Forrester, Gartner, IDC

Analysten-Prognosen für IT-Budgets 2017

19.12.2016 von Werner Kurzlechner
Weltweit werden sich die Ausgaben wohl wieder erholen, für Deutschland liegt die Prognose bei einem Plus von rund 2 Prozent. Die Digitalisierung schafft allerdings ein dauerhaftes Problem: Weil der IT-Betrieb weiter viel Geld bindet, bleibt immer weniger für Innovation übrig.
  • Gartner, Forrester Research, IDC, CEB und Capgemini legen unterschiedliche Prognosen vor
  • Wegen Trump: Dämpfer für IT-Ausgaben in den USA
  • Während Hardware ein Schrumpfbereich bleibt, treibt das Software-Segment die Budgets
  • Der Cloud-Trend drosselt den Zuwachs
  • Brexit sorgte 2016 weltweit für eine Reduzierung der Ausgaben
Mehr Geld für Updates, weniger für Innovationen: Diese Capgemini-Grafik zeigt, wie DACH-Unternehmen ihre IT-Budgets verwenden.
Foto: Capgemini

Durchschnaufen zum Jahreswechsel: Das Schockjahr 2016 mit seinen Höhepunkten Brexit und Trump geht zur Neige, die epochale Transformation namens Digitalisierung wird sich fortsetzen. Diese Dynamiken bleiben nicht folgenlos für die IT-Budgets 2017 und die diversen Prognosen über sie, die naturgemäß jetzt erscheinen. Liest man quer, was zum Beispiel Gartner, Forrester Research, IDC, CEB und Capgemini so alles für die IT-Ausgaben in Deutschland, Europa, den USA und weltweit vorhersagen, lässt sich ein gemeinsamer Nenner nur mit Mühe finden.

USA dynamischer als Rest der Welt

Weltweit ist nach einem schwierigen Jahr 2016 mit gleichbleibenden oder moderat steigenden IT-Budgets zur rechnen. In Deutschland sorgt vor allem der Software-Bereich für eine leicht positive Entwicklung. Diese fällt in den Vereinigten Staaten zwar um Längen dynamischer aus, wurde aber nach dem Wahlerfolg Donald Trumps von Forrester signifikant gesenkt. Insgesamt sind sich die Analysten aber noch unsicher, wie sich die beiden politischen Schocks in der angloamerikanischen Welt auf Sicht auswirken werden.

IT-Ausgaben in Deutschland

Für Deutschland respektive die DACH-Region liegen Prognosen von IDC und Capgemini vor. IDC geht davon aus, dass der IT-Gesamtmarkt in Deutschland gegenüber 2016 um 1,7 Prozent auf 70,5 Milliarden Euro wachsen wird. Im größten von drei Teilmärkten - den IT-Services - gibt es demnach nur ein unmerkliches Plus von 0,3 Prozent, das Ende 2017 für ein Volumen von 30,4 Milliarden sorgt.

Der Hardware-Markt schrumpft laut IDC im kommenden Jahr sogar um 0,7 Prozent auf 17,2 Milliarden. Vorangetrieben wird der deutsche IT-Markt alleine durch das Software-Segment, das um 5,4 Prozent auf 22,8 Milliarden zulegt.

Gartner schaut in die Glaskugel: So verteilen sich die westeuropäischen IT-Budgets nach Meinung der Analysten 2017.
Foto: Gartner

Aufwärtstrend in Westeuropa

Wer hierzu eine Kontrastfolie sucht, findet sie in einer Gartner-Prognose für die IT-Ausgaben in Westeuropa. Diese wachsen demnach um 1,6 Prozent auf 803 Milliarden US-Dollar. Gegenüber lediglich 0,2 Prozent Wachstum in 2016 macht Gartner zumindest einen erkennbaren Aufwärtstrend aus. Das prognostizierte Plus ist beinahe exakt so groß wie jenes, das IDC für Deutschland erwartet.

