CIO des Jahres 2020

Die CIO-Community lebt – auch remote

27.11.2020 von Alexandra Mesmer
Eine virtuelle Sternstunde erlebten 300 IT-Managerinnen und Manager, als sie die digitale Gala zum CIO des Jahres verteilt an ihren Bildschirmen verfolgten. Die Preise sind vergeben.
Das gut aufgelegte Moderatorenquartett: Heinrich Vaske, Katrin Müller-Hohenstein, Karen Funk und Horst Ellermann (von links).

Toll. So lebendig, so kurzweilig. Ganz großes Kino. Die CIO-Community lebt! Statt Applaus trudelten gegen Ende der diesjährigen Verleihung des CIO des Jahres die begeisterten Chat-Kommentare im Sekundentakt ein. In der Tat erlebte die IT-Community vier dieser Sternstunden, prall gefüllt mit Emotionen und menschlicher Nähe, von denen man dachte, dass sie in Zeiten sozialer Distanz und im virtuellen Raum gar nicht möglich sind. Doch an diesem Donnerstag Abend gelang es: Über 300 IT-Managerinnen und IT-Manager saßen verteilt in ihren Home Offices oder in den Büros, wahlweise mit Cola, Pils, Sekt oder Gin neben dem Bildschirm und haben gespannt gewartet, wer sich in den verschiedenen Wettbewerbskategorien durchsetzen wird.

Gewinnerinnen und Gewinner sind sie aber alle, betonten eingangs Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein und IDG-Projektleiterin und Redakteurin Karen Funk, die den Wettbewerb seit 13 Jahren organisiert. Ohne die IT hätten Abermillionen Menschen während der Corona-Pandemie nicht von zuhause aus arbeiten können. Begeisterte CIOs erzählten Karen Funk im Verlauf des Wettbewerbs über begeisterte Mitarbeiter, die sich bei ihnen bedankten. Die IT, früher oft nur als Beschwerdestelle wahrgenommen, ist auf Augenhöhe angekommen und hat zu einer neuen Leichtigkeit gefunden, die auch während der digitalen Gala immer wieder aufblitzte.

Das heißeste Logistikunternehmen der Welt

Den Innovation Award gab es für Christian Rasche, CIO von Coca-Cola European Partners. Chapeau!

Als Christian Rasche, CIO von Coca-Cola European Partner, den Innovation Award gewann, gab er einen Einblick in seinen Karrierestart als Koch im Hamburger Nobelhotel Atlantik. Die Küche sei das "heißeste und tougheste Logistikunternehmen der Welt", aus heutiger Sicht betrachtet hätte er sich keine bessere Vorbereitung auf seinen Traumjob CIO im Getränkehandel vorstellen können. Um dessen Wertschöpfungskette zu digitalisieren, gründete Rasche mit anderen Getränkeproduzenten ein Startup und baute Plattformen, über die bereits Umsätze von mehr als eine Milliarde Euro abgewickelt werden. (Mehr über Christian Rasche)

Webasto-CIO Mannmeusel: Von der Kreisklasse in die Champions League

Thomas Mannmeusel von Webasto ist unser CIO des Jahres in der Kategorie Großunternehmen. Gratulation!

Und der CIO des Jahres in der Kategorie Großunternehmen, also Firmen, die einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro erwirtschaften? Thomas Mannmeusel schnaufte tief durch, schaute ungläubig-verdutzt, bevor er seine Arme in die Höhe streckte und schließlich über das ganze Gesicht strahlte. "Ich bin ungeheuer stolz, wir haben alle an einem Stang gezogen, wir haben Silos aufgebrochen, wir haben uns in der Krise nicht zurückgezogen, sondern gemeinsam nach Lösungen gesucht" beschrieb Mannmeusel seine weltweite Einführung einer virtuellen Prozessorganisation beim Autozulieferer Webasto.

Mit Katrin Müller-Hohenstein fand der CIO eine Gemeinsamkeit, war er doch in einem früheren Leben als Fussballreporter unterwegs. Mit dem TV Strullendorf konnte die Moderatorin des ZDF-Sportstudios allerdings nichts anfangen. "Über die Kreisklasse bin ich halt nie hinausgekommen", räumte Mannmeusel ein. In der IT-Community spielt er als CIO des Jahres 2020 nun in der Champions League. (Mehr über Thomas Mannmeusel)

Markus Sontheimer: Die Lieferkette von DB Schenker läuft

Markus Sontheimer von DB Schenker ist unser CIO des Jahres in der Kategorie Transformation of Work. Herzlichen Glückwunsch!

Warum ausgerechnet die IT unsere ganze Arbeitswelt neugestalten kann, zeigte der Gewinner des Transformation-of-Work-Awards. Eine stabile und sichere Infrastruktur für Arbeiten aus dem Home Office bereitzustellen ist nur der erste Schritt, sagte Laudator Heinrich Vaske, als Editorial Director für die COMPUTERWOCHE und das CIO-Magazin verantwortlich: "Der zweite Schritt ist es, die agile Organisation von der IT im Unternehmen zu verbreiten und Vorreiter für einen kulturellen Wandel zu sein. Statt Kontrolle brauchen wir eine Kultur des Vertrauens."

Ein solcher Vorreiter ist Markus Sontheimer, der als CIO des Logistikkonzerns DB Schenker binnen zweieinhalb Jahren für die über 60.000 Mitarbeiter den Global Workplace ausrollte und damit für den abrupten Umzug in die Home Offices im Frühjahr bestens vorbereitet war. "Die Lieferkette läuft, die Masken können transportiert werden," Markus Sontheimer ist froh und erleichtert, die IT in einer so konservativen Branche rechtzeitig in Stellung gebracht und bewiesen zu haben, wie gut man auch remote zusammenarbeiten kann. (Mehr über Markus Sontheimer)

Charité-CIO Martin Peuker: Projekterfolg trotz Pandemie

Martin Peuker von der Charité ist unser CIO des Jahres in der Kategorie Public Sector. Wir gratulieren ganz herzlich!

