PwC IT-Outsourcing-Studie

Wie Provider den Sourcing-Markt sehen

09.03.2015 von Christiane Pütter
Deutsche Unternehmen entscheiden sich vor allem für Nearshore-Standorte. Provider arbeiten mit Hochdruck am Image als Experten für Cloud, Mobility und Big Data.

Die Marktteilnehmer lernen - sowohl die Kunden, als auch die Anbieter. So charakterisiert Jörg Hild, Partner bei PwC, den deutschen Outsourcing-Markt in der "IT-Outsourcing-Studie". Hild beobachtet, dass die Umsätze weiter steigen, auch wenn Insourcing "in all seinen Facetten aus gutem Grund diskutiert wird".

Der Report basiert unter anderem auf Angaben von 55 Managern auf Anbieterseite und 65 auf Kundenseite. Den weiter steigenden Bedarf am Auslagern begründet Hild mit dem klassischen Argument Kostensenken. Das gelte insbesondere für den Rechenzentrumsbetrieb.

Eine der Fragen dreht sich um künftige Orte, an die ausgelagert wird. Sechs von zehn Befragten (60 Prozent) erklären, das Interesse an Nearshore-Standorten sei "steigend" bis "stark steigend". Nearshore heißt für PwC etwa Rumänien. Über Onsite-Standorte (beim Kunden selbst) sagen das nur 35 Prozent - während 36 Prozent "fallendes" bis "stark fallendes" Interesse konstatieren.

Onshore-Standorten (in Deutschland) schreiben 55 Prozent steigendes bis stark steigendes Interesse zu - am anderen Ende der Skala sprechen allerdings 19 Prozent von fallender Nachfrage. Das Auslagern nach Offshore (typischerweise Indien) wird aus Sicht von jedem Zweiten (50 Prozent) interessanter. Gleichzeitig sprechen jedoch 30 Prozent von sinkender Attraktivität solcher Standorte.

PwC-Studie über den deutschen Outsourcing-Markt
Der deutsche Outsourcing-Markt
In der "IT-Outsourcing-Studie" analysiert PwC den deutschen Markt. Grundlage sind unter anderem Angaben von 55 Anbietern.
Standort-Wahl
Nearshore schreiben die Befragten das stärkste Potenzial zu.
Verhandlungen
Haftung und Gewährleistung sehen die Anbieter als größte Herausforderungen bei der Vertragsverhandlung an.
Nachverhandlungen
Wird nachverhandelt, geht es meist um die Erweiterung des Leistungsspektrums.
Probleme bei der Transition
Knappe Ressourcen und Unerfahrenheit beim Kunden sehen die Anbieter als größte Probleme in der Transitionsphase an.
Probleme bei der Cloud
Alt-Systeme stellen das größte Problem bei der Verlagerung in die Cloud dar.
Retained Organisiation
Das Bilden einer Retained Organisation hakt weniger an der Technik als mehr an Fragen von Organisation und Qualifizierung.

Innovationsthemen

Nach ihrem eigenen Selbstverständnis wollen sich die Service-Provider vor allem in drei Punkten weiterentwickeln: als Anbieter von Cloud-Lösungen, als Innovationstreiber und als Service-Integrator. Als wichtigste Innovationsthemen identifiziert PwC Cloud, Mobility und Big Data. "Die Anbieter arbeiten mit Hochdruck daran, sich als Experten der genannten Technologien zu positionieren", sagt Hild. Dabei sähen sich die Anbieter ebenso wie ihre Kunden dem Druck ausgesetzt, Datenschutz und Compliance-Vorgaben zu erfüllen.

Anwender legen weniger Wert auf Referenzprojekte

Klare Unterschiede zeigen sich bei der Bewertung eines Anbieters aus dessen eigener Sicht und der des Kunden. So gehen 71 Prozent der Provider davon aus, dass Kunden zunächst einmal die Qualität der Services "sehr wichtig" sind. Allerdings sagen das mit 84 Prozent der Anwender deutlich mehr. Noch stärker fällt die Diskrepanz beim Stichwort Referenzprojekte aus: Jeder Anbieter hält sie für entscheidend, genau genommen beschreiben 56 Prozent sie als "sehr wichtig" und 44 Prozent als "wichtig".

"Kunden ist bewusst, dass sich aus Referenzen nicht unbedingt auf die zu erwartende Qualität schließen lässt", sagt Studienautor Jörg Hild von PwC Deutschland.
Foto: PwC Deutschland

Ganz anders die Anwender. Jeder Zweite (50 Prozent) nennt Referenzprojekte "weniger wichtig". Hild interpretiert das so, "dass den Kunden bewusst ist, dass sich aus Referenzen nicht unbedingt auf die zu erwartende Qualität schließen lässt."

Zu den größten Problemen der Service Provider gehört der Fachkräftemangel. Das Recruiting gestalte sich "zunehmend schwieriger", schreibt PwC in der Studie. In dem Punkt dürften sich Anbieter und Kunden kaum unterscheiden.