Die Gartner-Veränderungsraten für Westeuropa passen zum Teil gut zu jenen von IDC: 6,2 Prozent plus bei der Software, 1 Prozent bei den Rechenzentrumssystemen. Das Minus bei der Hardware fällt mit 2,5 Prozent stärker aus, was auch für das Plus von 4,1 Prozent bei den IT-Services gilt. Diesem steht jedoch ein Schrumpfen bei den Kommunikationsdienstleistungen von 1 Prozent gegenüber.

IT-Budget: Bis zu 11 Prozent Zuwachs in Deutschland

Capgemini hat für seine erst 2017 erscheinende IT-Trends-Studie 148 IT-Verantwortliche von Großunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Passagen zur Entwicklung der IT-Budgets haben die Berater aber schon vorab veröffentlicht. Demnach werden 44,4 Prozent der Befragten im kommenden Jahr ihre Ausgaben hochfahren, 11 Prozent sogar mit einem zweistelligen Zuwachs. Mussten 2016 noch 21,3 Prozent ihre IT-Budgets kürzen, werden es 2017 laut Prognose nur noch 16,1 Prozent sein.

IT-Betrieb verschlingt viel Geld

Eine positive Entwicklung also - aber dennoch ist nicht alles eitel Sonnenschein. Laut Capgemini verwenden die befragten Firmen aus der DACH-Region das Gros ihres IT-Budgets in 2017 zu 47,3 Prozent für Betrieb, Wartung und Pflege. Von 22,7 auf 24,4 Prozent steigt hingegen der Anteil von Updates, Aktualisierungen und Erweiterungen. Ein Anstieg, der offenkundig zu Lasten der Umsetzung von Innovationen geht. Hierfür stehen nur noch 13,5 Prozent der Ausgaben zur Verfügung, 2016 waren es noch 16,7 Prozent.

Offenkundig bemühen sich die Unternehmen um eine Reduzierung der Software-Release-Zyklen. Daneben gibt es aber einen strukturellen Effekt der Digitalisierung, die für eine höhere Zahl an Anwendungen und damit für steigende Komplexität verantwortlich ist. "Die steigende Zahl von Anwendungen ist kein Einmaleffekt, der Trend wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen", sagt Thomas Heimann, Principal Enterprise Architect & Experte IT-Trends bei Capgemini. "Deshalb müssen CIOs jetzt die Weichen für höhere Agilität bei gleichzeitiger Beherrschung der Kosten stellen." Anderenfalls könnten sie Innovationen kaum noch finanzieren.

Geld für Innovationen muss von Fachbereichen kommen

Von CIOs wird zwar verlangt, die Digitalisierung ihres Unternehmens auszubauen. "Ein großer Teil des IT-Budgets fließt aber in die Aufrechterhaltung des Tagesgeschäfts", sagt Uwe Dumslaff, Capgemini-CTO in Deutschland. "Der Rest reicht nicht aus, um die Neugestaltung des Geschäftsmodells durch IT-Innovation zu unterstützen, weshalb solche Ausgaben zunehmend von den Fachabteilungen übernommen werden."

Bestätigung findet diese Analyse von Capgemini durch das Analystenhaus CEB, das die Entwicklung der IT-Budgets global unter die Lupe nahm. Die Digitalisierung habe großen Einfluss auf die IT-Ausgaben, wenngleich mit teilweise gegensätzlichen Effekten. Wenn die IT mit der Implementierung digitaler Strategien beauftragt werde, steige das IT-Budget. Hingegen sinke es, wenn die digitale Transformation den Fachbereichen zugeordnet sei.

"Aber in beiden Situationen verändern die CIOs substanziell das Betriebs- und Personalmodell der IT, um die Digitalisierungsbemühungen ihres Unternehmens zu unterstützen - um immer gibt es Auswirkungen auf die Budgets", sagt Andrew Horne, IT Practice Leader bei CEB.

CIOs stellen Data Scientists ein

CIOs widmen laut CEB auch immer mehr Zeit auf für Aktivitäten, die mit der Digitalisierung in Zusammenhang stehen - zum Beispiel für Analytics oder Online-Plattformen. Für die CIO mit Verantwortlichkeiten auch außerhalb der IT gilt: 71 Prozent von ihnen verbringen mehr Arbeitsstunden mit Digitalisierung als mit traditionellen Business-Dienstleistungen. Zwei Fünftel der Firmen erwarten, dass es 2017 einen Chief Data Officer in ihrem Unternehmen gibt, und eine Mehrheit will im kommenden Jahr Data Scientists anstellen.

