IDG-Studie "Legacy-Modernisierung 2018"

Moderne IT beschleunigt die Geschäftsprozesse

04.12.2018 von Jürgen Mauerer
Primäre Antreiber für die Legacy-Modernisierung sind optimierte Geschäftsprozesse und eine höhere Sicherheit. Bei der Umsetzung spielen Cloud, Virtualisierung und KI eine wichtige Rolle. Lesen Sie mehr zu den Ergebnissen der Studie Legacy-Modernisierung 2018 im 2. Teil unseres Berichtes.
Der digitale Wandel setzt die Unternehmen zunehmend unter Druck, ihre Bestandssysteme zu modernisieren. Sie benötigen eine agile IT-Infrastruktur, die sich flexibel an wechselnde Anforderungen anpasst.
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Das Gros der Unternehmen hat die Zeichen der Zeit erkannt und aktualisiert sukzessive ihre IT-Infrastruktur, um den digitalen Wandel zu meistern. Firmen benötigen heute eine agile IT-Infrastruktur, die sich flexibel an wechselnde Anforderungen anpasst. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Studie "Legacy-Modernisierung 2018", die CIO und COMPUTERWOCHE gemeinsam mit den Partnern Deloitte, NTT Data Services, Nutanix, EasiRun, PKS Software, Rackspace und Micro Focus realisiert haben. Dazu wurden 334 Entscheider aus der DACH-Region zu ihren Plänen und Projekten rund um Legacy-Modernisierung befragt.

Ein erster Bericht zu den Ergebnissen der Studie befasste sich mit dem Status quo in deutschen Unternehmen. In diesem zweiten Teil stehen die Chancen, eingesetzten Technologien sowie die technischen und organisatorischen Herausforderungen der Legacy-Modernisierung im Mittelpunkt.

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Sicherheit und bessere Geschäftsprozesse

Welche Vorteile erhoffen sich die Firmen durch die Modernisierung der Bestandssysteme? Die Antworten sind relativ gleichmäßig verteilt. An erster Stelle steht das Thema Sicherheit. Etwas mehr als ein Drittel der Unternehmen (35 Prozent) erhofft sich durch eine Frischzellenkur für die IT ein Plus an Sicherheit. Das gilt vor allem für die kleinen und mittleren Firmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitern. An zweiter Stelle steht die Beschleunigung und Verbesserung der Geschäftsprozesse (29 Prozent) vor einem Quartett mit jeweils 27 Prozent: Senkung der Betriebskosten, höherer Bedienkomfort, höhere Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit sowie bessere Kundenerlebnisse.

Für Heidi Schmidt, Geschäftsführende Gesellschafterin bei der PKS Software GmbH, erzielen Firmen durch die Modernisierung dank agiler IT-Systeme mehr Umsatz und steigern die Flexibilität sowie Geschwindigkeit bei der (Neu-)gestaltung von Geschäftsprozessen. "Zudem erhöhen sie die Produktivität und Zufriedenheit ihrer Entwickler und Anwender sowie entwickeln ihre Unternehmens-IT schneller und sicherer weiter. Nicht zuletzt sinken die Wartungs- und Betriebskosten", so Heidi Schmidt.

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Zukunftssicher: Investitionen sind geschützt

Björn Langmack, Geschäftsführer der Deloitte innoWake GmbH, sieht die großen Vorteile der Modernisierung von Bestandssystemen im Schutz der geistigen und finanziellen Investitionen, die über Jahr(zehnt)e in die Anwendungen getätigt wurden: "Mit geringstem Risiko werden diese zukunftsfähig gemacht und gleichzeitig die Betriebskosten gesenkt. Warum sollen Unternehmen viel Geld dafür ausgeben, um mit großem Risiko etwas neu zu entwickeln, was erfolgreich und ohne Kinderkrankheiten funktioniert? Die Legacy-Modernisierung ermöglicht es, sich auf die Weiterentwicklung des Unternehmens zu konzentrieren, anstatt bestehende Anwendungen neu zu erfinden."

