Offshore-Firmen auf der Überholspur

Die großen Outsourcing-Anbieter geraten unter Druck

25. August 2005
Von Ingo Butters
Die etablierten Player im IT-Outsourcing-Markt müssen sich warm anziehen. Einer Analyse der New Yorker Beratungsfirma Katzenbach zufolge hat die Offshore-Konkurrenz aus Indien beste Karten, die Traditionsfirmen in die Zange zu nehmen. Während die großen Konzerne aus den USA und Europa vor allem mit Sparen beschäftigt sind, werden die indischen Anbieter für ihr aggressives Wachstum vom Kapitalmarkt belohnt.

Für ihre Studie haben die Analysten den so genannten Relative Value of Growth (RVG) für die verschiedenen Outsourcing-Anbieter errechnet. Dieser Indikator gibt an, wie stark der Kapitalmarkt das Wachstum eines börsennotierten Unternehmens belohnt, also dessen Marktkapitalisierung steigt. Dem Modell zufolge können Firmen mit einem hohen RVG ihren Shareholder Value durch Wachstum überproportional steigern. Etablierte Unternehmen, die an ihre Wachstumsgrenzen gestoßen sind, müssen dagegen ihre Rendite um ein Vielfaches steigern, um die Marktkapitalisierung im gleichen Maß zu erhöhen.

Im RVG-Modell landen die etablierten Anbieter weit hinten.
Im RVG-Modell landen die etablierten Anbieter weit hinten.

Die indischen Anbieter erreichen in dieser Wertung beeindruckende Ergebnisse. Mit Abstand den höchsten RVG hat demnach mit 53.2 Infosys, gefolgt von Wipro mit 25.6 und Cognizant mit 16.9 Die etablierten Player folgen weit abgeschlagen auf den Plätzen. Für Capgemini und Accenture beispielsweise haben die Analysten einen RVG von 1.1 berechnet, für Bearing Point 0.9 Schlusslicht in diesem Ranking ist EDS mit einem RVG von 0.8.

Im Klartext heißt das: Die bisherigen Marktführer aus den USA und Europa müssen gewaltige Anstrengungen unternehmen, um nicht eines Tages von der Offshore-Konkurrenz geschluckt zu werden. Die indischen Anbieter, so Katzenbach-Analyst Roopa Unnikrishnan, locken die Anleger mit einer ganzen Palette an Vorzügen: Sie fahren höheren Margen ein, weil sie ihre Dienste zu niedrigeren Preisen erbringen. Sie haben sich profundes Branchen-Know-how angeeignet und können angesichts stetiger Kapitalzuflüsse in Innovationen und langfristig ausgerichtete Kundenbeziehungen investieren.

Skaleneffekte nicht stark wie erhofft

Laut Katzenbach-Analyse wird damit ein regelrechtes Perpetuum mobile in Gang gesetzt: Die Offshore-Anbieter wachsen, werden vom Kapitalmarkt belohnt, investieren das Geld und wachsen weiter – in der Folge fließen weitere Mittel zu. "Sie entwickeln sich zu echten Global Playern, wachsen über Indien hinaus und forcieren internationale StrategienStrategien, indem sie junge Talente aus Chine und Russland anwerben", so Unnikrishnan. Es sei wenig überraschend, dass sich ihr RVG in Sphären von boomenden Unternehmen wie GoogleGoogle oder dem Pharmakonzern J&J bewege. Alles zu Google auf CIO.de Alles zu Strategien auf CIO.de