Deutsche IT

Brauchen wir ein deutsches Microsoft?

07. August 2013
Von Christof Kerkmann
Weg von Microsoft, Google und Intel: Politiker, Unternehmer und IT-Experten fordern die Entwicklung einer deutschen IT - zum Schutz gegen die Spitzel des US-Geheimdienstes. Doch der Plan ist nicht so gut, wie er klingt.

Immer wenn es darum geht, dass der Staat die Wirtschaft massiv subventionieren soll, muss Airbus als Beispiel herhalten. Nur dank staatlicher Förderung von Frankreich und Deutschland konnte der europäische Flugzeughersteller den Abstand zum einstigen Monopolisten Boeing aufholen. Heute ist Airbus in der Luftfahrt nicht mehr wegzudenken.

Daher überrascht nicht, dass Politiker eine deutsche IT fordern. Bundeskanzlerin Angela Merkel kommentiert die Bespitzelungsaffäre mit dem Satz, dass Europa dort aufholen müsse, wo es "eigene technische Fähigkeiten verloren" habe. Beim Satellitensystem Galileo und eben bei Airbus gibt Europa bereits kontra. Folgt die IT-Branche?

Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Dieter Wiefelspütz sagt: "Wenn Washington die Marktmacht amerikanischer Unternehmen in der Internet-Branche missbraucht, dann müssen wir angemessene Alternativen schaffen." Und der CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl meint, die Regierung müsse "dreistellige Millionenbeträge" für IT-Sicherheit "Made in Germany" aufbringen.

Geht es nach solchen Äußerungen, ist jetzt wieder Zeit für Industriepolitik im großen Stil: Die Berichte über die Abhörprogramme des US-Geheimdienstes machen schmerzhaft deutlich, dass die vernetzte Gesellschaft kaum ohne chinesische Chips und amerikanische Software auskommt. Eine IT "Made in Germany" oder "Made in Europe" soll verhindern, dass ausländische Geheimdienste deutsche Staatsgeheimnisse und die Erfindungen des Mittelstandes ausspionieren. Doch es ist höchst fraglich, ob eine Förderung nach dem Prinzip Airbus hilft, das Internet weniger amerikanisch zu machen.