Das Web 2.0 greift tief in die Unternehmen ein

Euphorie oder Seifenblase?

26.10.2006
Podcasts, Mashups, Wiki, Blogs und RSS: Wer sich heute ins Internet begibt, findet eine ganz andere Welt vor als noch vor wenigen Jahren. Der Handel kriegt dies in aller Deutlichkeit mit: Das Kaufhaus um die Ecke muss gegen weltweite Online-Shops antreten, und Ebay ersetzt den Gang zum Flohmarkt.

Die neue, vernetzte Welt lebt von personalisierten und lokalisierten Informationen über verknüpfte Themen-Communities. Durch die digitalen Marktplätze erhalten große wie kleine Anbieter aller Branchen spezifische Absatzmärkte, neben denen die traditionellen Marktplätzen auch langfristig weiterbestehen. Die Retail-Unternehmen stehen vor der Wahl, die neuen Möglichkeiten aggressiv zu nutzen oder im Wettbewerb in erhebliche Schwierigkeiten zu geraten.

Rein hierarchische IT- und Geschäftsmodelle laufen immer mehr Gefahr, Innovationen zu langsam hervorzubringen, um im Wettbewerb zu bestehen. Unternehmensportale hingegen integrieren den Zugriff auf Informationen und Anwendungen und bieten dem Anwender einen strukturierten Zugriff. Unter einer einheitlichen Benutzer-Oberfläche lassen sich verschiedene geschäftsbezogene Prozesse und Anwendungen zusammenführen. Weltweit, so eine Studie von IDC, wurden 2005 rund 856 Millionen Dollar für Unternehmens-Portal-Software investiert, davon 295 Millionen Dollar in der EMEA-Region. Unter den Anbietern teilen sich fünf Anbieter rund 70 Prozent des Marktes, angeführt von IBM und gefolgt von BEA, Oracle, SAP und Microsoft.

Sämtliche Investitionen erweisen sich nur dann als sinnvoll, wenn ein Unternehmen die Infrastruktur auch mit Leben füllt. Blogs zu aktuellen Projekten, Podcasts von Analysten, Think Places als Fortsetzung des betrieblichen Vorschlagswesens oder auch so genannte Jams mit möglichst vielen Lieferanten oder Kunden prägen in einzelnen Unternehmen bereits die Betriebskultur des Social Networking. Das Web 2.0 dient somit als kritischer Erfolgsfaktor bei der Bereitschaft eines Unternehmens zum ständigen Lernen und Wandel.

Alexander Iwanow, Analyst und IT-Consultant (alexiwanow@t-online.de)