Auch Don Fitzgerald, Geschäftsführer der EasiRun Europa GmbH, ist der Meinung, dass Firmen durch die Legacy-Modernisierung ihre Zukunftsfähigkeit sichern, wenn sie ihre bestehenden Anwendungen integrieren und wiederverwenden. "Sie gestalten ihre IT-Landschaften damit unabhängig und kostengünstig und bleiben im Hinblick auf die Ziele der Modernisierung stets technologieunabhängig, binden sich zu keinem Zeitpunkt an proprietäre Lösungen", sagt Fitzgerald. "Unternehmen können dank Industriestandards und umfassender Schnittstellen die Vorteile neuer Technologien vollumfänglich nutzen und werden die Herausforderungen der Modernisierung von Seiten der Mitarbeiter, Kunden und Regulierungsstellen erfolgreich meistern."

Herausforderungen: Sicherheit und Infrastruktur

Damit die Modernisierung von Bestandssystemen erfolgreich verläuft und entsprechenden Nutzen bringt, müssen Firmen eine Reihe von Hürden überwinden. Als größte Herausforderung nannten jeweils 24 Prozent die IT-Infrastruktur sowie das Thema IT-Sicherheit. Auch Themen wie die lange Dauer des Modernisierungsprozesses (21 Prozent) und die hohen Datenmengen in den Bestandssystemen bereiten den Verantwortlichen Probleme. Hinzu kommen allgemeine Budget-Probleme, die Schwierigkeit, notwendige Modernisierungskosten gegenüber dem Management adäquat darzustellen, sowie die Komplexität des Themas ("Wo fangen wir an?").

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"Ein Modernisierungs-Projekt ist eine Mammutaufgabe und bindet viele Ressourcen. Es ist im Prinzip eine Art Sparvertrag mit flexibler Laufzeit und Zinsen. Zunächst müssen Firmen Analysen durchführen und Amortisationen berechnen. Die Parameter wie Geschäft, Umsatz oder Stückzahl lassen sich allerdings nur schätzen und sind Schwankungen unterworfen.

Deshalb sollte die große Gesamtaufgabe in kleinere Prozesse aufgeteilt werden", erläutert Jörg Eggers, Solutions Architekt bei Rackspace. Er empfiehlt Firmen Einzel-Projekte beispielsweise für die Netzwerkstruktur, die Anbieter von IaaS, PaaS und SaaS-Services einfach integrieren können, zu den Themen Cloud Identity und Servicemanagement sowie Projekte für einzelne Anwendungen oder Anwendungsgruppen.

Mangelndes Know-how etwa wegen fehlender Cobol- oder Mainframe-Spezialisten sowie interne Widerstände der Mitarbeiter aus Angst vor Veränderungen stufen 15 Prozent der befragten Firmen als Hemmschuh für die Modernisierung der Bestandssysteme ein. "Eine Herausforderung hier besteht darin, erfahrene Entwickler mit dem neu in die Verantwortung gehenden Nachwuchs in eine konstruktive und wertschätzende Zusammenarbeit zu bringen. Ein anderer Aspekt, nicht minder wichtig, ist die Zusammenarbeit zwischen IT und Fachbereichen. Wenn die Modernisierung rein aus der IT-Abteilung getrieben wird, wird das Endergebnis immer mangelhaft sein", erklärt Heidi Schmidt, Geschäftsführende Gesellschafterin bei der PKS Software GmbH.

Auch Hannes Sbosny, Managing Director NTT DATA Services Germany, betont die große Bedeutung der abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit: "IT-Leiter und Fachbereiche müssen gemeinsam ein umfassendes Bewertungs- und Prüfungsprogramm entwickeln und durchführen, mit dem eine Priorisierung von Initiativen für die dringendsten Herausforderungen möglich wird. Damit Modernisierungseffekte wirklich greifen, ist ein ganzheitlicher Ansatz nötig, der über den einfachen Aspekt einer Digitalisierung bestehender, analoger Geschäftsmodelle hinausgeht."

