Daimler-Chef Ola Källenius

"Wir müssen noch schwäbischer werden"

06.06.2019
Die deutsche Autoindustrie hat mit Handelskonflikten, Diesel-Problemen und Konkurrenz im Bereich Elektromobilität zu kämpfen. Der neue Daimler-Chef kündigte Sparmaßnahmen an, setzt im Kampf um Innovation aber gleichzeitig auf zwei Zugpferde.
Daimler CEO Ola Källenius
Foto: Daimler AG

Der neue Daimler-Chef Ola Källenius hat bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als Vorstandsvorsitzender die Bedeutung der Digitalisierung und Umweltverträglichkeit für die Autobranche betont. Doch der Konzern werde auch sparen. "Wir müssen noch schwäbischer werden", sagte Källenius am Mittwoch bei einer Veranstaltung des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger in Berlin. Er wisse nicht, ob dies bedeute, dass es in Zukunft weniger Mitarbeiter gebe.

Zum Innovationsthema Digitalisierung sagte er, man stehe etwa vor einem Durchbruch beim Autonomen Fahren. Digitalisierung könne dazu beitragen, dass die Zahl der weltweit 1,3 Millionen Verkehrstoten in Zukunft "drastisch" reduziert werden könnte. Auch in der Produktion soll durch Vernetzung und neue Technologien etwa die Effizienz gesteigert werden.

Daimler will schneller und flexibler werden

Seit Mai steht der Stuttgarter Autobauer unter Führung des 49 Jahre alten Schweden Källenius. Zuvor war Källenius Entwicklungschef bei Daimler. Mit dem "Projekt Zukunft" hatte Daimler einen umfassenden Konzernumbau angekündigt. So wolle man in der sich wandelnden Branche schneller und flexibler werden. Zum Abschied hatte Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche noch einmal die Notwendigkeit eines strikten Sparkurses betont. "Alles steht auf dem Prüfstand", sagte der 66-Jährige.

Auf die Frage ob er Probleme vom Vorgänger Zetsche geerbt habe, sagte Källenius, die Daimler-Ingenieure sprächen von den besten aller Zeiten, aber ein Teil "Vergangenheitsbewältigung" sei auch dabei.

CO2-Reduktion

Zudem standen bei seiner Rede auch Umweltaspekte im Vordergrund. Bis 2022 soll die Produktion in Europa CO2-neutral werden. Zudem bekräftigte er das Ziel, dass die gesamte Pkw-Neuwagen-Flotte innerhalb von 20 Jahren CO2-neutral werden solle. Dies werde "unser Business komplett auf den Kopf stellen", sagte Källenius. "Die definierende Frage überhaupt für unsere Industrie" sei, wie diese Änderungen nachhaltig umgesetzt werden. Die CO2-Reduktion wolle der Konzern aber nicht alleine angehen. In Zukunft werde es "Vergabekriterium" geben, so dass etwa Lieferanten diese Ziele teilten.

Daimler investiert derzeit Milliarden in die Elektromobilität. Das erste reine E-Modell ist gerade auf den Markt gekommen, bis 2022 soll jeder Mercedes zumindest teilweise auch mit Strom fahren. Die weltweiten Handelskonflikte, teure Diesel-Rückrufe und Probleme bei der Umstellung auf den neuen Abgasteststandard WLTP hatten 2018 dafür gesorgt, dass Daimler mehr als ein Viertel seines Gewinns einbüßte. Allein das Diesel-Thema habe 2018 einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag gekostet, hieß es bei der Hauptversammlung vor zwei Wochen. (dpa/rs)