuellen Prognosen für einige ausgewählte Technologien lauten wie folgt:

Die Analysten bescheinigen Cloud Computing Reife, glauben aber dennoch, dass erst fünf bis 20 Prozent der Zielgruppe erreicht sind. Damit ist die Marktdurchdringung seit dem vorigen Hype Cycle nicht gestiegen.

Gartners Tipp an Entscheider: Cloud ist kein Selbstzweck. Ein Unternehmen muss möglichst genaue Vorstellungen davon entwickeln, in welchem Bereich und zu welchem Zweck Cloud Computing eingesetzt werden kann. Dafür müssen Anbieter Roadmaps liefern können.

Da Instrumente wie Google’s App Engine oder Microsoft Azure Services Platform insbesondere kleinen und mittelständischen Firmen ohne großen Aufwand neue Möglichkeiten erschließen, traut Gartner Cloud/Web-Plattformen großes Potenzial zu. Sie verändern die Geschäftswelt erheblich. Die Marktdurchdringung liegt bisher allerdings erst zwischen einem und fünf Prozent. In den kommenden zwei bis fünf Jahren sich das ändern.

Twitter nüchtern betrachten

Microblogging ist ein Beispiel für das Verschwimmen von Konsumenten- und Businesswelt. Gartner rät Unternehmen, nicht zu lange mit der Nutzung dieser neuen Kommunikationswege zu warten. Zwei Dinge sind dabei unerlässlich: Erstens vor Beginn Informationen einholen, mit Microblogging vertraut machen und eine Strategie entwickeln. Anders als der private Endverbraucher kann ein Unternehmen nicht einfach über Herumprobieren einsteigen.

Zweitens: Entscheider müssen Policies für den Umgang festlegen. Die Nutzer im Unternehmen müssen verstehen, dass der geschäftliche Umgang mit Twitter nicht das Gleiche ist wie der private.

Weg von der Desillusionierung - hin zu den Technologien, die das Tal der Tränen bereits durchwandert haben und jetzt ganz nüchtern betrachtet werden. Hier bezieht Gartner das auf den ersten Blick nicht-technische Thema Ideen-Management ein.

Über soziale Medien Ideen von Kunden aufgreifen

Laut Gartner kommt kein Unternehmen mehr an Ideen-Management vorbei. Das gilt sowohl für Business-to-Business als auch für Business-to-Consumer. Als gelungenes Beispiel auf dem deutschen Markt könnte Tchibo gelten. Der Hamburger Konzern lässt Endverbraucher auf der Plattform tchibo-ideas.de Produktideen einreichen und realisiert auch einige. Nach Unternehmensangaben zählt diese Community rund 8.000 Mitglieder. Nach Prognosen von Gartner werden binnen zwei bis fünf Jahren immer mehr Firmen nachziehen.

Schnellere und klügere Analysen erstellen

Als Anbieter nennt Gartner zum Beispiel IBM (SPSS), SAS Institute und ThinkAnalytics. Schon in den kommenden ein bis zwei Jahren werden Entscheider predictive Analytics verstärkt nachfragen, so die Marktforscher. Denn ohne Unterstützung können Entscheider die wachsenden Datenmengen nicht mehr sinnvoll nutzen.

Pen-Centric Tablet PCs gehören sozusagen zu den Shooting Stars im Hype Cycle: Obwohl die Marktdurchdringung erst bei einem bis fünf Prozent liegt, erwartet Gartner, dass sie schon in den nächsten ein bis zwei Jahren zulegen. Sie ersetzen zum Beispiel das Clipboard.

Soweit zu den einigermaßen etablierten Technologien, die Entscheider in naher oder näherer Zukunft beschäftigen. Als Beispiele für Technologien, die den großen Hype noch vor sich haben, seien 3D-Drucker und Computer/Hirn-Schnittstellen genannt.

Drucken in 3D und das Hirn an den Rechner anschließen

Die Vorläufer von 3D-Printing reichen zwar bis in die späten 1980er-Jahre zurück, aber erst in den kommenden fünf bis zehn Jahren werden sie ihren Durchbruch erleben. Denn die Hersteller steigern die Qualität der Geräte, während die Preise sinken.

Dass man "einem Menschen nicht in den Kopf gucken kann", stimmt nicht mehr. Computer/Hirn-Schnittstellen werden zunächst einmal Behinderten helfen, möglichst viele Dinge selbst zu tun. Dabei können Elektroden in den Schädel gesetzt werden, die Signale empfangen und weiterleiten. Auf lange Sicht - mehr als zehn Jahre - hält es Gartner für denkbar, dass die Technologie Arbeiter unterstützt, die beide Hände brauchen. Dabei soll jedoch nichts in die Köpfe der Menschen implantiert werden - spezifische Helme oder Kappen werden reichen.

Das sind jedoch weitgehend Visionen. In welcher Weise diese Technologie außerhalb medizinischer Zwecke zum Einsatz kommt, ist spekulativ.

650 Analysten bewerten 1800 Technologien

Der Gartner Hype Cycle for Emerging Technologies ist nur einer aus einer Reihe von 75 Hype Cycles. An diesem Megaprojekt haben 650 Analysten mitgearbeitet. Sie haben insgesamt rund 1800 Technologien untersucht. Danach dürften die Köpfe geraucht haben - auch ohne Computer/Hirn-Schnittstelle.