Wie die Capgemini-Erhebung betont auch CEB die Bedeutung des IT-Betriebs für die Budgets. Beim operativen Budget gibt es demnach im Durchschnitt 2017 einen Zuwachs um 1,4 Prozent. Die Investitionsausgaben werden demgegenüber weltweit stagnieren. Die CEB-Prognose führt das auf ein schnelles Wachstum beim Cloud Computing zurück. Ein Viertel der Firmen wird demnach 2017 mindestens ein Fünftel des IT-Budgets in der Wolke ausgeben - ein drastischer Anstieg binnen zweier Jahre, denn 2015 lag der Wert lediglich bei 6 Prozent. Anziehen werden laut CEB die Ausgaben für IT-Sicherheit, so dass sie 2017 4,5 statt bisher 3,9 Prozent des operativen Budgets ausmachen.

CEB rechnet mit weltweiter Stagnation der IT-Budgets

Alles im allem gehen laut CEB 51 Prozent der Unternehmen von steigenden Budgets, 38 Prozent von sinkenden Budgets aus. Die Kürzungen fallen aber oftmals einschneidend aus, so dass die Analysten weltweit von einer Stagnation der IT-Budgets ausgehen. Die CEB-Schätzung steht damit im Widerspruch zu Gartner, die von einem deutlichen Schub ausgehen. Laut Gartner steigen die weltweiten IT-Ausgaben im kommenden Jahr gegenüber 2016 um 2,9 Prozent auf rund 3,5 Billionen US-Dollar. Treiber sind hier die Software mit einem Plus von 7,2 Prozent und die IT-Services mit einem Zuwachs von 4,8 Prozent.

Trump-Schock: Die Übersicht zeigt, wie sich die Forrester-Prognosen für den US-Markt in diesem Jahr entwickelt haben.
Foto: Forrester Research

2016 sind nach Gartner-Analyse die globalen IT-Ausgaben sogar um 0,3 Prozent geschrumpft. Verantwortlich dafür sei insbesondere der Brexit. Die Entscheidung der britischen Staatsbürger, ihr Land aus der Europäischen Union herauszulösen, habe die bis dato moderaten Wachstumsprognosen für 2016 ins Negative verkehrt, sagt John-David Lovelock, Research Vice President von Gartner. Wäre die Entscheidung anders ausgefallen, hätte man für 2016 mit einem leichten Plus von 0,2 Prozent rechnen können.

Voller Trump-Effekt erst 2018

Während Gartner vor der Entscheidung im US-Präsidentschaftswahlkampf keine nennenswerten Folgen für die weltweiten IT-Ausgaben erwartete, hat Forrester zumindest für den US-Markt nach dem Wahlsieg Donald Trumps seine Prognose nach unten korrigiert. Demnach geben US-Unternehmen und Staat 2017 um 4,3 Prozent mehr aus als 2016. Vor der Wahl war Forrester noch von einem Plus von 5,1 Prozent ausgegangen.

"Unsicherheiten rund um die Politik des designierten Präsidenten Donald Trump werden zu einem Plus der Technologie-Ausgaben in den USA um 4,3 Prozent führen, weil Unternehmen mit Investitionen vorsichtig sein werden, bis sich eine klare Handels- und Finanzpolitik abzeichnen", prognostiziert Forrester-Analyst Andrew Bartels. "Die vollständigen Auswirkungen von Trumps Politik werden vermutlich 2018 zu spüren sein."

Wachstum erwartet Forrester 2017 vor allem bei Data & Analytics, Mobile IT und Cloud Computing. Wie CEB geht Forrester davon aus, dass die zunehmende Verlagerung von IT-Aktivitäten in die Wolke einen dämpfenden Effekt auf die IT-Ausgaben hat, weil Lizenz- und Wartungsausgaben kannibalisiert werden.