Business und Technologie

IT-Berater müssen zwei Sprachen sprechen

19.07.2013 von Ina Hönicke
IT-Berater fragen sich oft, ob sie eher IT-zentriert arbeiten oder sich mit einem strategischen Fokus breiter aufstellen sollen. A.T. Kearney sucht beides.

Der Ausbildung nach sollten IT-Berater Informatiker, Wirtschaftsinformatiker oder Ingenieur sein, die meisten von ihnen kommen mit einer klaren technischen Vorgabe ins Unternehmen", erklärt Marktanalyst Thomas Lünendonk. Strategische Vorgaben gehören seiner Meinung nach nicht unbedingt dazu.

Letzteres sieht Michael Römer, Partner bei der A.T. Kearney GmbH in München und verantwortlich für das Thema digitale Transformation in Europa, differenzierter. Die Mitarbeiter, die sein Unternehmen einstellt, sind technikaffin, sollten aber auch strategisches und interdisziplinäres Denken mitbringen. "Wir suchen Hochschulabsolventen und Profis, die Erfahrungen in der Konzeption und Umsetzung IT-strategischer Fragen mitbringen", formuliert der Münchner Manager sein Wunschprofil.

Spezialisierung erwünscht

Michael Römer, A.T. Kearney: "Mit Industrie-Hopping läßt sich kein Kundennetz aufbauen."
Foto: Privat

"Der IT-Berater soll beide Sprachen sprechen - Business und Technologie", erklärt der A.T. Kearney-Manager weiter. Sein Unternehmen legt zudem großen Wert darauf, dass gerade in den ersten Jahren die neuen Kollegen in verschiedenen Industrien an unterschiedlichen Problemfeldern arbeiten. Wenn die jungen Leute mehrere Jahre bei der Beratungsfirma tätig sind und Manager werden, sollten sie sich laut Römer aber nach und nach auf ein bis zwei Industrien spezialisieren: "Mit Industrie-Hopping lässt sich kein Kundennetz aufbauen."

Unterwegs mit IT-Experten
Was macht ein Softwareentwickler den ganzen Tag? Wie schaut der Alltag von IT-Beratern, IT-Architekten, Projekt-, Support- und technischen Leitern sowie CIOs aus? Wir haben acht IT-Profis einen Tag begleitet und hinter die Kulissen geblickt.
Clemens Blamauer..
arbeitet als IT-Berater bei Accenture.
Blamauer (Mitte) muss...
reden, zuhören und erklären. Er spricht den ganzen Tag mehr Englisch als Deutsch, obwohl er als Österreicher in einer deutschen Großstadt arbeitet.
Günther Reisner...
arbeitet als Softwareentwickler beim Münchner Systemhaus Pentasys. Begleiten Sie ihn durch seinen Tag.
Entwickler Reisner...
...muss komplexe Strukturen begreifen, durchdenken, verändern oder neu entwerfen, aber manchmal auch zwei Tage nach einem Fehler fahnden.
Claudia Payer
....war einmal Netzwerkadministratorin und hat die IT von der Pike auf gelernt. Heute arbeitet sie als IT-Projektleiterin bei der Commerzfinanz GmbH.
Der Tag von IT-Projektleiterin Payer...
....besteht aus Reden, Verhandeln und Präsentieren.
Steffen Schäfer...
...arbeitet als Softwarearchitekt und verantwortet bei IBM Deutschland die strategische Geschäftsentwicklung für Mobilität und Umwelt im Bereich "Smarter Cities".
Andreas König....
....braucht seinen Schrank voller dunkelblauer Nadelstreifenanzüge nicht mehr, seit er CIO von ProSiebenSat1 ist.
Zwischen Tonstudio und Rechenzentrum...
...verbringt CIO König seinen Tag und ist froh, dass sein iPhone ihn an jeden Termin des Tages erinnert, sonst würde er wahrscheinlich den Überblick verlieren.
Für Tobias Kuhnt,...
Berater für SAP Business Intelligence, gehört Autofahren zu seinem Job. Er ist für das IT-Beratungshaus Itelligence immer vor Ort beim Kunden....
wie bei Bühler Motor in Nürnberg.
Zusammen mit Finanzanalystin Monika Holler entwickelt Kuhnt eine Business-Intelligence-Lösung für die Manager des Antriebstechnikherstellers.
Sandra Köpf...
...ist als Usability-Expertin bei Exact Software dafür verantwortlich, dass die Benutzeroberfläche der Lohnsoftware neu entwickelt und den Bedürfnissen der Kunden entsprechend verbessert wird.
Lohnbuchhalter wie Ulrike Wagner (links)..
.... müssen viele Daten eingeben, sicher und schnell. Usability-Expertin Köpf zeigt der Kundin Abkürzungswege im neuen System.
Thorsten Luft....
...verbringt als technischer Leister des Frankfurter Systemhauses Systrade viel zeit vor dem Bildschirm....
Meetings im Sitzen...
..sind für Thorsten Luft die Ausnahme. Als technischer Leiter ist er Joker und Feuerwehrmann zugleich: Alle Aufgaben, die seine Mitarbeiter nicht lösen können, landen bei ihm.
Janice Kwiatkowski...
.. leitet beim Berliner Softwarehersteller Projektron die Abteilung Technische Beratung & Support.
Jeden Morgen verteilt Teamleiterin Kwiatkowski...
... gemeinsam mit Tobias Feldker die neu angefallene Tickets auf die Kollegen.
Gemeinsame Mittagspause
Wer möchte, kann die Mittagspause mit Kollegen am gedeckten Mittagstisch verbringen. Kwiatkowski sitzt heute neben Projektron-Geschäftsführer Maik Dorl.

