SAP-CIO Oliver Bussmann

Fast papierlos unterwegs

28.04.2011 von Thomas Pelkmann
Seit Ende März ist das neue iPad 2 auch in Deutschland zu kaufen. SAP zählt zu den Protagonisten eines Unternehmenseinsatzes von Tablet-PCs. Wir haben den SAP-CIO Oliver Bussmann nach seinen Plänen für das iPad 2 befragt.
Oliver Bussmann, CIO bei SAP: "Wir haben uns der Vielfalt verschrieben und entwickeln nicht nur für iOS, sondern auch für Android und RIM."
Foto: SAP AG

CIO.de: Herr Bussmann, wie finden Sie das iPad 2?

Oliver Bussmann: Die neuen Funktionen wie Front- und Back-Kamera verbessern den Einsatz im Unternehmen zunächst nicht, dafür aber der neue, schnellere Dual-Core-Prozessor A5.

Müssen Sie Ihre alten iPads jetzt gegen das iPad 2 austauschen?

Nein, das ist nicht nötig. Bei SAP haben wir aktuell rund 3500 iPads im Einsatz. Die erste Generation ist für unseren Business-Einsatz bestens gerüstet. Wir entwickeln Apps, die Sie auch im Appstore von Apple finden, zum Beispiel den SAP BusinessObjects Explorer für Mobile Dashboards.

Welche Tablet-PCs stehen noch auf Ihrer Einkaufsliste?

Natürlich nenne ich hier das Playbook von RIM sowie die Android-Tablet-Geräte. Dieses Jahr werden circa 75 Tablets auf den Markt kommen. Da muss ich mit meinem Team die Spreu vom Weizen trennen.

Wird es auf Dauer im Tablet-Gebrauch bei heterogenen Landschaften bleiben?

Das wird es. Wir haben uns bei SAP der Vielfalt verschrieben. Wir entwickeln nicht nur für iOS, sondern auch für Android und RIM.

Oder werden Sie dem Playbook den Vorzug geben, weil es schon in Ihre Smartphone-Landschaft passt?

Die Enterprise-Anbindung von RIM-Geräten ist mit Sicherheit ein großer Vorteil, spielt aber nicht unbedingt die entscheidende Rolle. Dennoch: Das Playbook von RIM unterstützt Anwendungen, die auf Adobe Flash laufen. Apple hat sich bei seinen mobile Geräten wie iPhone, iPod Touch und iPad gegen die Unterstützung dieses Standards entschieden. Wir sehen aber, dass Flash auch in der Geschäftswelt eine wichtige Plattform ist, die es zu unterstützen gilt. Unser BI-Dashboard XCelsius beispielsweise basiert auf Flash und läuft auf dem Playbook sehr gut.

Wie managen Sie die heterogenen Landschaften?

Mit der Akquise von Sybase voriges Jahr sind wir hier einen großen Schritt weitergekommen. Sybase bietet unter anderem die Lösung Afaria an, die wir auch bei SAP selbst einsetzen. Das Programm beherrscht das Life-Cycle-Management von verschiedenen mobilen Endgeräten wie Apple, Android und Windows. Die IT-Abteilung kann sich darauf verlassen, dass sensible Unternehmensdaten auch außerhalb des Büros sicher sind.

"Bring your own devices" ist ein heiß diskutiertes Thema in den Unternehmen: Wie stehen Sie zu diesem neuen Leitsatz?

Auch unsere Mitarbeiter nutzen privat Smartphones und wollen damit im Unternehmen arbeiten, weil sie das Gerät kennen und nicht unbedingt mit einem Privat- und einem Firmen-Smartphone hantieren möchten. Also muss ich als CIO einen Weg finden, wie ich dieses Dilemma löse.

Lassen Sie Firmendaten auf dem iPad zu? Oder bleiben alle Daten auf dem Server?

Da die iPads im Einklang mit unseren Firmenrichtlinien eingerichtet und demnach abgesichert sind, können Mitarbeiter auch dort Daten vorhalten, in Form von Dokumenten zum Beispiel. Bis auf E-Mails werden derzeit alle Daten auf dem Server gehalten, etwa Reports, die mit einem Frontend wie dem SAP BusinessObjects Explorer abgerufen werden.

"Das iPad schon fast als Notebook-Ersatz"

Was machen Ihre Mitarbeiter eigentlich sonst so mit ihren Tablet-PCs?

Hauptsächlich haben wir die iPads bei drei Gruppen im Einsatz: in der Entwicklung, bei Vertrieb und Service und im Management. Die Entwicklung benötigt die Geräte, um eben dafür Apps zu entwickeln. Der Vertrieb zeigt dann Prototypen der Apps bei Kunden und nutzt das Mobile CRM von Sybase. Das Management schließlich verwendet das iPad schon fast als Notebook-Ersatz. Ich selbst bin mittlerweile mehr oder weniger völlig papierlos unterwegs. Da ich ebenfalls auf einigen Social-Media-Plattformen wie Twitter agiere, hilft mir das iPad, überall dabei zu sein, Erfahrungen in der Community auszutauschen und auch andere an meinen Erfahrungen teilhaben zu lassen.

SAP hat vor Kurzem seine neue Business-Objects-Suite vorgestellt. Was bietet die Suite in puncto mobiles BI?

Über mobile Plattformen und Endgeräte hinweg können Anwender in Echtzeit auf BI zugreifen und somit auf Ereignisse reagieren, sobald sie auftreten. Neue, interaktive Ansichtsmodelle sorgen dafür, dass der Nutzer die Software leicht bedienen kann - unabhängig davon, wo er sich befindet oder wo er arbeitet. Die 4.0-Versionen bauen auf der Übernahme von Sybase durch SAP auf: Sie nutzen die Sybase Unwired Platform als Basis für eine umfassende mobile BI-Suite, die Daten aus SAP- und Nicht-SAP-Geschäftsanwendungen verarbeiten kann.

Apps für den Bereich HR und SRM auf der Agenda

In der Computerwoche hieß es, dass SAP sämtlichen Mitarbeitern in Unternehmen Kleinstapplikationen anbieten möchte. Wie viele Leute bei SAP entwickeln derzeit mobile Apps?

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zur Zahl der Mitarbeiter, die mobile Apps entwickeln, keine Auskunft geben. Was die Pipeline angeht, so haben wir unter anderem Apps für den Bereich HR oder auch SRM (Supplier Relationship Management, Anm. d. Red.) auf der Agenda. Mehr verrate ich aber noch nicht. Da werden wir auf der Sapphire im Mai mehr verkünden.