"Morgen, Kollege Roboter!"

25 Thesen zur Arbeit 4.0

21. September 2015
Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Communities werden wichtiger sein als Unternehmen. Roboter lassen die Rolle des Handlangers hinter sich und emanzipieren sich zu Kollegen der menschlichen Mitarbeiter. Diese und weitere Trends prägen das Arbeitsleben von morgen, behaupten jedenfalls die Universität St. Gallen und die Telekom in einer gemeinsamen Studie.
Die Deutsche Telekom und die Universität St. Gallen sehen Mensch und Maschine künftig als Kollegen.
Die Deutsche Telekom und die Universität St. Gallen sehen Mensch und Maschine künftig als Kollegen.
Foto: Deutsche Telekom/Universität St. Gallen

"Die Digitalisierung kommt nicht als laues Lüftchen daher, sondern als Sturm." So fasst Christian Illek, Personalvorstand der Deutschen Telekom, die Ergebnisse der Studie "Arbeit 4.0" zusammen. Für das Papier haben Wissenschaftler der Universität St. Gallen und Mitarbeiter der Telekom 60 Gespräche mit Experten geführt.

Dabei werfen die Studienautoren zunächst einen kurzen Blick auf die historische Entwicklung. Die erste industrielle Revolution datieren sie um das Jahr 1800 herum, als mit Hilfe von Wasser- und Dampfkraft mechanische Produktionsanlagen entstanden. Stufe 2 setzte kurz vor 1900 ein, als die elektrische Energie die Einführung arbeitsteiliger Massenproduktion möglich machte. Die dritte industrielle Revolution begann vor dem Jahr 2000 mit dem Einsatz von Robotik und IT zur weiteren Automatisierung der Produktion. Industrie 4.0Industrie 4.0 wiederum ist durch cyber-physische Systeme geprägt. Alles zu Industrie 4.0 auf CIO.de

Das heißt: Maschinen werden sowohl Kollegen, als auch Kooperationspartner und Kontrolleure menschlicher Arbeitskräfte sein. Sie entwickeln immer ausgefeiltere feinmotorische Fähigkeiten, navigieren immer sicherer im Raum, können menschliche Sprache erkennen und aktiv verwenden. Die Studienautoren betonen jedoch: die menschliche Kreativität ist dann doch nicht ersetzbar.

Soweit die technologische Seite. Die menschliche Seite dieser Entwicklung berührt das Thema Führen und Personal-Management. "Arbeit muss im Ökosystem Digitalisierung neu organisiert werden", so Illek. In der neuen Arbeitswelt spielen einzelne Unternehmen nicht mehr eine so große Rolle, wie sie ihnen heute zukommt. Stattdessen wird es stärker um Netzwerke gehen, und zwar sowohl in der Selbstorganisation von Kunden wie von Mitarbeitern. Führungskräfte brauchen daher künftig sehr viel mehr Netzwerk- und Dialogkompetenz.

Die Studie sieht Vorgesetzte bereits als "Feel-good-Manager". Sie müssen innerhalb des Unternehmens die Personen mit den größten Potenzial identifizieren und die Organisation quasi um diese herum bauen. Feste Arbeitsverträge werden punktuellen Aufträgen an freischwebende Spezialisten weichen. Die gefragten digitalen Fachkräfte werden sich kaum an Unternehmen binden lassen - ihre Loyalität gehört hochspezialisierten, firmenübergreifenden Communities.

Die Experten bringen die Arbeit von Personalmanagern und Führungskräften auf eine Formel: VUCA. Das Kürzel steht für Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity. Entscheider müssen lernen, damit umzugehen. Im Heer frei flotierender Fachkräfte, die mal hier tätig sind und mal dort, wird sich Selbstmanagement zu einer Schlüsselqualifikation entwickeln.

Manche der befragten Experten sprechen sogar davon, dass Unternehmen sich auflösen, berichtet Illek. Sein Fazit: "Die Digitalisierung wird Arbeit dramatisch verändern. Die Personalressorts in den Unternehmen müssen handeln."

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