Office-Apps für das iPad

Top-Apps für das Office auf dem iPad

13.01.2011 von Holger Sparr
Für Büroarbeit ist das iPad vielleicht nicht die erste Wahl unter den mobilen Rechnern, doch mit der richtigen Software kann es mehr, als mancher denkt. Wir zeigen die besten Office-Apps für das iPad.

Auf dem iPad kommt man auch ganz ohne Office aus, ohne Tastatur und Massenspeicher ist es eigentlich ohnehin nur bedingt für schnöde Bürotätigkeiten geeignet. Doch eine Reihe von Apps verspricht, diese Hürden zu überwinden und Office aufs iPad zu bringen.

Keine der Apps kann wirklich die volle Microsoft-Office-Funktionalität auf dem iPad bieten, und dies ist auch gar nicht nötig, denn meist ist lediglich ein Bruchteil der Features gefragt. Wer Texte, Tabellen und Präsentationen nur ansehen will, kommt womöglich schon mit einem Dateibetrachter à la Goodreader zurecht, der beispielsweise PDFs auch mit Kommentaren versehen kann. Um einen Brief zu korrigieren, Werte in Tabellen nachzutragen oder Präsentationen noch den letzten Schliff zu geben, ist es vor allem wichtig, dass die App das Dokument in seinen wesentlichen Teilen zugänglich machen kann und beim Sichern die vielleicht komplexe Struktur nicht zerstört. Ob die Tabellenkalkulation dabei alle Diagramme perfekt anzeigt, ist in solchen Fällen zweitrangig.

Top-Apps fürs mobile Büro
OFFICE 2 HD
Unter den Office-Apps ist dies der Billigheimer. Dafür muss man bei der Funktionalität in erster Linie in Kauf nehmen, keine „.xlsx“-Tabellen öffnen zu können. Leider blieb es nicht dabei, denn unseren Testtext würfelte Office 2 HD etwas durcheinander: Bilder fehlten, Kommentare und Fußnoten wurden in richtigen Text verwandelt, auch das Layout geriet etwas aus der Form und wurde leider auch so gespeichert. Beschränkt man sich auf reine Texte und einfache Tabellen, hat man diese Probleme nicht und kann sich an die gelungene Bedienung für einfachere Dokumente sehr gut gewöhnen. 5,99 Euro
DOCUMENTS TO GO PREMIUM
Keine andere App kann Texte, Tabellen und Präsentationen gleichermaßen bearbeiten. Die Präsentationen entfallen bei der sechs Euro günstigeren Normalversion, ebenso wie die Fähigkeit, Dokumente auch online bei Dropbox, Google Docs und Co zu speichern. Für Leute, die gern mal zu Hause auf dem Balkon arbeiten, ist das für Mac und Windows verfügbare Zusatzprogramm, das Dokumente automatisch mit dem Rechner auf dem Schreibtisch synchronisiert, eine sehr komfortable Lösung. Die sparsamen Bedienelemente erinnern stark daran, dass die App ihre Anfänge auf dem iPhone nahm, und machen den Umgang mit dem Programm leider etwas zäher als bei den anderen Kandidaten.
Documents To Go
Documents To Go ist nichts für Leute, die auf akkurates Layout Wert legen, denn Bilder, Grafiken und Diagramme werden teils gar nicht erst mit angezeigt, und Textformatierungen stimmen in der Anzeige oft nicht mit dem Ursprungsdokument überein. Doch die App erhält all diese Elemente, kommt mit Fußnoten und Kommentaren zurecht und fügt alle Änderungen akkurat ein, sodass beim Empfänger dann doch wieder alles stimmt. Insofern empfiehlt sich die App vor allem für die Überarbeitung vorhandener Dokumente. 13,99 Euro (Premium-Version)
QUICKOFFICE
Diese noch recht neue App beschränkt sich auf Word-Texte und Excel-Tabellen, stellt deren Layout aber recht akkurat auf dem Schirm dar, wenngleich manches Bild verrutschte. Dank der übersichtlichen Bedienung ist auch das Verändern der Dokumente komfortabel möglich.
QUICKOFFICE
Die englische Programmsprache dürfte manchen vor allem bei der Suche nach Excel-Formeln nerven. Die Textverarbeitung zeigte weder Fußnoten noch Kommentare und ließ Letztere beim Sichern kommentarlos weg, ließ die Dokumentenstruktur aber ansonsten meist intakt. Wenn man um diese Schwächen weiß, lässt sich Quickoffice aber sehr gut nutzen, um Dokumente zu kontrollieren und kleinere Korrekturen vorzunehmen, denn die Bedienung macht durchaus Spaß. 3,99 Euro
APPLE IWORK
Fürs iPad muss man Pages für Texte, Numbers für Tabellen und Keynote für Präsentationen für jeweils 7,99 Euro getrennt erwerben. Alle Apps entsprechen ihren Gegenstücken auf dem Mac und unterstützen auch deren Dateiformate. Word-, Excel- und Powerpoint-Dateien können also nur im- und exportiert werden, doch dafür sind die Apple-Apps die einzigen, die wenigstens dabei anzeigen, welche Eigenschaften den Dokumenten verloren gehen, statt sie wie manch andere App einfach wegzulassen. Die ganz große Stärke von iWork ist, dass jedes Programm unzählige und sehr schicke Vorlagen mitbringt, die sich als Ausgangspunkt für neue Dokumente eignen und sich dank der gelungenen Bedienung gut mit Leben füllen lassen.
Numbers
Numbers war das einzige Programm im Test, mit dem wir ein Diagramm erzeugen konnten, wenngleich die Möglichkeiten auf ein sinnvolles Minimum begrenzt sind. Mit Keynote lässt sich im Flieger noch eine Präsentation entwerfen, die man mit etwas gutem Willen danach sogar jemandem auf dem iPad zeigen würde - das gelingt mit Documents To Go eher nicht. Spätestens beim Dateiaustausch stolpert Apple allerdings über die eigenen Füße, denn hier hängen die iWork-Apps meilenweit hinter der Konkurrenz zurück: Lokaler Dateiaustausch, lediglich verkabelt per iTunes, und als einziger Cloud-Dienst Mobile Me sind vollkommen unzureichend - leider. Je 7,99 Euro

