IT-Trends 2024

Wie KI die Rolle des CIO verändert

26.01.2024 von Thomas Meyer
Der Übergang ins KI-Zeitalter bringt für CIOs neue Herausforderungen beim Gestalten der digitalen Transformation.
CIOs müssen 2024 die strategischen Voraussetzungen für einen breiten KI-Einsatz schaffen. Zugleich dürfen sie andere Kernaufgaben wie die IT-Modernisierung nicht aus den Augen verlieren.
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Früher drehte sich die Rolle der CIOs hauptsächlich um die Verwaltung von Rechenzentren, Servern und Anwendungen. Doch mit dem Eintritt in den digitalen Geschäftsbereich hat sich ihre Aufgabe deutlich verändert. Heute liegt ihr Fokus auf der Gestaltung der Unternehmensstrategie, der Steigerung des Umsatzes und dem Wachstum des Unternehmens. Dieser Wandel ist ein Beweis dafür, dass IT und das Unternehmen eng miteinander verbunden sind, und unterstreicht die Bedeutung der Rolle des CIOs und des Rests der Führungsebene bei der Transformation hin zu einem digitalen Unternehmen.

Voranschreiten in das Zeitalter der KI

Vor etwas mehr als einem Jahr begann eine neue Phase unserer digitalen Reise mit der Einführung von Chat GPT: AI Everywhere. Künstliche Intelligenz (KI) wird erhebliche Auswirkungen auf das individuelle Leben, Verbraucher, Bürger, Arbeitnehmer, Unternehmen und die Gesellschaft insgesamt haben. Um den Übergang in das KI-Zeitalter erfolgreich zu gestalten, müssen wir uns auf vier zentrale Säulen konzentrieren: Produktivität, Wertschöpfung, Innovation und Verantwortung.

Obwohl die Innovation rund um GenAI aufregend ist, befinden wir uns in Bezug auf die Implementierung und den Einsatz noch immer ganz am Anfang. Die ersten Anwendungsfälle und Experimente konzentrieren sich hauptsächlich auf die Steigerung der Produktivität, während mittelfristig vermehrt Innovation und Wachstum angestrebt werden. Es ist wichtig anzumerken, dass wir uns noch in den Anfängen dieser Reise befinden und es noch viel zu entdecken und zu gestalten gibt.

Die Bedeutung einer ganzheitlichen KI-Strategie

Es ist wichtig, zu beachten, dass GenAI nur einen kleinen Teil der gesamten KI-Landschaft ausmacht. Künstliche Intelligenz (KI) ist nur ein Aspekt eines breiteren Trends, den wir bereits seit über einem Jahrzehnt beobachten. Dieser Trend begann mit der Einführung der sogenannten 3. Plattform von IDC, zu deren zentralen Säulen KI gehört. Die 3. Plattform hat die digitale Transformation vorangetrieben und uns nun in die Ära des digitalen Geschäfts geführt, in der praktisch jedes Unternehmen digital ist oder danach strebt, es zu sein. Bei Umfragen von IDC zu den KI-Ausgaben der Unternehmen wird deutlich, dass mehr als 80 Prozent dieser Investitionen in andere Arten von KI-Ansätzen fließen, wie zum Beispiel Predictive AI und Interpretive AI.

Die zentrale Rolle von IT und CIOs in der digitalen Transformation

Auf dieser Reise werden IT und CIOs eine zentrale Rolle einnehmen, ähnlich wie wir es seit Beginn der digitalen Transformation beobachten können. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage unter CIOs zeigt, dass etwa zwei Drittel von ihnen eine Erhöhung ihrer Budgets erwarten, wobei 37 Prozent sogar einen Anstieg von mehr als 10 Prozent prognostizieren. Nur etwas über 9 Prozent erwarten hingegen, dass die Budgets im Jahr 2024 sinken werden. Der Fokus liegt dabei auf KI, Daten sowie Sicherheit, Vertrauen und Compliance. Nicht nur CIOs, sondern auch die Führungskräfte der C-Suite sind von diesen Themen begeistert. Fast zwei Drittel von ihnen betrachten sie als eine der wichtigsten Investitionsprioritäten, wie eine Umfrage von IDC in der C-Suite zeigt.

Die Herausforderungen der KI-Implementierung und der Technologieführerschaft

Die Koordination von Technologie- und KI-Investitionen ist entscheidend, um im Zeitalter des digitalen Geschäfts eine höhere Rendite zu erzielen und eine verantwortungsvolle KI-Strategie umzusetzen. Es steht viel auf dem Spiel, da diese Entscheidungen über den Erfolg oder Misserfolg von Unternehmen entscheiden werden. Von der Einbindung der C-Suite über die Entwicklung einer übergreifenden Strategie und der Identifizierung der passenden Anwendungsfälle bis hin zur Entscheidung, ob Workloads vor Ort, in der Public Cloud oder in einer hybriden Umgebung am besten funktionieren, gibt es zahlreiche Entscheidungspunkte. Der Umgang mit den Herausforderungen eines potenziellen Wildwuchses bei KI-Anwendungen erfordert Weitsicht und eine vorausschauende Technologieführerschaft. Die erfolgreiche Integration von KI wird für Unternehmen unerlässlich sein und eine umfassende Strategie zur Übernahme dieser Technologie erfordern.