Neben Hochschulabsolventen sucht A.T. Kearney auch Mitarbeiter mit Berufserfahrung. Von diesen wird selbstverständlich strategisches Denken erwartet. Schließlich müssten A.T.-Kearney-Berater in der Lage sein, mit dem Topmanagement in der Geschäftssprache zu diskutieren, wie die Digitalisierung das bestehende Geschäftsmodell weiterentwickeln kann.

Römers Meinung nach haben sich die IT-Kenntnisse in den Unternehmen verlagert. Während die IT-Anfragen in früheren Jahren von den CIOs gekommen seien, melde sich heute beispielsweise die Marketing-Abteilung, um über Big Data zu sprechen. Die Fachbereiche hätten sich mittlerweile ebenfalls großes IT-Wissen angeeignet. Römer: "Sie fordern Experten für CRM, für Product-Lifecycle-Management und vieles mehr an, entsprechend hoch qualifiziert müssen die Consultants sein."

Gründliche Einarbeitung

Miroslav Lazic hat Betriebswirtschaft studiert und über ein IT-Management-Thema promoviert: "Ich habe über drei Jahre strategische IT erforscht, jetzt wollte ich in die Praxis", begründet er seinen Einstieg bei A.T. Kearney.

Seine Entscheidung für das Beratungs- und Strategieunternehmen sei unter anderem durch die vielen Gespräche gefallen, die er mit CIOs und Vertretern von Beratungshäusern geführt habe. Zu Beginn seines Jobs bei A. T. Kearney habe er sich mit den einzelnen Themen sehr gut ausgekannt, mit dem Berufsalltag eines Consultant dagegen weniger. Um hier Abhilfe zu schaffen, erhalten Newcomer ein umfassendes Training. "Dort erlernen und perfektionieren sie das Handwerkszeug eines Beraters - wie werden Probleme analysiert, wie sind wichtige Botschaften in Präsentationen für das Topmanagement aufzubereiten, wie präsentiert man richtig", erzählt Lazic. Im Learning-by-Doing lerne man dann den Job selbst richtig kennen und sammle entsprechende Erfahrungen.

