Top Ten - Großunternehmen

Der Reiz des Wandels

28. November 2008
Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Ein deregulierter Energiemarkt fordert auch die IT der Stadtwerke Düsseldorf heraus. Matthias Mehrtens setzt darum auf SOA.

Was ist denn Green IT? Können Sie Ihre IT-Strategie erklären? Wie steht es mit Innovation? Die Moderatorin hat sich sperrige Themen ausgesucht, über die Berater stundenlang reden, ohne etwas Greifbares zu sagen. Im schwarzen Anzug und mit der grau-weiß gestreiften Krawatte sieht Matthias Mehrtens aus wie ein Berater, doch nach der ersten Antwort wird der Unterschied klar.

Druck durch neue Gesetze

Der CIO der Stadtwerke Düsseldorf erklärt in wenigen Sätzen, wie intelligente Stromzähler funktionieren. Er plaudert entspannt über die Herausforderungen an seine IT im Energiemarkt, ohne dass er sich in Anglizismen und Abkürzungen ergeht.

Die Idee, Anwendern die IT in Web-TV-Spots zu erklären, funktioniert bei den Düsseldorfer Stadtwerken. Für den promovierten Wirtschaftsinformatiker ist eine gute Zusammenarbeit mit den Fachbereichen Grundvoraussetzung für seine Arbeit. "Wir stehen von vielen Seiten unter Druck, ob durch Wettbewerber oder Vorgaben der Bundesnetzagentur", sagt Mehrtens. Letztere gab den Anstoß für den Aufbau einer Service-orientierten IT-Architektur mit einer zentralen Datendrehscheibe auf Basis von SAP. So musste im Zuge der Entflechtung von Vertrieb und Verteilung für Strom und Gas das SAP-System in zwei Mandanten aufgeteilt werden. Auf den Projektfortschritt ist Mehrtens stolz: "Wir haben vier Testtransformationen sowie Prozesstests hinter uns und werden im Frühjahr 2009 einer der ersten großen Versorger in Deutschland sein, der diese Anforderungen umgesetzt hat." Betroffen sind insgesamt über 750 000 Verträge. Auch der Austausch von Nachrichten zwischen den zwei getrennten SAP-Systemen über Edifact-Datenkommunikation funktioniere schon. Dass alles bislang so gut lief, führt Mehrtens auf die Architekturvorgaben zurück, die man sich vorher genau überlegt habe.

Ganz nah am Business

Der Wandel sorgt dafür, dass sich der 41-Jährige nicht langweilt. Als er 2003 von einem Energiekonzern zu den Stadtwerken Düsseldorf wechselte, wunderten sich so manche. Mehrtens aber schätzt den Zusammenhalt, den der Druck durch Wettbewerber und Vorgaben der Bundesnetzagentur noch verstärkt. Auch die kurzen Wege - alle 2500 Mitarbeiter arbeiten an einem Standort - machen Geschäftsreisen oft überflüssig. Die Projekte lassen sich ohne internationale Verflechtungen schneller abwickeln. Seit EnBW als Mehrheitseigner eingestiegen ist, verstehen sich die Stadtwerke als "Flaggschiff" für den Energiekonzern in der Region.

Jüngst wurde Mehrtens in den Aufsichtsrat der Stadtwerke Düsseldorf AG gewählt. Darüber hat er sich gefreut. Nun arbeitet er eng mit den Vorständen im Aufsichtsrat zusammen und ist dort angelangt, wo jeder erfolgreiche CIO sein möchte:

ganz nah am Business.

Matthias Mehrtens (41), Stadtwerke Düsseldorf

Position: Hauptabteilungsleiter IT (CIO).

Branche: Energiewirtschaft (2499 Mitarbeiter).

Ein CIO muss ...Anwendern die IT erklären können.

Er liest gerade ...Jürgen Jaworski: "Innovationskultur: Vom Leidensdruck zur Leidenschaft".

Lieblingsfach ... in der Schule: Chemie.

Wichtigstes Projekt: Aufbau einer Service-orientierten IT-Architektur.

Beschreibung: Sie beinhaltet die Mandantentrennung SAP, Edifact- Datenkommunikation Strom und Gas, Aufbau Portfolio-Management, Aktualisierung CRM-Software für B-to-B.

Projektbereiche: unter anderem ERP; CRM; Branchensoftware; IT-Governance; IT-Architektur (SOA, EAM, ...).

Kernprodukte: SAP ERP, CRM, BI, Handelssystem.

Herausforderungen: Wettbewerbsanforderungen und gesetzliche Rahmenbedingungen.

Zeitrahmen: Ende 2007 bis Frühjahr 2009.

Projektmitarbeiter: 50 (146 IT-Mitarbeiter gesamt).

Projektbudget: zehn Millionen Euro (IT-Budget gesamt: 40 Millionen Euro).

IT-Umgebung: IBM, SAP, Oracle.

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