Plötzlich Chef

Tschüss Kollegen, Hallo Chefposten!

30.07.2014 (aktualisiert), von Lin Freitag

Sie sind in ihrem Team befördert worden? Herzlichen Glückwunsch! Doch jetzt beginnt der schwierige Teil: Was tun mit neidischen Ex-Kollegen? Duzen oder Siezen? Schmeckt das Feierabendbier künftig noch genauso gut?

Eine Beförderung im eigenen Team bringt Unsicherheiten mit sich. Neben den fachlichen Herausforderungen sieht sich der angehende Chef mit einer völlig neuen Situation konfrontiert: Kollegen oder sogar Freunde werden plötzlich zu Untergebenen und der Beförderte selbst wird zum Geheimnisträger der Geschäftsführung. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Denn wenn Sie sich an ein paar Regeln halten und bereit sind für berufliche wie auch private Veränderungen, hat die Beförderung im eigenen Team auch viele Vorteile.

Phase 1: Die Vorbereitung

Was muss ich beachten, bevor ich die neue Stelle antrete?

Gerade der erste Aufstieg in eine Führungsposition ist ein schwieriger Prozess und mit vielen Entbehrungen verbunden, denn Chef wird man nicht automatisch mit dem ersten Arbeitstag. Chef wird man im Kopf. Managementcoach und Berater Frank Stöckler sagt: "Führung muss man wollen, das ist der wichtigste Punkt."

Und dazu gehört die richtige Vorbereitung. Sie sollten sich vor dem ersten Arbeitstag zu überlegen: Was will ich überhaupt für ein Chef sein? Was ist mir wichtig? Was erwarte ich von meinen künftigen Mitarbeitern? Das Entwickeln eigener Positionen ist essentiell für die spätere Aufgabe. "Führung ist zu 80 Prozent Haltung und zu 20 Prozent Methodik", sagt Trainer Frank Stöckler.

Es folgt die erste schwierige Entscheidung: Sag ich es meinen Kollegen im Vorfeld oder lasse ich die Bombe an meinem ersten Arbeitstag in der neuen Position platzen? Beides hat seine Vor- und Nachteile und ist natürlich abhängig von Firmenpolitik und Arbeitsklima. Dagmar Kohlmann-Scheerer, Autorin des Buches "Gestern Kollege, heute Vorgesetzter", setzt auf den Überraschungseffekt, vor allem wenn man mit negativen Reaktionen rechnet: "So kann sich im Vorfeld kein Widerstand unter den Kollegen formieren."

Ist das Verhältnis zu den künftigen Ex-Kollegen gut, rät Managementcoach Frank Stöckler zu einem offenen Gespräch, und das am besten so schnell wie möglich. "Der künftige Chef sollte vor Amtsantritt ein erstes Feedback der Kollegen einholen." Negative Reaktionen wie Neid oder Unverständnis können so am besten aus dem Weg geräumt werden. Sollte die Geschäftsleitung im Vorfeld auf Verschwiegenheit bestehen, sollten Sie sich aber daran halten. "Loyalität sollte immer der nächsthöheren Führungsetage gelten", sagt Frank Stöckler.

Ebenfalls im Vorfeld sollten Sie sich Gedanken über das Team machen. Wer ist für welche Aufgabe geeignet? Wen kann ich noch besser fördern? Wo sollte ich Veränderungen vornehmen? Dabei aber nie vergessen: Auch Ihre neuen Vorgesetzten erwarten etwas von Ihnen. Deswegen ist es hilfreich vorher Feedback von der Geschäftsleitung einzuholen. "Fragen Sie ruhig: Warum bin ich es geworden?", rät Trainer Stöckler. So haben Sie später auch die passenden Argumente für missgünstige Kollegen parat.

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