Oktoberfest

Deutschlands größter Mobilfunk-Hotspot

20. September 2013
Harald Karcher ist freier Autor in München. Er testet mobile Geräte vom Handy bis zum Laptop und mobile Netze von WLAN bis zu LTE.
Für sechs Millionen Oktoberfest-Besucher bauen die Netz-Betreiber alljährlich den größten deutschen Mobilfunk-Hotspot auf der Münchener Wiesn. Wir erklären, wie er funktioniert und was man für andere Mega-Events daraus lernen kann.

Moderne SmartphonesSmartphones mit Daten-Flatrates machen die mobile Nutzung von FacebookFacebook, YouTube, GoogleGoogle Plus und TwitterTwitter immer attraktiver. Über soziale NetzwerkeNetzwerke kann man allzeit am Leben der Anderen teilhaben. Damit wächst der mobile Daten-Download rasant - und der mobile Upload noch rasanter. Denn immer mehr mobile User wollen nicht nur passiv konsumieren, sondern das selber Erlebte auch mit anderen teilen, sprich Fotos, Videos, Posts und Tweets aktiv in das Internet hochladen. Dieses veränderte Verhalten spüren alle Mobilfunk-Betreiber auch ganz massiv in ihren Netzen, gerade bei großen Events, von Musik über Sport bis hin zu Volksfesten. Alles zu Facebook auf CIO.de Alles zu Google auf CIO.de Alles zu Netzwerke auf CIO.de Alles zu Smartphones auf CIO.de Alles zu Twitter auf CIO.de

Das zeigt auch ein Blick in die Vorjahre. Hartmut Kremling, CTO bei Vodafone Deutschland, erinnert sich:"Auf dem Oktoberfest 2012 in München hatten wir 3,5-mal so viel Datenverkehr wie nur ein Jahr zuvor, weil beispielsweise immer mehr Videos gesendet werden. Die haben natürlich noch größere Datenmengen als Bilder, von denen auch immer mehr verschickt werden. Wir erleben gerade, dass das Internet wirklich mobil wird, und darüber freue ich mich. Das ist eine große Herausforderung für uns und auf dem Oktoberfest zeigen wir, wie wir diese mit zusätzlichen Kapazitäten meistern".

Vodafone: Wiesn-Traffic verdreifacht

LTE-Antennen von Vodafone hingen 2012 aber noch nicht direkt auf dem Festgelände. Der neue Turbo-Funk strahlte "nur" von den umliegenden Standorten in das Fest hinein. Trotzdem hat der Autor in etlichen Messungen schon auf der Wiesn 2012 mit gut 13 MBit/s im Download und über 14 MBit/s im Upload einen recht brauchbaren LTE-Datendurchsatz bekommen.

Auch 2013 funkt Vodafone das reichweitenstarke LTE-800 "nur" aus den umliegenden Stationen in die Wiesn hinein. Zusätzlich haben die Düsseldorfer jetzt aber innerhalb der Wiesn erstmals einen LTE-2600-MHz-Masten mit drei Sektoren, der das ganze Festgelände von innen her versorgt. Er steht am Südende der Wiesn, zwischen Kufflers Weinzelt und Käfers Schänke.

Mit LTE-2600 kann Vodafone bei entsprechender Versorgung grundsätzlich schon bis zu 150 MBit/s Download auf ein geeignetes LTE-Cat4-Handy senden, etwa auf ein Huawei P2, sofern eine SIM-Karte mit einem Vodafone RED Premium Tarif drin steckt. Doch so ein Massen-Event mit sechs Millionen Besuchern wäre wohl der falsche Ort, um die Grenzen von LTE-Cat4 auszuloten. Die Stationen seien so konfiguriert, dass trotz Besucheransturm möglichst viele Nutzer zeitgleich von hohen Datenraten profitieren und nicht wenige von Spitzen-Datenraten, erklärt dazu Dirk Ellenbeck, Leiter Kommunikation, Technik & Innovationen, Vodafone Deutschland.

Neben LTE hat Vodafone heuer sieben GSM-900-MHz-Standorte mit 19 Sektoren, zudem sieben GSM-1800-MHZ-Standorte mit ebenfalls 19 Sektoren sowie zwölf UMTS-Standorte mit 31 Sektoren und 72 Zellen aufgebaut. Die Anbindung des ganzen Wiesn-Hotspots wurde von 200 MBit/s auf 1 GBit/s deutlich erhöht. Sie läuft über 1-GBit/s-Ethernet, Glasfaser und Richtfunk. Das klingt nach einer hohen Ausfallsicherheit. Auch außerhalb der Theresienwiese hat Vodafone sich auf den Besucheransturm vorbereitet und rechtzeitig zur Wiesn 2013 ein hochkapazitives Mobilfunknetz auf engstem Raume in der Münchener Innenstadt gebaut.