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Ohne die Cloud geht nichts mehr

Bei der Modernisierung sehen 35 Prozent der Unternehmen Virtualisierung als sehr wichtige Methodik oder Technologie an, gefolgt von künstlicher Intelligenz (25 Prozent) und Daten-Konversion (23 Prozent). Im Zentrum steht aber Cloud Computing. Ein Fünftel der Firmen setzt bei der Modernisierung der Legacy-IT auf jeden Fall auf Cloud Computing, speziell PaaS (Platform-as-a-Service). Jeweils 28 Prozent der befragten Unternehmen setzen wahrscheinlich oder vielleicht auf Cloud-Ressourcen. 40 Prozent der Firmen nennen Cloud Computing als mit Abstand wichtigstes Thema, mit dem sich ihre IT-Abteilung im kommenden Jahr beschäftigen muss.

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Dazu Peter Goldbrunner, Country Manager Deutschland und Österreich bei Nutanix: "Die Cloud-Giganten haben den Standard gesetzt in Sachen Agilität, Flexibilität und Anwendererfahrungen. Kein Wunder, dass 40 Prozent der im Rahmen der Studie Befragten die Cloud als das mit Abstand wichtigste Thema nannten, mit dem sich ihre IT-Abteilung beschäftigen muss.

Das Gros der Unternehmen will Cloud-Technologien und -Angebote wie PaaS, Microservices, Container etc. für die Modernisierung ihrer Bestands-IT nutzen. Wenn die eigene IT so modern und agil wie die öffentliche Cloud wird, halten die Unternehmen den Schlüssel zu einer erfolgreichen digitalen Transformation in den Händen."

Hier ist vor allem die IT-Abteilung gefragt. Der Studie zufolge ist Legacy-Modernisierung eindeutig ein IT-Thema. In 53 Prozent der Firmen ist der IT-Leiter mit seiner Abteilung für die Modernisierung der "alten" Systeme, Anwendungen und Prozesse zuständig. Zählt man noch die Ergebnisse für den CIO oder IT-Vorstand (28 Prozent) hinzu, kommt man auf 81 Prozent. In nur 27 Prozent der Unternehmen ist die Geschäftsführung für die Auffrischung der IT verantwortlich. Letzteres gilt vor allem für die kleinen Unternehmen.

Studiensteckbrief:

Herausgeber: COMPUTERWOCHE, CIO, TecChannel und ChannelPartner

Studienpartner:

Platin-Partner: Deloitte GmbH

Gold-Partner: NTT Data Services Germany GmbH

Silber-Partner: NUTANIX Germany GmbH

Bronze-Partner: EasiRun Europa GmbH, Micro Focus GmbH, PKS Software GmbH, Rackspace Germany GmbH

Grundgesamtheit: Oberste (IT-)Security-Verantwortliche von Unternehmen in der D-A-CH-Region: strategische (IT-)Entscheider im C-Level-Bereich und den Fachbereichen (LoBs), IT-Entscheider & IT-Spezialisten aus dem IT-Bereich

Teilnehmergenerierung: Stichprobenziehung in der IT-Entscheider-Datenbank von IDG Business Media. Persönliche E-Mail-Einladungen zur Umfrage.

Gesamtstichprobe: 334 abgeschlossene und qualifizierte Interviews

Untersuchungszeitraum: 27. Juni bis 12. Juli 2018

Methode: Online-Umfrage (CAWI)

Fragebogenentwicklung: IDG Research Services in Abstimmung mit den Studienpartnern

Durchführung: IDG Research Services

Modernisierung meist ohne Partner

In den meisten Unternehmen setzt die interne IT-Abteilung die Modernisierung der Anwendungen selbst um (38 Prozent) oder beauftragt einen konzerneigenen Service-Provider oder Dienstleister (27 Prozent). Nur ein Fünftel der Firmen beauftragt einen externen Dienstleister mit der Modernisierung der Anwendungen, 13 Prozent setzen auf eine Kombination aus interner IT-Abteilung und teilweiser Hilfe durch spezialisierte Dienstleister. Bei den externen Partnern haben die Berater mit 32 Prozent leicht die Nase vorne, knapp dahinter folgen Service Provider und auf die Thematik spezialisierte Modernisierungsexperten mit jeweils 29 Prozent.

"Der richtige Partner hat großen Einfluss auf den Erfolg der Modernisierung: technische Kompetenz, große Erfahrung mit vergleichbaren Projekten und das fachliche Verständnis sind die Mindestvoraussetzungen, die der Partner erfüllen muss", betont Björn Langmack, Geschäftsführer der Deloitte innoWake GmbH.

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