Gartner-Prognosen

Die CIO-Prioritäten und Budgets 2011

01.02.2011 von Werner Kurzlechner
Bei den IT-Etats sind keine großen Sprünge drin - hierzulande schon gar nicht. Immerhin verschaffen Technologien wie Cloud Computing der IT ungeahnte Freiheiten.

Im weltweiten Durchschnitt erhöhen die Unternehmen ihre IT-Budgets zwar moderat, aber nachhaltig. Allerdings trifft dieser Trend laut einer neuen Studie von Gartner nicht unbedingt auf Westeuropa zu. Die deutschen CIOs erwarten für das laufende Jahr demnach Kürzungen von 2,7 Prozent im Mittel. Ihre französischen Kollegen gehen von einer sanften Erhöhung ihrer Budgets um 0,2 Prozent aus, während die britischen IT-Chefs mit einem Einbruch um satte 6,9 Prozent rechnen.

Die Wolke schwebt über allem: Die technologischen Prioritäten der vergangenen Jahre.
Foto: Gartner

Diese Unterschiede führen die Marktforscher auf verschiedene makroökonomische und politische Gemengelagen zurück. Dennoch erkennen die Analysten global eine klare Richtung, in die es 2011 und darüber hinaus für die CIOs geht: Das Augenmerk auf Kostenkontrolle und operative Effizienz bleibe demnach erhalten, zugleich müsste die IT wieder als Wachstumsfaktor und Wettbewerbsvorteil gegenüber den Konkurrenten betrachtet werden, so Gartner.

In diesem Jahr fallen die Erwartungen insgesamt noch eher mau aus. Weltweit erwarten die CIOs demnach Budgetzuwächse von durchschnittlich 1 Prozent. So viel Geld wie 2008, also vor Beginn der Wirtschaftskrise, haben die IT-Chefs noch längst nicht zur Verfügung. Nach Einschätzung Gartners wird dieses Level wohl erst 2014 wieder erreicht werden. Positiv fällt indes auf, dass dreimal mehr CIOs Erhöhungen ihres Budgets erwarten als Kürzungen. Vor drei Jahren lag die Wachstumsrate noch bei 3,3 Prozent. 2009 folgte ein Einbruch um 8,1 Prozent, im vergangenen Jahr folgte ein verschwindendes Minus von 0,1 Prozent.

„CIOs und IT befinden sich im Sandwich zwischen moderatem Budgetwachstum und steigenden Legacy-Anforderungen“, kommentiert Mark McDonald, Head of Research des für die Studie verantwortlichen Gartner Executive Programs. „Neue leichtgewichtige Technologien – Cloud Computing, Software-as-a-Service (SaaS) und soziale Netzwerke – und IT-Modelle ermöglichen es dem CIO, IT neu zu definieren.“ Der Fokus werde stärker auf Wachstum und strategischer Bedeutung liegen.

Können CIOs erwirtschaftete Einsparungen tatsächlich in der IT-Abteilung behalten?
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Die genannten Technologien eröffnen dabei tatsächlich bemerkenswerte Spielräume, durch die CIOs ohne schnelle und signifikante Budgeterhöhungen stärker als bisher gestalten können. Gartner geht davon aus, dass die IT künftig eigene Einsparungen behalten kann und nicht ans Gesamtunternehmen zurückgeben muss. Dank Cloud Computing, Virtualisierung und anderen Neuerungen bleibt so ein größerer Batzen als bisher für strategische IT-Maßnahmen übrig.

Zwei Drittel des Budgets für den IT-Betrieb

Gartner veranschlagt derzeit durchschnittlich zwei Drittel des IT-Budgets für den alltäglichen IT-Betrieb. Durch die Einführung internetbasierter Technologien lässt sich nach Einschätzung der Analysten dieser Anteil drastisch drücken. 35 bis 50 Prozent der Ressourcen werden demnach frei für Innovation und Wachstum. „Für die kommenden fünf Jahre erwarten die CIOs einen dramatischen Wandel der IT, indem sie neue Technologien aufnehmen und ihren Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen erhöhen“, sagt McDonald.

Kurzfristiger angelegt ist Gartner Frage nach den Top-Prioritäten der CIOs für 2011. Im Bereich Business nannten die IT-Chefs an erster Stelle Wachstum für ihr Unternehmen, gefolgt von der Gewinnung neuer Kunden und Kostenreduzierung. Auf Platz Vier folgt Innovation vor Prozessoptimierung (davor drei Jahre am Stück Nummer Eins) und der Implementierung und Aktualisierung von Business-Applikationen. Effizienz sowie Business Continuity, Risk and Security landeten lediglich auf den Rängen Acht und Zehn.

In Deutschland erreichte Wachstum hingegen lediglich den vierten Platz. Die Zeichen stehen hierzulande eher auf der Innovation und Entwicklung neuer Produkte (von den CIOs am häufigsten genannt) und auf der Erschließung neuer Märkte (Platz Drei).

Cloud Computing hat höchste Priorität

In Sachen Technologie genießt Cloud Computing höchste Priorität (2009: 16, 2010: 2). Gartner rechnet deshalb damit, dass die CIOs weit schneller als bisher angenommen auf Cloud Computing umsatteln. Derzeit läuft nur in drei Prozent der Unternehmen die Mehrzahl der IT-Anwendungen in der Wolke oder über SaaS. In vier Jahren werden es nach Gartner-Prognose 43 Prozent sein.

Im Prioritäten-Ranking für 2011 folgen Virtualisierung, Mobilität (2009: 12, 2010: 6), IT-Management und Business Intelligence (2008 und 2009 noch Nummer Eins). Auf die Plätze Sechs bis Neun kamen Kommunikationsnetzwerke, Enterprise-Applications, Collaboration und Infrastruktur. Dahinter erst folgt Web 2.0 – im Vorjahr noch die Nummer Drei.

Social Media auf Platz 6

Allerdings priorisieren laut Gartner-Analyst Dave Aron CIOs aus Europa, dem Mittleren Osten und Asien (EMEA) Social Media deutlich höher als der globale Durchschnitt. Die sozialen Netzwerke sind seien für europäische IT-Chefs durchaus eine Waffe im Kampf um Wachstum und Positionierung gegenüber der Konkurrenz, so Aron. CIOs aus der EMEA-Region gewichten überdies Effizienz und Konsolidierung stärker als der Rest. Im Ranking der deutschen CIOs etwa liegt Social Media auf Platz Sechs.

Eine Vorreiter-Rolle nehmen laut Gartner chinesische Firmen ein. Unternehmen aus dem Reich der Mitte bewegten sich beispielsweise direkter als andere hin zu Mobilitäts- und Services-Type-Modellen. Das eröffne günstige Perspektiven für Technologiefirmen auf dem chinesischen Markt, weil dort jede Menge neue Kunden zu gewinnen seien.

Gartner befragte für die Studie „Reimagining IT: The 2011 CIO Agenda“ weltweit über 2000 CIOs aus 50 Ländern und 38 Branchen.