E-Plus setzt auf HSPA+ im Dual-Cell-Modus

E-Plus wiederum stellt laut Unternehmenssprecher Jörg Borm die Versorgung der Wiesn über insgesamt 11 Mobilfunkstandorte auf und neben dem Gelände sicher. Zusätzlich versorgten die bereits vorhandenen Anlagen in München das weiträumige Umfeld um das Festgelände. Erstmals sei es den Besuchern außerdem möglich, mit HSPA+ im Dual Cell-Modus und damit mit bis zu 42 MBit/s direkt von der Wiesn ins mobile Internet zu gehen. Die Anbindung der Stationen erfolgt über Richtfunk und Mietleitungen. Kein Wort zu LTE. Auf Nachfrage vertritt Borm die Meinung, dass es viele User gar nicht interessiert, über welche Funknorm sie genau im Internet surfen. Hauptsache es funktioniert. Außerdem gibt er zu bedenken, dass sich die Mitbewerber den LTE-Spaß mit entsprechend hohen Gebühren vom User bezahlen lassen.

o2 verdreifacht LTE zur Wiesn 2013

Schon zur Wiesn 2012 hatte o2 die Kapazitäten vor Ort verdreifacht und war erstmals auch mit zwei LTE-Stationen an den Start gegangen. Wie Franz Erhart, Specialist Network Optimisation & Performance bei Telefónica Deutschland, ausführt, wird in diesem Jahr zwar bei der Telefonie mit einem ähnlich hohen Niveau wie im Vorjahr gerechnet. Bei der Nutzung mobiler Datendienste sei jedoch erneut eine Verdopplung im Vergleich zu 2012 zu erwarten. Aus diesem Grund habe o2 die Anzahl der 2G-, 3G- und 4G-Netzelemente mit über 40 Stück fast verdoppelt und diese auf 9 Standorte verteilt. Dazu gehörten allein sechs LTE-Stationen auf dem Festgelände - drei Mal so viele LTE-Stationen wie im Vorjahr.

Tatsächlich machten die O2-Mobilfunkschränke von Huawei bei einer Besichtigung Anfang September einen sehr modernen Eindruck. Man darf zur Wiesn 2013 auf gute o2-Connections gespannt sein. Der Verkehr aus dem o2-Hotspot werde über einen eigenen Glasfaserring auf dem Wiesn-Gelände geleitet und von dort - ebenfalls über Glasfaser - zu den "außenliegenden Konzentratoren bzw. BSC/RNC" von o2 abgeführt, erklärt Erhart.BSC steht für Base Station Controller und RNC für Radio Network Controller. Zusätzlich hat o2 aus Redundanzgründen eigene Richtfunk-Schüsseln auf der Wiesn 2013 installiert, und zwar neben dem Hippodrom und bei den Münchener Stadtwerken.

Telekom klotzt mit 10 LTE-Stationen

LTE hatte die Telekom 2012 noch nicht auf der Wiesn angeboten, wenngleich die 4G-Technologie - wie Tests zeigten - direkt auf dem Festgelände verfügbar waren. Beim Wiesn-Opening mit OB Christian Ude zog es im brechend vollen Schottenhamel-Festzelt beim weltberühmten O'zapfen immerhin knapp 10 MBit/s Download und knapp 4 MBit/s Upload bei Ping-Zeiten von 31 Millisekunden aus dem LTE-1800-Netz der Telekom.

In diesem Jahr ist es nun ganz offiziell verfügbar: Die Telekom hat sogar innerhalb der Theresienwiese gleich auf zehn Standorten LTE montiert, auf acht GSM und ebenfalls auf zehn Positionen UMTS-Antennen installiert. Abgeführt wird der gesamte Hotspot-Traffic laut Pressemann Dr. Markus Jodl ausschließlich über das eigene Glasfasernetz der Telekom. Richtfunkschüsseln zur Redundanz nutzt die Telekom hier nicht. Das Vertrauen in das eigene Glasfaser-Netz scheint hoch zu sein. Immerhin sind die Fasern unter dem Festgelände gut im Boden vergraben.

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