Etwas anderes ist es, wenn man die Office-App nutzen möchte, um unterwegs neue Dokumente zu erzeugen, und beispielsweise einen Brief entwerfen, Ideen aufschreiben oder eine Bestandstabelle erzeugen möchte. Dann sind auch die gestalterischen Fähigkeiten der Software gefragt, obwohl man womöglich ab einem gewissen Punkt das Dokument am Rechner mit einem "echten" Office-Paket fertig bringen wird.

Eine Frage des Formats

Sehr beschränkt ist man bei den Dateiformaten: Nur Documents To Go versteht sich auf das Verändern von Powerpoint-Präsentationen. Texte im ".doc"-Format und ".xls"-Tabellen öffnen alle, Office 2 HD scheitert aber an neueren ".xlsx"-Dokumenten. Apples iWork-Apps arbeiten intern nur in ihren eigenen Formaten, müssen also alle anderen Dateien beim Im- und Export jeweils konvertieren. Andere Formate wie die des Openoffice-Pakets oder auch nur RTF können verblüffenderweise keine App editieren, und auch das Drucken von Dokumenten per Air Print werden alle Apps erst noch lernen müssen.

Dateiaustausch

Da das iPad keine USB-Sticks akzeptiert und das Hin- und Herkopieren von Dateien per iTunes viel zu umständlich ist, bieten alle Apps zusätzliche Kommunikationsmöglichkeiten. Zu Documents To Go bietet Hersteller Dataviz ein Programm für Windows und Mac-OS X, mit dem man vom Rechner aus Zugriff auf den privaten Ordner des Programms bekommt. Quickoffice und Office 2 HD machen das iPad zum Server, sodass sich Dateien per Browser oder WebDAV kopieren lassen.

Alle Kandidaten bieten zudem Zugriff auf Cloud-basierte Online-Dienste, doch hier unterscheiden sich die Kandidaten teils recht deutlich. Am beschränktesten ist Apples iWork-Paket, das eigentlich nur mit Mobile Me, dem hauseigenen "iWork.com" sowie allgemeinen WebDAV-Diensten kommunizieren mag. Da bieten die anderen deutlich mehr, indem sie beispielsweise auch Google Docs, Dropbox und meist noch weitere Dienste einbinden können. Diese stellen denn auch oft die eleganteste Möglichkeit dar, Dateien mit dem eigenen Rechner und anderen austauschen zu können.