IT muss sich weiterentwickeln

Technikwissen allein reicht für IT-Berater nicht mehr aus. Auch eine strategische Ausrichtung wird immer wichtiger.
Foto: Sashkin - Fotolia.com

Lazic, der erst seit ein paar Monaten bei A.T. Kearney tätig ist, arbeitet zurzeit in einem Kundenprojekt, in dem die strategische IT höchste Priorität besitzt: "Meine Kollegen und ich beraten Firmen, die spezifische Probleme mit ihrer IT haben." Ein Beispiel sei, dass die IT-Abteilung nicht mehr mit der Menge der Anfragen mithalten könne, nachdem das Unternehmen neue Geschäftsfelder erschlossen habe. "Einfach mehr Programmierer einstellen ist in solchen Fällen keine Lösung mehr, die IT-Organisation muss sich als Ganzes im Einklang mit dem Unternehmen weiterentwickeln", hat der Jungberater gelernt.

Weil er noch relativ neu sei, fokussiere sich Lazic auf seine Spezialisierung - in seinem Fall die IT. "Nach ein paar Jahren als IT-Berater kristallisiert sich ganz sicher heraus, für welche Branche ich ein besonderes Faible entwickle. Ich will Probleme nicht allein lösen wie während meiner Forschungszeit, sondern im Team, und genau das ist hier möglich."

