E-Government-Wettbewerb

6 Leuchtturm-Projekte

19.09.2011 von Johannes Klostermeier
Beim 11. E-Government-Wettbewerb wurden herausragende IT-Projekte in Verwaltungen ausgezeichnet. Gewinner und ihre Projekte im Überblick.
Alle E-Government-Preisträger auf der Bühne im Hotel Mövenpick in Berlin.
Foto: Bearingpoint

E-Government ist für viele Verwaltungen längst nicht mehr nur Digitalisierung und Effizienzsteigerung. Das zeigte der 11. E-Government-Wettbewerb der Management- und Technologieberatung Bearingpoint und des Anbieters Cisco. Nutzerfreundlichkeit, Transparenz und die Zusammenarbeit mit Bürgern und Unternehmen sind ebenfalls wichtig. Im Rahmen des Wettbewerbs wurden sechs Leuchtturm-IT-Projekte und Institutionen auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene ausgezeichnet. Mit Alexander Schmid von Bearingpoint führte CIO.de vor kurzem ein Interview zum neuen Whitepaper zu Open Data und E-Government.

Unter allen Einreichungen wurden in fünf Kategorien folgende sechs Projekte prämiert:

„Der diesjährige Wettbewerb beweist, dass es in Deutschland nicht an hervorragenden Leuchtturmprojekten fehlt, es fehlt an einer Verbreitung der sehr guten Projekte in der Fläche", sagte Jon Abele, Partner und Leiter Öffentliche Auftraggeber bei Bearingpoint bei der Verleihung.

Die Gewinnerprojekte im Einzelnen

1.Bestes Modernisierungsprogramm Deutschlands: Hamburg Port Authority

Mit einer neuen Netzlösung verbessert die Hamburg Port Authority ihre Kommunikationsinfrastruktur. So wurden die Datennetze für IT-gestütztes Verkehrsmanagement, Kollaboration sowie Video- und Telekonferenzen zusammengelegt und neue Applikationen installiert. Staus und Zeiten des Stillstands werden für Privatpersonen und Spediteure reduziert. Pendler können sich online über das Verkehrsaufkommen informieren. Die Jury hat hier vor allem die ganzheitliche Planung sowie der Aspekt der Nachhaltigkeit überzeugt.

2. Größter Beitrag zur Verbesserung im EU-E-Government-Benchmarking: Landeshauptstadt Stuttgart

Die Landeshauptstadt Stuttgart wurde für ihr Modernisierungsprojekt zur Online-Bestellung von Personenstandsurkunden ausgezeichnet. Die Urkunden können ab sofort online angefordert und per E-Payment bezahlt werden – medienbruchfrei. Das Projekt zeichnet sich insbesondere durch seine Nutzerfreundlichkeit aus. Aufgrund der intuitiven und übersichtlichen Gestaltung können auch ungeübte Nutzer das Online-Formular anfordern und bearbeiten.

Ausgezeichnet: Meldeamt für Tiere

3. Wirtschaftlichste E-Government-Anwendung: Bayerisches Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten

Im Rahmen der Tierseuchenüberwachung können Behörden und Rinderhalter ab sofort Laborbefunde zum Bovinen Virusdiarrhoe-Virus (BVD Virus) online abrufen. Möglich macht es das neue Online-Informationssystem zur Herkunftssicherung und Dokumentation von Rinder-Untersuchungen vor einer Infektion mit dem Virus. Durch den vollständig elektronischen Prozess und den Wegfall von Versandkosten können jährlich rund 50 Millionen Euro eingespart werden. Durch kürzere Informationszeiten haben Behörden und Tierhalter größere Handlungsspielräume. Kranke Tiere können schneller identifiziert und gesunde Tiere besser geschützt werden.

4. Innovativstes E-Government-Projekt: Bundesagentur für Arbeit und Magistrat der Stadt Wien

Gleich zwei Institutionen erhielten in diesem Jahr die Auszeichnung „Innovativstes E-Government-Projekt": die Bundesagentur für Arbeit und der Magistrat der Stadt Wien. Mit dem Arbeitsmarktmonitor macht die Bundesagentur für Arbeit die Arbeitsmarktstatistik Social Media-fähig. Die Plattform erlaubt Jobcentern, Vermittlern, Verbänden oder Abgeordneten Zugriff auf Arbeitsmarktdaten, die gefiltert, bewertet und visualisiert werden können. Zusätzlich können sich Nutzer auf einer Kollaborationsplattform vernetzen und austauschen. Aufgrund der erweiterten Funktionen unterstützt der Arbeitsmarktmonitor lokale Entscheidungsträger bei Themen wie Fachkräftebedarf oder Migration.

Zudem wurde die Wiener Stadtregierung für ihren Open Government Data-Katalog ausgezeichnet. Im Sinne von Open Data stehen Bürgern, Unternehmen, Wissenschaft oder anderen Organisationen hier zahlreiche Verwaltungsdaten kostenlos zur Weiterverwendung zur Verfügung. Ergänzend zu den Roh-Daten bietet der Katalog inzwischen mobile Applikationen an. Das Projekt ist wegweisend für Verwaltungen in Deutschland und Österreich. Es macht die Verwaltung transparenter und bezieht Bürger und Wirtschaft in die Entscheidungsfindung ein. Vor allem die Verbindung von E-Government und Open Data hatte die Jury überzeugt.

Der Publikumspreis für Online-Fahrzeugzulassung

5. Sonderkategorie Publikumspreis 2011: Finanzbehörde Hamburg

Finanzbehörde Hamburg: Publikumspreis – es freuen sich (von links): Willi Kaczorowski (Cisco), Jon Abele (Bearingpoint), Andreas Kirstein (Projektleitung DOL Kfz-Wesen), Jens Lattmann (Staatsrat der Finanzen), Martin Schallbruch (IT-Direktor des Bundesministerium des Innern).
Foto: Bearingpoint

Per Online-Voting wählte die Mehrheit von über 13.000 teilnehmenden Bürgern das Projekt Deutschland-Online „Kfz-Wesen" zum Favoriten. Mit dem neu konzipierten Verfahren können Einzelpersonen und Gewerbetreibende Fahrzeugregistrierungsprozesse (An-, Ab- und Ummeldung) zukünftig online ausführen. Zugleich trägt das Verfahren zur Optimierung der internen Verwaltungsabläufe und Kostenstruktur bei. Es ist ein Projekt des IT-Planungsrates unter der Federführung der Freien und Hansestadt Hamburg.

Verwaltungstransformation fördern

Der Wettbewerb verfolgt das Ziel, die Verwaltungstransformation sowie den Einsatz innovativer Technologien in der öffentlichen Verwaltung zu fördern. Schirmherr des Wettbewerbs ist der Bundesminister des Innern. Zur Teilnahme waren Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgerufen. Über die Gewinner in den Kategorien entschied eine Jury mit Experten aus dem Bereich der Verwaltungsmodernisierung. Die Preisverleihung fand im Anschluss an den 16. Ministerialkongress am 9. September 2011 in Berlin statt.

Die Gewinner werden unter anderem zu den zweitägigen, von Experten begleiteten, E-Government-Innovationstagen eingeladen. Zudem erhalten sie eine Mitgliedschaft in der E-Government-Academy, in der sich alle Preisträger mehrmals jährlich zum Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch treffen.