Ein noch härteres Jahr hat CIO Martin Peuker hinter sich. Sein Arbeitgeber ist die Berliner Charité, seit der Pandemie das Krankenhaus, auf das ganz Deutschland schaut. Aktuell werden auf dessen Intensivstationen 100 schwerkranke Corona-Patient gepflegt - ein Kraftakt für die medizinische und pflegerische Mannschaft. Peuker wurde für seine Health Data Platform, die Daten der Patienten mit denen der Grundlagenforschung verknüpft, als CIO des Jahres im Public Sector ausgezeichnet.

Professor Heyo Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, gratulierte seinem IT-Chef per Videoeinspieler: "Wir sind alle so stolz auf Martin Peuker und sein Team, die über eine lange Zeit eine außergewöhnliche Leistung erbracht haben. Das Projekt zeigt auch, dass ein Einzelner nur sehr gut sein kann, wenn er ein ebenso gutes Team hinter sich hat." Und CIO Peuker ist von so viel Lob und dem Preis "geflasht", bedankt sich seinerseits für die "maximale Unterstützung" durch den Vorstandschef und bei seinem Team. (Mehr über Martin Peuker)

IT für Energiedienstleister ist wie ein Marathon

Ralf Werner von Open Grid Europe ist unser CIO des Jahres in der Kategorie Mittelstand. Unseren herzlichen Glückwunsch!

Einfach ist auch das Arbeitsumfeld von Ralf Werner nicht. Der CIO des Energiedienstleisters Open Grid Europe (OGE) arbeitet in einer risikoaversen Branche. Mit Minumum Viable Products (MVPs) haben er und sein Team versucht, Technologie für Fachbereiche greifbar zu machen, um schließlich "die ganze Firma für die Digitalisierung zu gewinnen. Das ist wie ein Marathon, und wir stecken noch mittendrin."

Ralf Werner hatte seiner Frau gerade per Whatsapp geschrieben, dass es wohl nichts wird mit einem Preis, als Müller-Hohenstein das goldene Kuvert öffnete und seinen Namen vorlas. CIO das Jahres in der Kategorie Mittelstand, darauf genehmigte sich Ralf Werner erst einmal ein Pils. Vorjahressiegerin Anke Sax lobte Werner für sein Vorgehen des Think Big und Start Small, es habe sie beeindruckt, wie er zarte Pflänzchen zu schützen weiß. (Mehr über Ralf Werner).

Marabu-CIO Würtemberger: Klare Kante gegen Cyberkriminelle

Der CIO von Marabu, Stefan Würtemberger, gewann den Cybersecurity Award. Großartig!

Durchhaltevermögen und Standfestigkeit in schwierigen Zeiten verbindet und zeichnet die diesjährigen Preisträger aus. Stefan Würtemberger ist dafür ein weiteres beeindruckendes Beispiel: Er war gerade zwei Monate CIO beim Druckfarbenherstellers Marabu, als ein Trojaner binnen sechs Stunden alle Systeme verschlüsselte. "Ich brauchte ein paar Stunden, um zu merken, wie ernst es ist, dann fiel ich in eine Schockstarre, schließlich fing ich zu telefonieren und agieren an. Aber Lösegeld zu bezahlen war für uns keine Option", erinnert sich Würtemberger, der für die Abwehr der Ransomware-Attacke den Cybersecurity-Award verliehen bekam. (Mehr über Stefan Würtemberger)

Nach dem CIO des Jahres ist vor dem CIO des Jahres

Der 18. Jahrgang des CIO des Jahres hat die Bewährungsprobe im Corona-Jahr mit Bravour gemeistert, und zwar in vielfacher Hinsicht: Sei es durch den Mut der zahllosen CIOs, die sich mit ihren Projekten beworben und dem Benchmark gestellt haben. Sei es durch ihre zahlreiche Teilhabe an der digitalen Gala. Sei es durch das Teilen ihrer Freude über die Auszeichnungen.

Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitales, hielt die Keynote auf der Veranstaltung. Sie gratulierte den Preisträgern zu ihren herausragenden Leistungen in diesem fordernden Jahr. Zudem machte sie sich erneut für mehr Frauen in der IT und im Wettbewerb "CIO des Jahres" stark.
Foto: IDG

Wir hoffen auf zahlreiche Nachahmer für den nächsten Jahrgang, denn: "Der CIO des Jahres ist eine echte Wertschätzung und hilft uns für die Sichtbarkeit in den Unternehmen. Ich bin so dankbar, dass Karen Funk hartnäckig blieb, bis sie mich überzeugte mitzumachen." Das sagte Michaela Philipzen, CTO des Ullstein Verlags und einzige Frau im Wettbewerb, als sie mit dem dritten Platz in der Kategorie Mittelstand ausgezeichnet wurde. In Sachen Wettbewerbsbeteiligung weiblicher IT-Führungskräfte ist 2021 noch viel Luft nach oben.

Nach dem CIO des Jahres ist vor dem CIO des Jahres

Auch im kommenden Jahr suchen COMPUTERWOCHE und CIO-Magazin wieder herausragende IT-Manager*innen. Im Frühjahr 2021 starten wir mit dem Wettbewerbsaufruf. Wer sich für eine Teilnahme interessiert oder sich zum Wettbewerb austauschen möchte, kann sich gerne bei Karen Funk, Senior Editor und Wettbewerbsleiterin, melden: kfunk@idg.de.