Erwartungshaltung

Keines der Office-Pakete taugt dazu, Firmenkorrespondenz oder Fünfjahresplan mal kurz im Park unterm Baum zu erledigen, alle sind eher für die Überarbeitung oder den Grobentwurf von Dokumenten gedacht, doch das muss kein Beinbruch sein, denn das iPad ist ja auch kein Notebook. Nicht vergessen sollte man, dass keine der Office-Apps auch nur andeutungsweise so viel kostet wie Microsoft Office - das freie Openoffice ist eben nicht überall.

Documents To Go in Praxis

Geht es nach der Optik, hätte Documents To Go in unserem Vergleich keinen Blumentopf gewinnen können, denn von der Bedienung präsentiert es sich eher nüchtern. Das hat es mit vielen Office-Paketen allerdings gemeinsam, und außerdem stimmen dafür die inneren Werte, denn das auch fürs iPhone nutzbare Programm öffnet und bearbeitet alle Word-, Excel- und Powerpoint-Dokumente und ist zudem flexibel bei der Dateiverwaltung. Wir nutzen hier die knapp 14 Euro teure Premium-Variante der App. Die kleinere Version kommt nicht mit Präsentationen klar, was man vielleicht noch verschmerzen könnte, und kann auch keine Online-Speicher wie Dropbox nutzen. Das Upgrade ist aber per In-App-Purchase möglich.

Desktop-Programm installieren und Online-Dienste konfigurieren

Laden und installieren Sie zunächst von www.dataviz.com/iphoneinstaller die zur App gehörige "Documents To Go Desktop"-Applikation.

Nachdem Sie diese mit der App auf dem iPad bekannt gemacht haben, können Sie einen Ordner am Mac oder PC auswählen, dessen Inhalt mit dem privaten Datenbereich auf dem iPad abgeglichen wird, was eine sehr bequeme Art ist, Dokumente aufs iPad zu bekommen.

Die Premium-Version hat zudem Zugriff auf allerlei Online-Speicherdienste von Google Docs über Box.net, Dropbox, Mobile Me bis zu Sugarsync.

Diese sind auch von unterwegs erreichbar, sodass sich spätestens dann die Anmeldung lohnt. Documents To Go kann darauf Dokumente öffnen und sichern.

Dateien öffnen und bearbeiten

Über das "Öffnen in"-Menü in Mail lassen sich Office-Dokumente direkt in Documents To Go öffnen. Dort bleibt oft vom Layout scheinbar nicht viel übrig, doch das täuscht, denn die App stellt gewissermaßen eine entschlackte Version des Dokuments für Korrekturen zur Verfügung.

Solange man nur korrigiert und nicht versucht, selbst Form in die Elemente zu bringen, wird der Brief nach dem Zurückschicken an den Rechner dort wieder genauso aussehen wie vorher und auch weiterhin alle Kommentare, Fußnoten und dergleichen enthalten. Der Knopf links unten erledigt das Speichern (lokal oder online), das Verschicken per Mail oder seinerseits wieder das "Öffnen in" einer anderen Office-App.

Tabellen und Präsentationen

Tabellen stellt Documents To Go ohne Diagramme dar, verwirft sie aber auch nicht, sodass sie beim nächsten Öffnen in Excel mit geändertem Inhalt wieder erscheinen. Documents To Go eignet sich eher für kleine Änderungen oder einfache Tabellen wie die Reisekostenabrechnung, die sich mit einer zuvor mitgenommenen Vorlage schnell und bequem ausfüllen lässt.

Die Premium-Version erlaubt auch leichte Textkorrekturen an Präsentationen und das Ändern der Notizen, ist aber leider nicht in der Lage, die Präsentation auch angemessen am iPad vorzuführen. Durch die Philosophie, kein komplettes Office-Paket ersetzen zu wollen, sondern sich auf den mobilen Bedarf zu konzentrieren, bleibt das Programm angenehm übersichtlich in der Handhabung.

Quelle: Macwelt