Die wöchentliche CIO-Kolumne

Technischer Knock-out für Klitschko, Greencard und SCM

23. Juni 2003
Horst Ellermann ist Herausgeber des CIO-Magazins.
Der Boxer Witali Klitschko führte nach Punkten gegen seinen Gegner Lewis, die Greencard liberalisierte erfolgreich das deutsche Einwanderungsrecht, Supply Chain Management (SCM) eroberte das Denken der Unternehmenslenker. Alle drei haben am Wochenende herbe Schläge einstecken müssen. Nur zwei dürfen auf eine Rückrunde hoffen.

Wenn das Augenlid schräg über dem Auge hängt, kann das die Sicht behindern - muss aber nicht. Witali Klitschko jedenfalls sagt, dass ihn der blutende Schlitz unterhalb der Braue nicht daran gehindert hätte, weiter gegen Lennox Lewis zu boxen. Der Ringarzt sah das anders: Er erklärte Klitschko technisch für k.o. Ähnlich erging es am Wochenende der Greencard und SCM.

Die Bild am Sonntag zitierte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums, die beteuert, dass Greencard-Besitzer auch nicht stärker von der Arbeitslosigkeit betroffen seien als andere Menschen. Das stimmt, ähnelt jedoch auf tragische Weise der Situation Klitschkos. Wie die Ringrichter vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ausgezählt haben, sind im Raum München rund 100 der 1500 Greencard-Besitzer arbeitslos. Bundesweit soll die Arbeitslosenquote ebenso bei rund sieben Prozent liegen.

Den Betroffenen droht nun die Aufforderung zur Ausreise. Zwar hätten die Ausländerbehörden die Regeln in letzter Zeit liberaler ausgelegt, urteilt Franziska Schreyer vom IAB in einem Kurzbericht zur Lage der Greencard-Besitzer. Dennoch seien die aufenthaltsrechtlichen Entscheidungen immer noch uneinheitlich und restriktiv. Die ausländischen IT-Fachkräfte klagen über eine Willkür, wie sie sich sonst nur die Ringrichter der Boxverbände erlauben dürfen. Sie überlegen, abzuwandern und Kollegen von einer Einreise abzuraten. Die erste liberale Einwanderungsidee in Deutschland scheint unter den Schlägen der wirtschaftlichen Rezession in die Knie zu gehen. Immerhin dürfen Greencard-Besitzer ähnlich wie Klitschko auf eine Rückrunde hoffen.

Anders ist das mit SCM. Wie die Marktforscher von Gartner am Montagmorgen verkündet haben, ist der Umsatz mit Lizenzen im vergangenen Jahr um 21 Prozent zurückgegangen. 2001 lag er noch bei 2,7 Milliarden Dollar, 2002 waren es nur noch 2,1 Milliarden. Größter Verlierer ist der Hersteller i2, dessen Marktanteil von 14,8 Prozent auf 6,6 Prozent purzelte. Auch Ariba und Manugistics mussten Rückschläge einstecken. Sozusagen den Lennox macht Anbieter SAPSAP, dessen SCM-Lösung jetzt den Markt anführt - ohne größere kämpferische Leistung. Alles zu SAP auf CIO.de

Ob es beim SCM noch eine Rückrunde geben wird, ist ungewiss. Gut möglich, dass in diesem Kampf bald die ersten Anbieter aus dem Ring steigen. Ihnen bleibt der schwache Trost, dass sie dies wie Klitschko tun dürfen: Sie haben als moralische Sieger den Unternehmen gezeigt, welche Einsparpotenziale in der Lieferkette stecken.

Horst Ellermann
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