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Interview: CIO auf neuen Wegen

"Auch der Umsatzhebel muss bedient werden"

03. Dezember 2015
Ima Buxton arbeitet als freie Redakteurin in München. Sie schreibt schwerpunktmäßig zu Strategie- und Trendthemen.
Der CIO gilt inzwischen als Quelle für Innovation und Fortschritt. Ganze Geschäftsmodelle leiten sich aus Themen in seinem Verantwortungsbereich ab. Dr. Claus Jeschek von Accenture erläutert im Interview, was dies für die Rolle des CIOs bedeutet.

Die Führungsetagen großer deutscher und internationaler Unternehmen machen deutlich: Gerade die Rolle des CIOs hat sich in den letzten Jahren am stärksten verändert. Statt auf Basis der reinen IT-Kostenkontrolle wird er vielmehr an seinem Anteil an Innovation und Fortschritt für das Unternehmen gemessen. Doch damit werden auch ganz neue Anforderungen an die Rolle des CIOs geknüpft, erläutert Dr. Claus Jeschek von Accenture Strategy im Interview.

Wie verändert sich das Rollenbild des CIOs und welche Faktoren tragen dazu bei?

Heute ist der CIO das Mitglied der Führungsetage innovativer Unternehmen, das Technologie gezielt einsetzt, um das Wachstum des Unternehmens zu fördern. Dies hat vor allem damit zu tun, dass komplexere, neue Technologien aufkommen und die Geschäftsmodelle und Geschäftsstrategien innovativer Unternehmen auf diesen basieren. Dies verändert nicht nur ganze Industrien, es verändert auch die Erwartungshaltung der Konsumenten. Insofern kommt es nicht selten vor, dass CIOs nicht nur den Gewinn des Unternehmens durch Kostensenkungen steigern, sondern auch den Hebel beim Umsatz ansetzen sollen.

Dr. Claus Jeschek ist Managing Director bei Accenture Strategy. Sein Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Digitalisierung und Geschäfts- sowie IT-Transformation mit Fokus auf die Branchen Energie, Versicherung und Logistik. Claus Jeschek promovierte in theoretischer Physik an der Ludwig-Maximilians-Universität und am Max-Planck-Institut in München.
Dr. Claus Jeschek ist Managing Director bei Accenture Strategy. Sein Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Digitalisierung und Geschäfts- sowie IT-Transformation mit Fokus auf die Branchen Energie, Versicherung und Logistik. Claus Jeschek promovierte in theoretischer Physik an der Ludwig-Maximilians-Universität und am Max-Planck-Institut in München.
Foto: Accenture Strategy

Was bedeutet dies personell im Unternehmen?

Informationstechnologie ist heute und auch künftig nicht mehr durch einen kleinen Personenkreis abbildbar. Für mehr und mehr Bereiche, zum Beispiel für Innovation oder Informationssicherheit, werden eigene Strukturen gebildet, in denen Führungskräfte arbeiten, die maximal ein Level unterhalb des Vorstandes angesiedelt und somit dem CIO direkt unterstellt sind. Neben der fachlichen Verantwortung wächst dementsprechend auch die personelle Verantwortung des CIOs stetig.

Welche Bedeutung hat der CIO mit seinem Team für die Innovationsfähigkeit von Unternehmen?

Für viele CEOs ist Innovation heutzutage gleichermaßen die Quelle gesteigerter Effizienz und zunehmender Wettbewerbsvorteile. Das verbindende Element dieser beiden Faktoren ist die Technologie. Technologiegetriebene Kosteneinsparungen erhöhen die Effizienz. Zudem lassen sich durch Technologie Innovationen treiben. Dies ist nicht nur auf den Technologiesektor beschränkt, sondern zieht sich durch alle Industriezweige, ungeachtet regionaler Differenzen. Dadurch wird die Aufgabe für den CIO deutlich strategischer: in Langzeitüberlegungen von hoher Tragweite für das Unternehmen wird er mehr und mehr eingebunden.

Was qualifiziert den CIO besonders für die Rolle des Innovationstreibers?

Für die Innovationsfähigkeit sind CIOs wie kein anderer in der Lage, einen End-to-End Innovationsprozess zu etablieren. Durch diesen können Innovationen besser identifiziert, erforscht, analysiert und mit einem direkten Effekt auf die Ertragssituation insbesondere schneller zur Marktreife gebracht werden. CIOs haben damit vor allem in zwei Dimensionen wesentlichen Anteil an der Innovationsfähigkeit von Unternehmen: Als ein bedeutendes Mitglied der Führungsetage von Unternehmen können sie beim Aufbau und der Organisation eines Innovationsprozesses behilflich sein. Zudem sind sie durch ihr technologisches Wissen in der Lage, die Technologien zu wählen und voran zu bringen, auf denen der Innovationsprozess fußt.

"CIOs werden häufig wider besseres Wissen nicht über die eigenen Themen hinaus eingesetzt"

Was geschieht, wenn CIOs die neue Rolle nicht ausfüllen?

Diese Frage muss man zwingend von zwei Seiten beleuchten. Dass CIOs ihre Rolle nicht ausfüllen, ist denkbar. Viel häufiger werden sie jedoch wider besseren Wissen und aufgrund politischer Entscheidungen eben nicht über die eigenen Themen hinaus eingesetzt. Damit reduziert sich ihr Einfluss auf ihr Kerngeschäft wie die Beibehaltung der IT-Verfügbarkeit und der ständigen IT-Modernisierung unter strenger Kostenkontrolle. Unternehmen, die aus einem der beiden Gründe über einen schwachen CIO verfügen, sind gefährdet im Rahmen der Digitalisierung First-Mover-Vorteile zu verspielen und erst dann ihre Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle umzustellen, wenn sich diese längst in der breiten Masse durchgesetzt haben.

In dieser Situation sind die typischerweise in neuen Märkten anfangs vorherrschenden hohen Margen längst abgeschöpft. Dies ist natürlich nicht allgemein gültig, zeigte sich aber in der Vergangenheit durchaus bei vormals führenden Unternehmen zum Beispiel in der Telekommunikationsbranche. Es kann im schlimmsten Falle dazu kommen, dass ein Unternehmen seine Spitzenposition komplett verliert und aus dem Rennen geworfen wird.

Was bedeutet all dies in der Praxis für den operativen Job des CIOs?

Der CIO wird viel mehr in strategische Fragestellungen einbezogen. Auf diese Weise steigt sein Einfluss über reine IT-Themen hinaus und erstreckt sich weit in jene Bereiche, die bislang klassischen Betriebswirten und Managern vorbehalten waren. Der CIO muss sich daher tagtäglich mit neuen innovativen Technologietrends befassen. Von ihm wird ferner erwartet, mögliche Implikationen sowie Opportunitäten für das Business des Unternehmens zu erfassen und die potenziellen Auswirkungen zu bewerten. Dieses aktive Rollenverständnis sollten CIOs dringend verinnerlichen. Sie müssen weit proaktiver auf die Geschäftseinheiten zugehen und sich damit zu einem echten Partner für das Business entwickeln.

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