Wachstumsstrategie

Amazon nimmt für Expansionskurs Verlust in Kauf

28. Juli 2013
Amazon treibt sein riskantes Spiel weiter: Um zu wachsen, investiert der weltgrößte Online-Händler massiv. Die Gewinne bleiben da erst einmal auf der Strecke.

Der teure Expansionskurs hat dem weltgrößten Online-Händler AmazonAmazon einen kleinen Verlust eingebrockt. Im zweiten Quartal verlor das US-Unternehmen unterm Strich 7 Millionen Dollar (5 Millionen Euro), nachdem es im Vorjahreszeitraum noch einen hauchdünnen Gewinn einfahren konnte. Alles zu Amazon auf CIO.de

Amazon nimmt das Minus bewusst in Kauf: Mit eigenen Produkten wie den Kindle-Tablets und Kampfpreisen im Sortiment versucht der Konzern, seinen Marktanteil stetig zu vergrößern. Auch der Aufbau neuer Versandzentren geht ins Geld.

"Wir investieren Milliarden-Beträge in die Infrastruktur", sagte Ralf Kleber, Geschäftsführer von Amazon Deutschland, der Nachrichtenagentur dpa. Der Lohn der Mühe: Amazon wächst weiterhin rasant. Der Umsatz stieg um 22 Prozent auf 15,7 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen am Sitz in Seattle mitteilte. Besonders stark legte dabei das wichtige Geschäft im Heimatmarkt zu, während der Ausbau des internationalen Zweigs hinterherhinkte. Das Geschäft sei vor allem durch starke Wechselkurs-Effekte beeinflusst gewesen, sagte Kleber.

"In Deutschland sind wir mit der Geschäftsentwicklung sehr zufrieden", sagte Kleber. Im brandenburgischen Brieselang baut der Konzern derzeit sein neuntes Logistikzentrum in Deutschland. Für das im Juni gestartete Angebot AutoRip seien inzwischen Hunderttausende Titel verfügbar. Wer einen dieser Titel zum Beispiel als CD kauft, erhält kostenlos eine MP3-Version dazu. AutoRip schlage die Brücke zwischen physisch und digital, sagte Kleber.

Im asiatischen Markt setzt das Unternehmen vor allem in China weiterhin auf großes Wachstum, in Indien sei das Angebot gerade an den Start gegangen. Die Hardware für den Ausbau der Webservices von Amazon koste ebenfalls viel Geld, sagte Kleber.

Die hohen Investitionen werden nach Ansicht des Gründers und Chefs Jeff Bezos im laufenden Quartal zu einem noch höheren Verlust von operativ bis zu 440 Millionen Dollar führen. Nachbörslich fiel die Aktie um 1 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier damit aber immer noch rund 20 Prozent zugelegt und steht nahe seines Allzeithochs von gut 309 Dollar.

In Deutschland hatte Amazon zuletzt mit Streiks Schlagzeilen gemacht. Beschäftigte der Versandzentren legten mehrfach die Arbeit nieder. Sie kämpfen für höhere Löhne, Amazon will dem aber nicht nachgeben. Das Unternehmen hat in Deutschland rund 9000 Mitarbeiter. Über die nächsten drei Jahre sollen weitere 1000 unbefristete Stellen hinzukommen, sagte Kleber.

Mittlerweile arbeiten weltweit 97 000 Menschen für Amazon, dabei sind befristete Beschäftigte und Leiharbeiter noch nicht einmal mitgezählt. Vor einem Jahr waren es erst 69 100 Leute.

Neben dem Versandhandel sowie dem digitalen Unterhaltungsgeschäft mit Filmen, Musik und elektronischen Büchern ist Amazon auch einer der größten Dienstleister im Internet. Der Konzern betreibt mehrere Rechenzentren, die Cloud ComputingCloud Computing unter der Marke AWS anbieten. Namhafte Konkurrenten sind AppleApple bei digitalen Inhalten sowie Ebay im HandelHandel und beim Online-Bezahlen. (dpa/rs) Alles zu Apple auf CIO.de Alles zu Cloud Computing auf CIO.de Top-Firmen der Branche Handel