Fraunhofer-Studie

Wie die Polizei Social Media einsetzt

21.12.2012 von Johannes Klostermeier
Soziale Medien eignen sich vor allem zur Kommunikation mit der Bevölkerung und zur Vertrauensbildung. Das ergab eine europaweite Studie.

Die jetzt veröffentliche zweite Studie „Best Practice in Police Social Media Adaptation" des Composite-Projekts (Comparative Police Studies in the EU) zeigt, dass der Einsatz von Social Media die Polizei in vielen Bereichen wirksam unterstützt. Befragt wurden die Polizeien in dreizehn europäischen Staaten. An der Studie beteiligt war das Fraunhofer Institute for Applied Information Technology FIT.

Gut für die Kommunikation bei Krisensituationen oder Unruhen.
Foto: RIM

Neben dem Einsatz als Quelle kriminologischer Informationen eigneten sich die sozialen Medien vor allem zur Kommunikation mit der Bevölkerung, etwa bei Krisensituationen oder Unruhen, schreiben die Verfasser. Hervorzuheben sei zudem die Möglichkeit zur Vertrauensbildung zwischen Polizei und Bevölkerung.

Im Rahmen des EU-Projekts wurden Interviews und Workshops mit IKT-Spezialisten von Polizeiorganisationen in ganz Europa durchgeführt, unter anderem in Belgien, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und Spanien. Die Studie fasst die Erfahrungen aus Sicht der Polizei zusammen, die sich, so die Autoren, schon früh den Chancen und Risiken in den sozialen Netzwerken gestellt haben.

Vorbild Großbritanien

In Großbritannien etwa gehört Social Media als Werkzeug schon bei vielen Polizeistationen zum Tagesgeschäft. Beamte informieren die Nachbarn über ihre Aktivitäten, geben Warnungen oder Suchanzeigen. Der Beamte vor Ort kommuniziert wie seine eigene Pressestelle.

Die Präsenz der Polizei in den sozialen Medien hat auf unterschiedlichen Ebenen eine direkte Wirkung auf die Beziehung zwischen der Polizei und der Bevölkerung. Zum einen werde eine vertrauensvolle Verbindung zwischen Bürgern und der Polizei aufgebaut. Die Interaktion wird enger, der Dialog besser, die Polizeiarbeit transparenter. Bürger erleben die Polizei menschlicher. Verstärkt wird dies durch den in den sozialen Netzen üblichen Kommunikationsstil, der im Gegensatz zur bürokratischen Behördensprache steht.

Konkurrenz durch inoffizielle Polizeinachrichten

„Über die Polizeiarbeit wird im Netz in jedem Fall diskutiert. Die Frage ist daher nicht, ob Polizeithemen etwas in sozialen Medien zu suchen haben, sondern wie die Polizeien daran teilhaben und die Vorteile nutzen. Denn wenn die Polizei nicht selbst aktiv wird, füllen andere die Lücke", so Projektkoordinator Sebastian Denef vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT.

Eine inoffizielle Facebook-Seite mit Polizeinachrichten in Berlin hat bereits über 15.000 Polizei-Fans.

Eine inoffizielle Facebook-Seite in Berlin mit Polizeinachrichten hat bereits über 15.000 Fans. Und in der niederländischen Region Haaglanden hat der Twitter-Kanal eines selbsternannten Polizeifans 2500 Follower. Die fehlende vertrauenswürdige Präsenz in den sozialen Medien könne so auch zum Nährboden für Gerüchte, Spekulationen und Missverständnisse werden.

Zudem seien die sozialen Medien ein wichtiger Kanal zur jüngeren Bevölkerung, eine Gruppe, die für von hoher Bedeutung ist, die aber über traditionelle Medien, wie Tageszeitung, Fernsehen oder Radio, kaum mehr erreicht wird.

Ein weiteres Feld, in dem sich die sozialen Netzwerke als nützlich erwiesen haben, sind Ausnahmesituationen wie Attentate oder Großschadenslagen. In einer Krisensituation sind soziale Medien ein geeignetes Mittel, um die Bevölkerung unabhängig von der polizeilichen IT-Infrastruktur schnell zu informieren.

Seit April 2011 hat die Polizei von Helsinki drei Beamte in Vollzeit abgestellt, die eine virtuelle Polizeistation auf verschiedenen Social-Media-Plattformen betreuen. Bereits in den ersten Monaten gingen rund 250 Meldungen ein. Und auch in den Niederlanden verrichten bereits virtuelle Reviere im Dienst.

Helsinki: Virtuelle Polizeistation mit drei Beamten

Bei der Zusammenarbeit müssen noch Erfahrungen gesammelt und juristische Fragen geklärt werden.

Trotz aller Vorteile seien allerdings noch viele Fragen offen, etwa juristische. Besonders in Deutschland bedürfe es noch rechtliche Klärung; in anderen Ländern, etwa in Großbritannien oder in den Niederlanden, sind die Hürden niedriger.

Auch ist das Zusammenspiel mit Dienstleistern im Ausland, wie etwa Facebook und Twitter, für die Polizei nicht unproblematisch, es müssen hier den Verfassern der Studie zufolge noch Erfahrungen gesammelt werden. Das sei jedoch vielversprechend vor dem Hintergrund des Potenzials der sozialen Medien für die Polizei.

Die Studie „Best Practice in Police Social Media Adaptation" wurde in dem Projekt COMPOSITE (Comparative Police Studies in the EU) durchgeführt.

Die komplette Studie kann hier (PDF) kostenfrei heruntergeladen werden.