So wechseln CIOs den Outsourcing-Partner
So wechseln CIOs den Outsourcing-Partner
Bei Unzufriedenheit unbedacht den Dienstleister zu wechseln ist gefährlich. Zu prüfen sind unter anderem Laufzeit, Folgekosten und Optionen wie Multisourcing.
1. Die Gründe für das Outsourcing nochmals überprüfen:
"Rufen Sie sich die Gründe dafür zurück, warum Sie sich ursprünglich zum Auslagern entschieden haben", rät Edward J. Hansen von der Anwaltskanzlei Baker & McKenzie. Wenn diese Gründe immer noch gelten, reicht es, sich einen neuen Dienstleister zu suchen. Falls nicht, muss die ganze Strategie überdacht werden - und das Unternehmen entschließt sich möglicherweise zum Insourcing.
2. An die Vertragslaufzeiten denken:
Wer den Anbieter wechseln will, tut das am besten, wenn das bisherige Abkommen ausläuft. Die Zusammenarbeit während der Laufzeit zu beenden, ist nur in dringenden Fällen ratsam.
3. Den Vertrag genau studieren:
Es kann Streit ums Geld geben, wenn ein Vertrag vorzeitig beendet werden soll. Schon aus diesem Grund muss der bestehende Vertrag genauestens unter die Lupe genommen werden. Wer geschickt ist, baut in künftige Abkommen ein, in welcher Weise ein Dienstleister den Kunden bei einem Provider-Wechsel unterstützen muss.
4. Wiederverhandeln kann sinnvoller sein als Aussteigen:
Ein Anbieterwechsel kann sich kompliziert gestalten. Wer das vermeiden will, sollte den bestehenden Vertrag lieber neu verhandeln. Entscheider müssen die eigenen Motive für den Wunsch nach einem Wechsel überprüfen.
5. Den bestehenden Dienstleister durchleuchten:
Dieser Punkt knüpft an den vorhergehenden an. Wenn der Grund für den Wechsel-Wunsch darin liegt, dass der Dienstleister schlechte Qualität liefert, muss sich auch der Kunde nach den Gründen dafür fragen. Ein offenes Gespräch kann in Neu-Verhandlungen statt im Wechsel enden.
6. Es wird Ärger mit dem Faktor Mensch geben:
Wenn Mitarbeiter des neuen Dienstleisters ins eigene Unternehmen kommen, kann es zu zwischenmenschlichen Reibereien kommen. Das darf nicht unterschätzt werden.
7. Beim Wechsel mit unproblematischeren Teilen beginnen:
Rechenzentrum-Services oder Disaster Recovery bieten sich als Erstes an, wenn der Dienstleister gewechselt werden soll. Generell gilt: Nicht mit dem Kompliziertesten anfangen!
8. Die Kosten eines Wechsels kalkulieren:
Wer durch den Wechsel des Anbieters Kosten senken will, muss bedenken, dass die Neu-Organisation des Outsourcings selbst auch Geld kostet. Diese Ausgaben müssen gegen mögliche Einsparungen abgewogen werden.
9. Multisourcing als Alternative:
Wer das bisherige Abkommen auflösen will, zielt meist auf Multisourcing ab, statt sich wieder für einen einzigen Anbieter zu entscheiden. Das ist zumindest die Beobachtung von Jeffrey Andrews (Anwaltskanzlei Thompson & Knight). Entscheider sollten sich des damit verbundenen Zeitaufwandes bewusst sein.
10. Aus den eigenen bisherigen Fehlern lernen:
Das vielleicht Wichtigste ist, die eigenen Erfahrungen festzuhalten, um beim nächsten Mal daraus zu lernen.

Die 6 Phasen des Sourcing-Lifecycles

Die typische Vertragslaufzeit liegt bei drei bis fünf Jahren, so der Report. PwC unterteilt den IT-Sourcing-Lifecycle in sechs Phasen. Diese sind:

Strategie: Zu Beginn werden Rahmenbedingungen und strategische Ziele festgehalten. Eine Roadmap umreißt das weitere Vorgehen und die Planung.

Machbarkeit: In der Phase der Machbarkeit (Feasibility) beschreiben die Entscheider, wie sich die Ausgangslage darstellt und wie ein Business Case aussehen kann. Es geht dabei auch um Erfolgskriterien und eventuelle Risiken.

Transaktion: In Phase drei erstellen die Entscheider Ausschreibungsunterlagen. Sie treffen ihre Wahl unter den Anbietern und verhandeln mit ihnen.

Übergang: In Phase vier wird der Business Case fortgeschrieben. Konkret geht es in dieser Phase um den Mitarbeiterübergang, das Bilden einer Retained Organisation und das Etablieren eines Governance Frameworks.

Transformation: Während der Transformationsphase stehen die Verträge im Mittelpunkt. Sie werden sowohl nach monetären wie auch nach nicht-monetären Aspekten überprüft.

Neuverhandlung: Den Abschluss des IT-Sourcing-Lifecycles bildet das Neuverhandeln. Die Entscheider prüfen, inwieweit sich ihre Ziele erfüllt haben, und welche Handlungsoptionen ihnen nun offenstehen.

Die PwC-Studie "IT-Sourcing - die Perspektive der Anbieter" können Sie hier kostenlos erhalten.