Die Aufgaben für CIOs und IT-Entscheider

Das sind die Top-Tasks für CIOs und IT-Entscheider in den kommenden Monaten:

Einige dieser Aufgaben, Themen und Aspekte werden im Folgenden genauer betrachtet:

Erstellung einer Strategie: Die Verbindung des CIOs mit dem Dream-Team der C-Suite ist ein entscheidender Teil der digitalen Reise jedes Unternehmens. Angesichts der erheblichen Investitionen in KI ist es unerlässlich, einen klaren ROI für priorisierte Anwendungsfälle im Rahmen einer verantwortungsvollen KI-Strategie zu gewährleisten.

Mitarbeiter und Talente: Ein Schwerpunkt liegt auf der Automatisierung und Verbesserung von Prozessen, um die Produktivität durch digitale Assistenten und Co-Piloten zu steigern. Gleichzeitig müssen durch den Fachkräftemangel entstehende Lücken geschlossen werden. Dies erfordert die Entwicklung neuer Rollen und möglicherweise die Eliminierung anderer.

ESG (Environmental, Social and Governance): Die Nachhaltigkeitsdebatte gewinnt an Bedeutung und wirkt sich auch auf den Bereich KI aus. Zukünftig wird der Energieverbrauch von großen Sprachmodellen zunehmend in den Blick genommen. Regulierungen werden den sozialen Faktor vorantreiben, wie bereits durch das Lieferkettengesetz in Deutschland geschehen. Es ist wichtig, eine verantwortungsvolle KI-Strategie zu entwickeln, bei der Governance eine Schlüsselrolle spielt.

Innovation durch Governance by Design: Governance spielt eine zentrale Rolle bei der KI-Reise eines Unternehmens. Um Daten- und IP-Verluste zu vermeiden und negative Auswirkungen auf die Marke sowie Verstöße gegen Vorschriften oder Voreingenommenheit zu verhindern, ist es entscheidend, Governance by Design zu implementieren. Schulungsprogramme, erweiterte Governance-Systeme, ein verantwortungsvoller KI-Entscheidungsrahmen sowie Überwachungs- und Auditierungssysteme sind dabei unerlässlich.

Die Zukunft der Cybersicherheit: Angesichts zunehmender groß angelegter Cyberangriffe sind umfassende Maßnahmen zur Sicherheit unerlässlich. Staatlich geförderte Angriffe richten sich oft gegen nationale Ressourcen und Infrastrukturen. Die Bedeutung von OT-Sicherheit (Operational Technology) für den Schutz kritischer Infrastrukturen wird immer wichtiger. EU-Rechtsvorschriften wie DORA und NIS2 weisen auf die Notwendigkeit hin, Sicherheitskonzepte wie Zero Trust, privilegierten Zugriff und Cyber-Risikomanagement zu implementieren. KI/ML und generative KI erhöhen das Angriffsvolumen, insbesondere von nichttechnischen Kriminellen. Daher ist eine enge Zusammenarbeit zwischen CIOs und CISOs von großer Bedeutung.

Weitere Anforderungen: Neben dem Fokus auf KI sollten CIOs nicht vernachlässigen, dass ältere Herausforderungen wie die ERP-Transformation, die Modernisierung von Anwendungen und der Aufbau von CloudOps- und FinOps-Teams weiterhin relevant sind. Es werden auch eine klare Datenstrategie, Business Continuity-Lösungen und gute Beziehungen zu Herstellern benötigt. Es bleibt viel Arbeit, um die schöne neue Welt der Digitalisierung zu verwirklichen.

Die Rolle des CIO im Jahr 2024: Chancen, Herausforderungen und Prioritäten

Die zunehmende Bedeutung der CIO-Rolle und die damit verbundenen Chancen im Jahr 2024 sind unverkennbar. Mit der erwarteten Steigerung der IT-Investitionen, insbesondere im Bereich Künstliche Intelligenz (KI), stehen CIOs vor einer einzigartigen Gelegenheit, sich als treibende Kraft hinter dem digitalen Wandel zu positionieren. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass diese Investitionen nicht leichtfertig getätigt werden sollten. Der Übergang in die KI-Welt erfordert sorgfältige Planung, Ressourcenallokation und Implementierung, da er mit erheblichen Kosten verbunden sein kann. Eine verantwortungsvolle KI-Strategie, die auf abgestimmten Anwendungsfällen auf C-Level-Ebene basiert, sollte dabei höchste Priorität haben.

Gleichzeitig ist es ebenfalls entscheidend, die Bedenken und Unsicherheiten der Mitarbeiter im Hinblick auf den Einsatz von KI zu berücksichtigen. Die Einführung neuer Technologien kann Veränderungen in Jobprofilen und Kompetenzanforderungen mit sich bringen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen der Geschäftsführungsebene und den Führungskräften ist unerlässlich, um Schulungsprogramme und -ressourcen bereitzustellen, die Mitarbeitern beim Erwerb neuer Fähigkeiten und Kompetenzen helfen. Nur durch diese gemeinsame Anstrengung können Unternehmen die Auswirkungen auf Mitarbeiter erfolgreich bewältigen und den Übergang in die KI-getriebene Zukunft erfolgreich gestalten.