Was Berater verdienen...
...hat der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) in seiner aktuellen Studie eruiert, für die er Gehaltsdaten aus 193 Unternehmensberatungen ausgewertet hat.
In großen Unternehmensberatungen,...
...die jährlich über 25 Millionen Euro Umsatz machen, verdienen vor allem die oberen Hierarchiestufen überdurchschnittlich gut.
Analysten dagegen....
steigen bei großen Unternehmensberatungen mit 43.800 Euro im Jahr ein, was einer durchschnittlichen Vergütung für die unterste Karrierestufe entspricht.
Consultants in großen Unternehmensberatungen...
.....machen schon einen deutlichen Gehaltssprung und kommen auf 62.700 Euro im Jahr. Hier ist auch bereits der variable Anteil höher.
Senior Consultants in Unternehmensberatungen der Umsatzklasse über 25 Millionen Euro...
...kommen auf ein Jahresgehalt von 81.400 Euro. Wie die Consultants werden sie am Unternehmensergebnis, ihrer Akquisitationsleistung, dem Honorarumsatz und Sonderaufgaben gemessen.
Mit dem Karrieresprung zum Manager....
...erhöht sich das Einkommen in großen Beratungen um knapp 25.000 Euro auf durchschnittlich 106.700 Euro im Jahr.
Senior Manager ....
...sind die zweite Führungsebene in großen Unternehmensberatungen. Ihr Jahreseinkommen beträgt im Schnitt 146.400 Euro.
Partner in großen Unternehmensberatungen...
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Gute Verdienstchancen...
...eröffnen sich auch in Unternehmensberatungen, die zwischen fünf und 25 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaften.
Analysten erhalten....
...mit 46.100 Euro im Jahr sogar 3000 Euro mehr als ihre Kollegen in Beratungen der Umsatzklasse über 25 Millionen Euro.
Consultants ....
...in Beratungen in der Umsatzklasse zwischen 5 und 25 Millionen Euro verdienen jährlich 57.100 Euro und damit rund 5000 Euro weniger als ihre Kollegen in großen Beratungshäusern.
Der Karriereschritt zum Senior Consultant...
.....rechnet sich in Beratungen in der Umsatzklasse zwischen 5 und 25 Millionen Euro. Ein Senior Consultant bekommt 83.700 Euro oder 25.000 Euro mehr als ein Consultant.
Das Gehalt der Manager....
...in Beratungen in der Umsatzklasse zwischen 5 und 25 Millionen Euro pendelt sich bei rund 100.000 Euro ein.
Ein Senior Manager....
...kommt in Beratungen in der Umsatzklasse zwischen 5 und 25 Millionen Euro bereits auf 137.200 Euro im Jahr.
Partner....
... verdienen in Beratungen in der Umsatzklasse zwischen 5 und 25 Millionen Euro 215.600 Euro im Jahr und damit fünf Mal soviel wie Analysten.
Auch Unternehmensberatungen...
...in der Umsatzklasse zwischen 2,5 und 5 Millionen Euro vergüten ihre Mitarbeiter und Manager ansprechend. Im Vergleich zur Umsatzklasse von 5 bis 25 Millionen Euro sind hier kaum Abstriche festzustellen.
Analysten verdienen...
in Beratungen der Umsatzklasse zwischen 2,5 und 5 Millionen Euro 43.200 Euro im Jahr.
Der erste Karriereschritt zum Consultant...
schlägt in Beratungen der Umsatzklasse zwischen 2,5 und 5 Millionen Euro mit einem Plus von knapp 18.000 Euro zu Buche. Das Jahresgehalt beträgt 61.300 Euro.
Der nächste Schritt zum Senior Consultant...
...bringt in Beratungen der Umsatzklasse zwischen 2,5 und 5 Millionen Euro nochmal 23.000 Euro im Jahr. Ein Senior Berater kommt auf 84.600 Euro.
Manager erhalten....
....in Beratungen der Umsatzklasse zwischen 2,5 und 5 Millionen Euro eine Gesamtvergütung von 104.200 Euro.
Senior Manager kommen...
...in Beratungen der Umsatzklasse zwischen 2,5 und 5 Millionen Euro auf ein Jahresgehalt von 134.300 Euro.
Partner,.....
deren Gehalt zum großen Teil vom Unternehmenserfolg abhängt, können mit 213.200 Euro rechnen.
In kleineren Beratungshäusern....
....in der Umsatzklasse zwischen 1 und 2,5 Millionen Euro vergüten nur die unteren Hierarchieebenen ähnlich hoch wie die größeren Unternehmen. Mit zunehmender Hierarchiestufe werden aber die Abstände deutlicher.
Ein Analyst kommt..
...in einer Beratung in der Umsatzklasse zwischen 1 und 2,5 Millionen Euro auf 41.300 Euro im Jahr. Sein Kollege in großen Beratungen verdient nur 2000 Euro mehr.
Ein Consultant kann...
...in einer Beratung in der Umsatzklasse zwischen 1 und 2,5 Millionen Euro mit einem Jahressalär von 51.100 Euro rechnen. Das sind 10.000 Euro weniger als Kollegen in großen Beratungen.
Ein Senior Consultant verdient...
...in einer Beratung mit einem Umsatz zwischen 1 und 2,5 Millionen Euro 73.500 jährlich 73.500 Euro und damit 10.000 Euro weniger als in großen Unternehmen.
Manager in kleineren Beratungen,,...
...kommen nur auf eine Gesamtvergütung von 78.300 Euro. Ihre Kollegen in großen Häusern erhalten 25.000 Euro mehr im Jahr.
Senior Manager in kleineren Beratungen....
...können eine Vergütung von 104.500 Euro im Jahr erwarten. Kollegen in großen Häusern erhalten bis zu 40.000 Euro mehr.
Partner in kleineren Beratungen...
...finden sich bei einem Jahresgehalt von 204.100 Euro wieder. Hier driftet die Schere zwischen den Vergütungen besonders auseinander. Der Partner in großen Beratungen kommt auf 369.000 Euro.
In kleinen Beratungen...
..mit einem Jahresumsatz zwischen 500.000 und 1 Million Euro werden auch kleinere Gehälter gezahlt.
Analysten...
...steigen mit 34.800 Euro ein.
Consultants...
erreichen 49.300 Euro im Jahr.
Senior Consultants...
verdienen 70.500 Euro im Jahr.
Manager in kleinen Beratungen...
...werden mit 86.700 Euro vergütet.
Der Schritt zum Senior Manager...
..bringt ein Plus von gut 6000 Euro oder eine Gesamtvergütung 93.500 Euro im Jahr.
Das Salär der Partner in kleinen Beratungen...
..bewegt sich mit 151.300 Euro auf dem Niveau der Senior Manager in großen Häusern.
In Beratungen der Umsatzklasse unter 500.000 Euro...
...sind Hierarchiestufen wie Gehaltsperpektiven begrenzt.
Analysten...
...beginnen mit 34.100 Euro im jahr.
Senior Consultants...
...kommen auf 67.600 Euro im Jahr.
Partner....
...erreichen eine Gesamtvergütung von 119.600 Euro im Jahr.